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 Helge Pross - Gießener Köpfe 

Objekt: Helge Pross-Porträtkopf
Standort: Neues Schloss, Senckenbergstraße | Standort in der Karte
Stadtteil/Bezirk: Innenstadt, Brandplatz
Künstler: Thomas Burhenne, Darmstadt
Material: Bronze, patiniert
Entstehung: Soroptimist International, Chapter Gießen
Aufstellung: 2011, Auftragsarbeit
Eigentümer: Stadt Gießen

Beschreibung: Mit der Bronzebüste für Helge Pross wird eine der ersten Professorinnen der Nachkriegszeit an der Universität Gießen geehrt. Thomas Burhenne arbeitet vorwiegend figurativ, seine Porträts sind oft realistisch und detailgetreu, so auch der Kopf für Helge Pross. Auffallend sind die klaren Linien sowie die glatte und glänzende Oberfläche, vor allem im direkten Vergleich mit dem benachbarten Kopf für Horst-Eberhard Richter.

Die Porträtierte: Helge Pross wurde 1927 in Düsseldorf geboren und lebte dort bis zum Abitur. Sie studierte ab 1946 Soziologie, Neuere Geschichte und deutsche Literaturgeschichte an den Universitäten Heidelberg (1946 – 1950) und Stanford (1952), außerdem 1953/1954 Politische Wissenschaften an der Columbia University in New York. Ab 1954 lehrte sie am Institut für Soziologie in Frankfurt/Main, sie war schon dort die einzige Dozentin und die erste, die Seminare zu Frauenthemen anbot. Sie habilitierte 1963 mit einer Schrift über „Manager und Aktionäre in Deutschland, bei Max Horkheimer und Theodor Adorno. 1965 folgte sie dem Ruf an die Gießener Universität, um hier das Institut für Soziologie aufzubauen. 1976 verließ sie die Gießener Universität im Streit und übernahm die Professur für Soziologie an der neu gegründeten Gesamthochschule Siegen. Ihr früher Tod 1986 beendete ihre innovative und weit gefächerte Forschung. Sie ist auf dem Friedhof ihres Wohnorts in Biebertal-Königsberg beigesetzt.
Helge Pross gilt als Pionierin der Frauen- und Geschlechterforschung. Ihr Schwerpunkt lag im Bereich Frau und Familie. In zahlreichen Studien belegte sie die strukturelle Benachteiligung von Frauen und Mädchen. Die Wissenschaftlerin verließ den Elfenbeinturm Universität und ging bewusst an Öffentlichkeit, war selbst journalistisch tätig. Populär wurden zwei Bücher aus ihrer Gießener Zeit: "Die Wirklichkeit der Hausfrau. Die erste repräsentative Untersuchung über nicht-erwerbstätige Ehefrauen" (1975) und "Die Männer. Eine repräsentative Untersuchung über die Selbstbilder von Männern und ihre Bilder von der Frau" (1978).
Die Universität Siegen verleiht seit 1994 im dreijährigen Turnus den Helge-Pross-Preis an Wissenschaftler*innen für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der
Familien- und Geschlechterforschung. Die Universität Gießen verleiht seit 2017 den Helge-Agnes-Pross-Preis für Nachwuchswissenschaftler*innen.

Künstler-Vita: Thomas Burhenne wurde 1953 in Jessen (Sachsen-Anhalt) geboren. Er absolvierte die Ausbildung zum Kunstschmied in Berlin (Ost), floh 1977 aus der DDR, studierte dann Bildhauerei an der Kunsthochschule Kassel und der Akademie Stuttgart, dort als Schüler von Karl-Henning Seemann. 1984 wirkte er an der TH Darmstadt im Fachbereich Architektur. Seit 1986 ist er freischaffend, seine plastischen Werke befinden sich in ganz Deutschland. Im Alten Schloss Gießen (OHM) hatte er 1991 eine Einzelausstellung mit Katalog.
weitere Werke in Gießen: Kopf für Ludwig Börne am Alten Schloss; drei Skulpturen im Museum. Von seinem Lehrer Karl Henning Seemann gibt es ebenfalls Werke im Stadtraum Gießen (3 Schwätzer u. Kopf Georg Büchner).

Die Gießener Köpfe sind ein Kunst- und Denkmalprojekt, initiiert und organisiert ab 2006 vom städtischen Kulturamt (Dezernent Dr. Reinhard Kaufmann, Leiter Dr. Friedhelm Häring). Geehrt werden wichtige Persönlichkeiten der Gießener Geschichte, mit der Fertigung der Bronzeköpfe beauftragt werden Bildhauer*innen. Der jeweilige Guss wird in Gießereien getätigt, mit denen die Künstler*innen zusammenarbeiten, sie kommen also aus verschiedenen Betrieben. Die Vorbereitung des Standorts mit Sockel und Informationstafel organisiert die Stadt. 2012 wurde der bislang letzte Kopf am Neuen Schloss enthüllt, insgesamt gibt es im Stadtraum 14 Gießener Köpfe, davon vier weibliche (Stand 2020).
Besonderheit hier: Dieser Kopf wurde auf Initiative der Gruppe Gießen des weltweit agierenden Service-Clubs Soroptimist International beauftragt. Die Organisation lag wie üblich in den Händen des Kulturamts, also auch die Beauftragung des Künstlers.

Literaturhinweise:

  • zur Aufstellung: Gießener Allgemeine 11.6.2011
  • zum Künstler: siehe wikipedia; Katalog Oberhessisches Museum 1991
  • zur Porträtierten: Frauen in der Gießener Geschichte, Dagmar Klein, Stadt Gießen 1997; Helge Pross - Wegbereiterin der Frauenforschung. Biographisches aus dem Nachlass, Sabine Hering u. Elke Hüwel, universitätsverlag Siegen 2018.

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