Kirchenplatz 8-9 (ehem. Kirchenplatz 4) - Ludwig und Johanna, Irma, Renée, Moritz Rosenbaum
Ludwig Rosenbaum
*15.08.1879
deportiert am 27.09.1942 ab Darmstadt nach Theresienstadt
befreit 1945
verstorben 13.12.1950 Gießen
Stolperstein verlegt am 23.03.2016
Johanna Rosenbaum, geb. Hirsch
*06.06.1888 in Hillesheim, Kreis Oppenheim
deportiert am 27.09.1942 ab Darmstadt nach Theresienstadt
ermordet am 17.03.1944 in Theresienstadt
Stolperstein verlegt am 23.03.2016
Irma Rosenbaum, verh. Salomon
*08.07.1911 in Gießen
deportiert am 04.03.1943 ab Berlin nach Auschwitz
ermordet in Auschwitz
Stolperstein verlegt am 23.03.2016
Renée Rosenbaum
*18.01.1913 in Gießen
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 23.03.2016
*15.11.1876 in Butzbach
deportiert am 27.09.1942 ab Darmstadt nach Theresienstadt
ermordet am 02.07.1943 in Theresienstadt
Stolperstein verlegt am 23.03.2016
Standort Stolpersteine Kichenplatz 8/9
Ludwig und Johanna Rosenbaum
Ludwig Rosenbaum wurde als drittes Kind der Eheleute Julius Rosenbaum I. und seiner Frau Jettchen, geb. Vogel, am 15.08.1879 in Butzbach geboren. Ludwig hatte fünf Geschwister, drei Brüder und zwei Schwestern. Am 01.07.1981 kam die Familie nach Gießen. Zunächst wohnte die Familie in der Wettergasse 5, dann in der Neustadt und zog um die Jahrhundertwende an den Kirchenplatz. Ludwig erlernte, wie sein Vater und sein älterer Bruder, den Beruf des Metzgers.
Am 16.06.1910 heiratete er Johanna Hirsch, geb. am 06.06.1888, aus Hillesheim. Kr. Oppenheim. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, Irma geb. 1911 und Renée geb. 1913. Die Familie lebte im Elternhaus Kirchenplatz 4.
Nach dem Tod des Vaters übernahm Ludwig zusammen mit seinem Bruder Moritz die elterliche Metzgerei. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde er verhaftet, ins KZ Buchenwald gebracht und dort einen Monat gefangen gehalten. Die Metzgerei durfte ab November 1938 von der Familie nicht mehr betrieben werden.
Irma, die ältere Tochter, ging 1941 nach Berlin und heiratete dort. Die Familie lebte bis zur Deportation in ihrem Haus Kirchenplatz 4. Ludwig, seine Frau Johanna und Tochter Renée wurden im September 1942 mit vielen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern aus Gießen von der Goetheschule aus nach Darmstadt gebracht. Das Ehepaar wurde am 27.09.1942 nach Theresienstadt deportiert, Renée am 30.09.1942 nach Polen. Johanna Rosenbaum verstarb am 17.03.1944 im Lager Theresienstadt.
Am 09.05.1945 wurde das Lager von der russischen Armee befreit. Ludwig Rosenbaum wurde am 12.06.1945 aus dem Lager entlassen. Er kam nach Gießen zurück. Das Haus Kirchenplatz 4 war durch den Bombenangriff am 06.12.1942 total zerstört. Ludwig Rosenbaum wohnte zunächst in der Bleichstraße 15, zog dann in die Bahnhofstraße 15 und später in das Altersheim Johannesstraße 9. Am 13. Dezember 1950 starb er in Folge eines Herzschlags und wurde auf dem Neuen Friedhof in Gießen beigesetzt.
Irma Rosenbaum
Irma Rosenbaum, geb. am 08.11.1911 in Gießen, war die ältere Tochter von Ludwig und Johanna Rosenbaum, geb. Hirsch. Irma besuchte die Höhere Mädchenschule in Gießen – heute Ricarda-Huch-Schule – die sie Ostern 1926 verließ.
1941 flüchtete Irma nach Berlin, auch dort wurde ein Stolperstein für sie verlegt. Nachstehende Erläuterungen wurden aus der Recherche von Frau Petra Gutsche aus Berlin zur Verfügung gestellt:
Irma heiratete am 7. November 1941 in Berlin Rolf Salomon. Aus den zum Aufgebot der Eheschließung eingereichten Unterlagen ist ersichtlich, dass Irma aus Gießen nach Berlin zur Zwangsarbeit bei den Siemens Schuckertwerken verpflichtet worden war. Sie lebte seit März 1941 im Gemeinschaftslager in der Gormannstraße 22 in Berlin-Mitte. Rolf war zwangsverpflichteter Transportarbeiter – wie aus der Eheurkunde hervorgeht. Trauzeuge war sein Vater Max Salomon aus der Prenzlauer Allee 12. Wo das Ehepaar das erste gemeinsame Jahr lebte, konnte nicht ermittelt werden.
Ende Februar 1943 wurde in Berlin die später als „Fabrik-Aktion“ bezeichnete Verhaftungs- und Deportationswelle durchgeführt, in der alle noch in der kriegswichtigen Produktion arbeitenden jüdischen Menschen deportiert wurden.
Irma Salomon geb. Rosenbaum wurde am 4.3.1943 gemeinsam mit ihrem Mann Rolf und dessen Bruder Helmut mit dem 34. Osttransport nach Auschwitz deportiert. Die letzte Adresse der Drei war die Rosenthaler Straße 5 als Untermieter bei den Schwestern Maria und Regina Schwarz. Lt. Angabe in Rolf`s Vermögenserklärung vom Februar 1943 wohnten sie dort seit November 1942.
