Hedwig Burgheim - Gießener Köpfe
Objekt: Hedwig Burgheim-Porträtkopf
Standort: Fußgängerzone, Plockstraße | Standort in der Karte
Stadtteil/Bezirk: Innenstadt, Fußgängerzone
Künstlerin: Bärbel Dieckmann, Berlin
Material: Bronze
Entstehung: 2008, Auftragsarbeit Kulturamt Gießen
Aufstellung: Januar 2009, Reihe Gießener Köpfe
Eigentümer: Stadt Gießen
Beschreibung: Der Bronzekopf ist sachlich und zurückhaltend im Ausdruck. Das Gesicht wirkt lebensnah und ernst, die Augen sind leicht nach unten gerichtet. Der Kopf zeigt v.a. am Halsansatz und an den zurückgekämmten Haaren grob aufgerissene Strukturen. Das ist ein Hinweis auf das Arbeiten der Künstlerin mit Ton.
Die Porträtierte Hedwig Burgheim, geb. 28.08.1887 in Alsleben/a.d. Saale, war die Tochter eines jüdischen Kaufmanns. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin und studierte an der ersten Frauenhochschule Deutschlands in Leipzig, gegründet von Henriette Goldschmidt. Burgheim arbeitete ab 1915 als Gouvernante und Lehrerin, kam 1918 an das Fröbel-Seminar in Gießen, dessen Leitung sie 1920 übernahm. Das private Institut zur Ausbildung von Erzieherinnen im Sinne Friedrich Fröbels (Begründer der Kindergartenbewegung) wurde aus finanziellen Gründen vom Alice-Schulverein übernommen, Burgheim blieb die Leiterin.
1933 erfolgte ihre Amtsenthebung, sie kehrte 1935 zurück nach Leipzig zu Mutter und Schwester, leitete dort den Aufbau einer jüdischen Haushalts- und Erzieherinnenschule, dann ein jüdisches Altersheim, bevor auch diese Einrichtung geschlossen wurde. Die Auswanderung gelang ihr nicht mehr, am 26.02.1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Seit 1981 verleiht die Stadt Gießen die Hedwig-Burgheim-Medaille für Verdienste um die Verständigung zwischen den Menschen.
Künstlerin-Vita: Bärbel Dieckmann, geb. 1961 in Bielefeld, studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld, machte ihren Abschluss in Illustration und Bildhauerei. Sie war zwei Jahre Assistentin bei ihrem Lehrer, dem Bildhauer Richard Heß. Sie lehrte 1991-94 an der Meisterschule für Steinmetz und Steinbildhauerei in Kaiserslautern, wechselte nach Berlin, wo sie bis heute lebt. Dieckmann hatte Lehr- und Studienaufenthalte in den USA und Ausstellungen weltweit. Ihre Skulpturen im öffentlichen Raum in Deutschland sind zahlreich. Ihr Hauptthema ist der Mensch, sie schuf viele Porträts und Figuren der Mythologie. Sie arbeitet in Ton, Stein, Beton- und Bronzeguss.
Weitere Werke in Gießen: weitere Bronzeköpfe (Agnes von Zahn-Harnack, Abraham Bar Menachem) in der städtischen Reihe Gießener Köpfe; fünf Köpfe im Botanischen Garten der Universität Gießen (2010: Darwin, Albrecht von Haller, Josef von Linné, Carl Vogt, Ernst Haeckel); 2010 Einzelausstellung im OHM, dort Skulptur.
Die Gießener Köpfe sind ein Kunst- und Denkmalprojekt, initiiert und organisiert ab 2006 vom städtischen Kulturamt (Dezernent Dr. Reinhard Kaufmann, Leiter Dr. Friedhelm Häring). Geehrt werden wichtige Persönlichkeiten der Gießener Geschichte. Mit der Fertigung der Bronzeköpfe beauftragt werden Bildhauer*innen. Der jeweilige Guss wird in Gießereien getätigt, mit denen die Künstler*innen zusammenarbeiten, sie kommen also aus verschiedenen Betrieben. Die Vorbereitung des Standorts mit Sockel und Informationstafel organisiert die Stadt. 2012 wurde der bislang letzte Kopf am Neuen Schloss enthüllt, insgesamt gibt es im Stadtraum 14 Gießener Köpfe, davon vier weibliche (Stand 2020).
Literaturhinweise:
- Zur Künstlerin: baerbeldieckmann.de
- Zur Porträtierten: Dagmar Klein, Frauen in der Gießener Geschichte, Gießen 1997; Andrea Dilsner-Herfurth, Hedwig Burgheim - Leben und Wirken, Leipzig 2008.
- Zur Hedwig-Burgheim-Medaille 1981-1993, Heinrich Brinkmann, Gießen 1993.
- Zur Enthüllung des Bronzekopfs: Gießener Allgemeine Zeitung u. Gießener Anzeiger, 21.01.2009