Asterweg 34 - Bertha Strauß
Bertha Strauß
*06.11.1879 in Gießen
deportiert am 16.09.1942 über Darmstadt nach Treblinka, Polen
ermordet im besetzten Polen
Stolperstein verlegt am 19.06.2026
Bertha Strauß wurde am 6. November 1879 in Gießen geboren. Ihre Eltern waren Löw/Louis Strauß und Johannette Strauß, geborene Beyfuß. Die Familie gehörte der Liberalen israelitischen Gemeinde an. Bertha hatte einen jüngeren Bruder Julius, der 24.02.1883 geboren wurde. Dieser kam im Mai 1915 aus Schweden nach Gießen zurück und arbeitete als selbstständiger Kaufmann. Julius wohnte bei seiner Familie im Asterweg und wurde am 07.06.1915 zum Heer eingezogen.
Berthas Vater Löw/Louis Strauß arbeitete bei der Firma „R. Oppenheimer & Sohn“ als Buchhalter und Geschäftsführer. Er starb am 26.01.1917 und wurde auf dem Neuen Friedhof in Gießen beigesetzt. Nach dem Tod des Vaters lebte Bertha mit ihrer Mutter Johannette bis zum Frühjahr 1939 im Asterweg.
Das Leben für die beiden Frauen, Mutter und Tochter, muss ohne Einkommen sehr schwer und entbehrungsreich gewesen sein. Ab dem 20. Dezember 1938 mussten Juden Zwangsarbeit leisten. Ob Bertha davon betroffen war, geht aus den Unterlagen nicht hervor.
Am 11.07.1939 starb die Mutter und wurde auf dem Neuen Friedhof in Gießen beigesetzt.
Ab Februar 1941 wohnte Bertha Strauß bei Familie Berthold Kann in der Kaiserallee 8, heute Grünberger Straße. Wann sie in das Ghettohaus in der Walltorstraße 42 ziehen musste, ist nicht bekannt. Am 15.09.1942 wurde Bertha Strauß mit vielen anderen jüdischen Bürgerinnen und Bürger in die Goetheschule gebracht und am 16.09.1942 vom Güterbahnhof aus nach Darmstadt deportiert. Laut Deportationsliste in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins – Band 85 – wurde sie von Darmstadt am 30.09.1942 vermutlich nach Treblinka deportiert und ermordet
Recherche: Schülerinnen und Schüler der Sophie-Scholl-Schule Gießen, Jahrgangstufe 10
Poetry Slam Text zur Stolpersteinverlegung
Bertha Strauß.
Ein Name auf einer Liste.
Einer langen Liste.
Einer Liste voller Namen, die heute kaum noch jemand kennt.
Namen von Menschen, die von Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet wurden.
Und trotzdem stehen wir heute hier.
Wegen ihr.
Wegen Bertha Strauß.
Vielleicht wissen wir fast nichts mehr über sie.
Vielleicht gibt es nur noch ein Bild.
Eine Adresse.
Ein Dokument.
Eine Kennnummer.
Aber sie war mehr als das.
Sie war eine alleinstehende Frau.
Doch sie lief bestimmt über dieselben Straßen wie wir.
Vielleicht kaufte sie morgens Brot beim Bäcker.
Vielleicht schaute sie aus genau diesem Fenster auf die Straße.
Vielleicht lachte sie mit Freunden.
Vielleicht hatte sie Träume für ihre Zukunft.
Doch all das wurde ihr genommen.
Nicht, weil sie etwas falsch gemacht hatte.
Sondern wegen Hass.
Wegen Ideologien.
Wegen Menschen, die entschieden, dass manche Menschen weniger wert seien als andere.
Bertha Strauß wurde nach Treblinka deportiert.
An einen Ort, an dem hunderttausende Menschen ermordet wurden.
Einen Ort, an dem Menschen zu Zahlen gemacht wurden.
Zu Listen.
Zu Gepäckstücken.
Zu „niemandem“.
Und genau deshalb ist dieser Stolperstein wichtig.
Denn dieser Stein sagt:
Doch!
Sie war jemand.
Sie hatte einen Namen.
Ein Leben.
Eine Geschichte.
Auch wenn wir diese heute nicht mehr kennen.
Vielleicht ist das Traurigste nicht nur, dass Menschen ermordet wurden.
Vielleicht ist das Traurigste, dass so viele fast vergessen wurden.
Und genau deshalb erinnern wir heute an Bertha Strauß.
Damit ihr Name nicht verschwindet.
Damit Menschen über diesen Stein stolpern.
Nicht mit den Füßen.
Sondern mit Gedanken.
Damit wir stehen bleiben.
Lesen.
Nachdenken.
Und damit wir niemals vergessen, wohin Hass und Ausgrenzung führen können.
Und warum es so wichtig ist, dass wir genau das eben nicht machen.
Dass wir nicht den Hass und die Ausgrenzung gewinnen lassen.
Bertha Strauß war mehr als eine Nummer auf einer Liste.
Und heute geben wir ihr wenigstens eines zurück: Erinnerung.
von Schülerinnen und Schülern der Sophie-Scholl-Schule Gießen, Jahrgangstufe 10