Toni Hämmerle - Gießener Köpfe
Objekt: Toni Hämmerle
Standort: Stephanstraße/ Ecke Goethestraße | Standort in der Karte
Stadtteil/Bezirk: Südstadt
Künstler: Alf Becker, (Allendorf/Lumda), Hasselberg/Ostsee
Material: Bronze, patiniert, 2009
Entstehung: 2009, Auftragsarbeit
Aufstellung: Reihe Gießener Köpfe
Eigentümer: Stadt Gießen
Beschreibung: Der Porträtkopf von Toni Hämmerle steht vor dem einstigen Finanzamtsgebäude, das heute der Universitätsverwaltung dient. Der Ort ist bewusst gewählt: Die Universität war Hämmerles Arbeitsgeberin in Gießen und der Blick des Kopfes ist auf das gegenüberliegende Haus gerichtet, in dem er mit seiner Frau Christina wohnte. Der Kopf wurde initiiert von dem damaligen Kulturdezernenten Dr. Reinhard Kaufmann, dem Stadtverordnetenvorsteher Dieter Gail und der Gießener Fassenachtvereinigung (GFV), die auch für die Finanzierung sorgten. Beauftragt wurde der heimische Bildhauer Alf Becker, dessen sonstigen Werke in Gießen non-figurativ und abstrakt sind. Hier zeigt er sein Können als Porträtist.
Toni Hämmerle (1914-1968) kam aus Mainz, wo er Musik am städtischen Konservatorium studiert hatte und als Lehrer tätig war. Im Zweiten Weltkrieg verlor er durch Verschüttung bei einem Bombenangriff auf Mainz sein Augenlicht. Ab 1952 war er in Gießen gemeldet, war Telefonist bei der Universität Gießen (bis 1967). Der Multi-Instrumentalist machte sich bald einen Namen als Schöpfer von Stimmungsliedern für den Karneval. Er traf in den 50er und 60er Jahren den Nerv der Zeit mit seinen Schlagern, die teils zu Gassenhauern wurden. Hämmerle arbeitete mit damals beliebten Sängern und Musikern zusammen: mit Ernst Neger und Margit Sponheimer, mit Ralf Bendix, Camillo Felgen und Paul Kuhn. Er blieb mit der Mainzer Fassenacht verbunden. Bei den Sitzungen der Gießener Fassenachter trat er mit seinem Chor „Die Hämmerles“ auf. Er starb in Gießen, sein Grab ist auf dem Friedhof am Rodtberg (Abt.IV-G).
Künstler-Vita:
Der Steinbildhauer Alf Becker lebte viele Jahre im Umland von Gießen, in Allendorf/Lumda. Geboren 1953 im Burgwald, studierte er Grafik und Bildhauerei an der Folkwangschule Essen. Seit 1980 ist er als freischaffender Bildhauer tätig. Er organisierte mehrere Bildhauer-Symposien im Steinbruch Londorf. Zu seinen Ausstellungen gehören zwei in Gießen: 1985 in der Kunsthalle/Kongresshalle, 2009 im Oberhessischen Museum/Altes Schloss. 2012 zogen er und seine Lebensgefährtin, die Malerin Susanne Tack, nach Norddeutschland. Sie eröffneten den Kunstraum Skulpturengarten in Hasselberg nahe der Ostsee.
Weitere Werke in Gießen: Skulptur ‚Look alive‘ am Rathaus, Bodensteine auf Uni-Campus Jura/Wirtschaft an der Licher Straße, Obelisk im Schiffenberger Tal am Klingelbach, mehrere Skulpturen im Oberhessischen Museum/Altes Schloss.
In der Nachbarstadt Wetzlar: große Stahlskulptur auf dem Bahnhofsvorplatz.
Die Gießener Köpfe sind ein Kunst- und Denkmalprojekt, initiiert und organisiert ab 2006 vom städtischen Kulturamt (Dezernent Dr. Reinhard Kaufmann, Leiter Dr. Friedhelm Häring). Geehrt werden wichtige Persönlichkeiten der Gießener Geschichte, mit der Fertigung der Bronzeköpfe beauftragt werden Bildhauer*innen. Der jeweilige Guss wird in Gießereien getätigt, mit denen die Künstler*innen zusammenarbeiten, sie kommen also aus verschiedenen Betrieben. Die Vorbereitung des Standorts mit Sockel und Informationstafel organisiert die Stadt. 2012 wurde der bislang letzte Kopf am Neuen Schloss enthüllt, insgesamt gibt es im Stadtraum 14 Gießener Köpfe, davon vier weibliche (Stand 2020).
Literaturhinweise:
- zum Bildhauer: www.alfbecker.de, sh-kunst.de/alf-becker-kunstraum-skulpturengarten
- zum Dargestellten: GFP/GAZ 17.12.1965 Toni Hämmerle und Margit Sponheimer; GAZ 10.12.1968 Toni Hämmerle gestorben; Feier zum 100. Geburtstag in Gießener Anzeiger (GA) und Allgemeine (GAZ) 9.2.2015; wikipedia
- Gedenken: Ausstellung im MuK, in GA u. GAZ 9.3.2004, Vorbericht in GAZ 14.2.2004; Aufstellen der Büste in GA u. GAZ 22.9.2009; Ernst Neger gründete 1970 in Ahlen/Westfalen die Pony-Station Toni Hämmerle, Stätte zur Gesundheitsförderung körperbehinderter Kinder.
Autorin: Dagmar Klein
Stand: Januar 2025