Liebig-Porträt - Relief
Objekt: Liebig-Porträt in Reliefform
Standort: Hörsaalgebäude Recht u. Wirtschaft, Wand vor Hörsaal 1 | Standort in der Karte
Stadtteil/Bezirk: Östliches Stadtgebiet, zwischen Licher Straße u. Alter Steinbacher Weg
Künstler*in: Hilde Theiß, Biebertal-Rodheim
Material: Bronze
Entstehung: 1993
Aufstellung: 1996, Jan. enthüllt
Eigentümer: Justus-Liebig-Universität
Beschreibung:
An der Außenwand von Hörsaal 1, im breiten Durchgangsflur des Hörsaalgebäudes, hängt seit vielen Jahren ein relativ großes Porträtrelief, das Justus Liebig zeigt. Die formal aufgerissene Technik weist auf eine in Ton gearbeitetes Original hin, das in Metall abgeformt wurde. Unterhalb des Kopfes ist auch der Fünfkugelapparat erkennbar, der als Erfindung Liebigs gilt. Am unteren Rand rechts ist die Signatur H.Th. 1993 zu erkennen. Nach einem Aufruf in den Gießener Tageszeitungen ließ es sich entschlüsseln: Dr. Heide-B. Theiß aus Rodheim. Das feierliche Enthüllen des Porträtreliefs auf dem JuWi-Campus erfolgte im Januar 1996. Den Ankauf ermöglicht hatte die Gießener Hochschulgesellschaft und die Commerzbank-Stiftung.
Künstler-Vita: Heide-Birgitt Theiß wurde während des Zweiten Weltkriegs in Würzburg geboren, sie starb im Januar 2023. Sie hatte früh ihre Liebe zur Natur und bereits in der Grundschule ihre „Neigung zum Malen“ entdeckt, mit 13 das Formen mit den Händen. Ihr Biologie-Studium schloss sie mit einer Promotion in Botanik ab, arbeitete als Fachlehrerin in Schulen. Seit 1977 wohnte sie mit ihrer Familie in Biebertal, ihr Mann Dr. Winfried Theiß war Germanist an der Universität Gießen.
Das künstlerische Schaffen von Heide-B. Theiß „fand 36 Jahre lang im Stillen“ statt, wie sie selbst schrieb. Die Teilnahme an Ausstellungen erfolgte nach Anfragen: Die erste fand in der Adventszeit 1990 in der Stephanus-Kirche Gießen statt, daraufhin eine Einzelausstellung im Rathaus-Foyer von Linden und die Teilnahme an der Gruppenausstellung „Frauen & Kunst“ im Finanzamt Wetzlar. Es gab weitere Gelegenheiten zur Ausstellung, sie nennt im Flyer aber nur die Krypta der Petrus-Kirche Gießen (ohne Jahr).
Weitere Werke: Neben dem Bronzerelief für Justus Liebig schuf sie ein Relief für die Kirche in Bieber und den Petrus-Saal in Fellingshausen. Auf dem Friedhof von Bieber befindet sich das Bronze-Grabmal für ihren 1995 verstorbenen Mann. Auf dem Friedhof am Rodtberg Gießen befindet sich ihr bekanntestes Werk, das Denkmal für die totgeborenen Kinder (August 2000). Im November 2002 hatte sie ihre Einzelausstellung im Heimatmuseum Rodheim, im Mai 2010 war die Übergabe zweier Bronzeplastiken (Barmherziger Samariter) an die Diakonie Königsberg bei Wetzlar.
Geschichte des Ortes: Die historische Anlage steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude-Ensemble entstand kurz nach der Jahrhundertwende 1900 als Provinzial-Siechenanstalt. Es wurde im damals üblichen schlossähnlichen Stil erbaut, zu dem ein weitläufiger Park gehörte. 1931 kam das Provinzial-Kinderheim dazu. Nach Auflösung der hessischen Provinzen ging das Areal 1933 an das Land Hessen, die Stadt Gießen konnte nun die Gebäude als Altenheim und für pflegebedürftige Kinder nutzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg belegte die US-Army das Areal. Die Versuche der Stadt, die Gebäude wieder als Altenheim nutzen zu können waren vielfältig, aber vergeblich. Nach Wiederbegründung der Universität Gießen zog 1965 der Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ein. 1972 wurde das neue Hörsaalgebäude errichtet, 2016 folgte dessen Erweiterung mit Cafeteria, 2023/24 die bauliche Sanierung.
Literaturhinweise:
Zur Künstlerin: Flyer zur Ausstellung im Heimatmuseum Rodheim-Bieber, Nov.2002 - Jan.2003, darin sind Vita und Werke im öffentlichen Raum aufgeführt, auch das Liebig-Porträt-Relief; Bericht im GA 30.11.2002, demnach waren zu sehen gut 30 Bilder und 30 Skulpturen, mehrere Krippen, ihre Publikationen.
Zum Werk: - Bronze-Relief Justus Liebig enthüllt in GA u. GAZ 19.1.1996, Herkunft des Liebig-Reliefs geklärt in GAZ 6.12.2024 und GA 10.12.2024
- Skulptur ‚Geborgen‘ auf dem Friedhof am Rodberg Gießen: Vertrag zum Anlegen des anonymen Kindergräberfeldes zwischen Stadt und Universität GA u. GAZ 27.10.1999, bereits mit Hinweis auf zu erschaffende Skulptur von Dr. Heide Theiß; im August 2000 erfolgt die Einweihung des Gräberfeldes mit Enthüllen der Skulptur „Geborgen“ GA u. GAZ 26.8.2000.
Zum Ort: Denkmaltopographie Gießen, Landesamt für Denkmalpflege Wiesbaden 1993, S.
399 f.
Autorin: Dagmar Klein, Dezember 2024