Wilhelm Hugues - Holzschnitzereien Tür, Tisch,Wand
Objekt: Holzschnitzerei Rückwand, Tischfronten u. Tür
Standort: Hörsaalgebäude Recht u. Wirtschaft, Gerichtssaal (Nr.21)
Stadtteil/Bezirk: Östliches Stadtgebiet, zwischen Licher Straße u. Alter Steinbacher Weg
Künstler: Wilhelm Hugues, Hümme (Hofgeismar)
Material: Eichenholz
Entstehung: Kunst am Bau 1957, Amtsgericht Gießen
Aufstellung: 2009 in den Altbau Rechtswissenschaft
Eigentümer: LBIH Hessen, Justus-Liebig-Universität
Beschreibung
Im Altbau der Rechtswissenschaft wurde 2009 ein Übungs-Gerichtssaal für Studierende eröffnet. Darin sind Holzverkleidungen installiert, die zuvor im Amtsgericht Gießen einen Schöffengerichtssaal schmückten. Bei der Renovierung des Amtsgerichts wurden die dekorativen Holzteile ausgebaut, eine Künstler-Zuordnung konnte damals nicht gefunden werden. Mittlerweile ist geklärt: Der Künstler war Wilhelm Hugues aus Nordhessen. Das Museum Hofgeismar besitzt seinen Nachlass und konnte den entsprechenden Schriftwechsel samt Vorzeichnungen und Fotografien finden. Den Farbton des mehrteiligen Holzreliefs hat der Künstler vor Ort nachgearbeitet.
Künstler-Vita
Wilhelm HUGUES (sprich: Hüges) stammte aus Nordhessen. Er wurde 1905 geboren in Karlshafen, lebte in Hümme, heute ein Stadtteil von Hofgeismar, wo er Dezember 1971 starb. Der französische Nachname kommt von seinen hugenottischen Vorfahren. Nach einer Schreinerlehre studierte er 1925-1930 an der Kasseler Kunstgewerbeschule Architektur, Malerei, Holz- und Steinplastik. Im Nationalsozialismus hatte er Berufs- und Ausstellungsverbot. Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Soldat eingezogen und kehrte 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. In seiner Werkstatt in Hümme schuf er Plastiken aus Holz, Stein, Gips und Metall, dazu kamen Linolschnitte und Ölmalerei. Zu seinen Werken für den öffentlichen Raum gehören auch Gedenksteine ein, etwa in der Gedenkstätte KZ Breitenau. Hugues bekannte sich dazu, dass „Kunst in die Öffentlichkeit gehört“. Sein Nachlass ging an das Stadtmuseum in Hofgeismar.
Weitere Werke in Gießen: nicht bekannt
Geschichte des Ortes:
Die historische Anlage steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude-Ensemble entstand kurz nach der Jahrhundertwende 1900 als Provinzial-Siechenanstalt. Es wurde im damals üblichen schlossähnlichen Stil erbaut, zu dem ein weitläufiger Park gehörte. 1931 kam das Provinzial-Kinderheim dazu. Nach Auflösung der hessischen Provinzen ging das Areal 1933 an das Land Hessen, die Stadt Gießen konnte nun die Gebäude als Altenheim und für pflegebedürftige Kinder nutzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg belegte die US-Army das Areal. Die Versuche der Stadt, die Gebäude wieder als Altenheim nutzen zu können waren vielfältig, aber vergeblich. Nach Wiederbegründung der Universität Gießen kam 1965 auch der Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften dazu. 1972 wurde das neue Hörsaalgebäude (heute als Altbau bezeichnet) errichtet, 2016 folgte dessen Erweiterung mit Cafeteria.
Literaturhinweise
Zum Künstler: www.hofgeismar.de/museum-hofgeismar/sammlungen/kunst/wilhelm-hugues/; wikipedia-Eintrag mit div. Hinweisen auf Kataloge u. Lexika; Nachlass im Stadtmuseum Hofgeismar; dort im Sommer 2023 Sonderausstellung „Wilhelm Hugues – Menschen-Bilder“.
Zum Ort: Denkmaltopographie Gießen, Landesamt für Denkmalpflege Wiesbaden 1993, S.
399 f.
Autorin Dagmar Klein, Oktober 2024