Auch die Hauptmieterinnen der Rosenthaler Straße 5 vorn II. Etage – die Schwestern Maria und Regina Schwarz- wurden mit dem 34. Osttransport am 4.3.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Für den Schwager, Helmut Salomon, wurde der 12. Dezember 1943 als Todesdatum in Auschwitz dokumentiert. AuchIrma Salomon geb. Rosenbaum hat nicht überlebt. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.
Ihr Mann Rolf Salomon hat die KZ`s Auschwitz, Dachau, Buchenwald und Bisingen (ein Außenlager von Natzweiler-Struthof) überlebt und wurde dort von den Alliierten befreit.
Er heiratete am 5.11.1945 in Jesberg, Krs. Fritzlar-Homburg in dritter Ehe Ilse geb. Rosenbaum - ebenfalls eine Überlebende des KZ Auschwitz. Eine Verwandtschaftsbeziehung zwischen den beiden Frauen Irma (* 1911 in Giessen) und Ilse (* 1922 in Marburg-Lahn) beide geb. Rosenbaum konnte nicht ermittelt werden. Im November 1946 emigrierte das Ehepaar Rolf und Ilse Salomon mit ihrem 5 Monate alten Baby nach Chicago/USA. [iv] Von dort stellte Rolf Salomon 1959 gemeinsam mit seinem Bruder Hans (aus Hamburg) Anträge auf Wiedergutmachung bei den bundesdeutschen Behörden. Rolf Salomon starb 1964 und seine Ehefrau Ilse geb. Rosenbaum 2014 in Chicago /USA.
Für Max und Amalie Salomon geb. Cohn sowie für ihre drei Söhne Hans, Rolf und Helmut Salomon und die Schwiegertochter Irma geb. Rosenbaum wurden am 18. Juli 2025 auf Antrag von Nachfahren sechs Stolpersteine vor der Prenzlauer Allee 12 verlegt.
Anmerkung: Irma Rosenbaum hatte in Berlin keinen frei gewählten Wohnsitz, weshalb ihr Stolperstein nach Gießen gehört, wo 2016 für Irma, ihre Eltern, Schwester und Onkel Moritz Rosenbaum bereits Stolpersteine verlegt wurden. In Anbetracht der Tatsache, dass sie mit Ehemann Rolf und Schwager Helmut gemeinsam aus der letzten nicht frei gewählten Wohnung Rosenthaler Straße 5 deportiert wurde, ist auch für Irma ein Stolperstein am letzten frei gewählten Wohnort der Familie ihres Ehemanns mit verlegt worden.
Weitere Infos unter Stolpersteine Berlin
Renée Rosenbaum
Renée Rosenbaum, geb. am 18.01.1913 in Gießen, war die jüngere Tochter von Ludwig und Johanna Rosenbaum, geb. Hirsch. Renée besuchte die Höhere Mädchenschule in Gießen, heute Ricarda-Huch-Schule, von Ostern 1922 bis Sommer 1925.
Sie erlernte den Beruf der Modistin – Modisten fertigen Kopfbedeckungen/Hüte an.
Renée Rosenbaum wechselte häufig ihre Arbeitsplätze. So arbeitete sie in den Jahren 1931 bis Frühjahr 1938 in Vacha/Rhön, Luxemburg, Aschaffenburg-Goldbach, Hamm in Westfalen und in Wiesbaden.
Renée konnte mit ihren Eltern und ihrem Onkel Moritz bis September 1942 im Elternhaus am Kirchenplatz 4 wohnen bleiben. Sie wurde mit ihrer Familie und vielen anderen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern aus Gießen am 16.09.1942 in das Sammellager in der Goetheschule gebracht, von dort nach Darmstadt und am 30.09.1942 vermutlich nach Treblinka deportiert und dort ermordet.
Moritz Rosenbaum
Moritz Rosenbaum wurde am 15.11.1876 in Butzbach geboren. Seine Eltern waren Julius und Jettchen Hirsch, geb. Vogel. Er war der älteste von fünf Geschwistern. Moritz erlernte, wie sein Vater und jüngerer Bruder, den Beruf des Metzgers. Die Familie zog 1881 nach Gießen, Kirchenplatz.
Moritz Rosenbaum heiratete Elise Reimer aus Darmstadt-Eberstadt am 02.07.1905. Das Paar bezog 1906 eine Wohnung in der Neustadt 56. Nach dem Tod des Vaters 1922 übernahm Moritz mit seinem Bruder Ludwig die Metzgerei am Kirchenplatz, die sie bis Ende 1938 führen durften.
15.07.1906 wurde die Tochter Rudolfine geboren. Elise Rosenbaum verstarb 1931 und ist auf dem alten Friedhof begraben.
Rudolfine heiratete am 09.03.1933 Siegfried Fuld aus Frankfurt. Sie lebten in der Bergerstraße 2.
Moritz Rosenbaum zog, nachdem er alleine war, Mitte der 30er Jahre wieder in sein Elternhaus.
Von dort wurde er im September 1942 zusammen mit seinem Bruder, dessen Frau und deren gemeinsamer Tochter Renée in die Goetheschule gebracht und weiter nach Darmstadt. Moritz Rosenbaum wurde am 27.09.1942 ab Darmstadt nach Theresienstadt deportiert. Hier verstarb er am 02.07.1943.
Rudolfine und Siegfried Fuld wanderten im Dezember 1938 in die USA aus. Siegfried Fuld verunglückte im Juli 1943 tödlich. Die gemeinsame Tochter wurde 1944 geboren. Rudolfine lebte mit ihrer Tochter in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen in New York. Sie war gesundheitlich angeschlagen und konnte daher keiner geregelten Arbeit nachgehen.
Text: Christel Buseck