Asterweg 34 - Bertha Strauß
Bertha Strauß
*06.11.1879 in Gießen
deportiert im September 1942 nach Treblinka, Polen
ermordet im besetzten Polen
Stolperstein verlegt am 19.06.2026
Standort Stolperstein folgt
Text folgt..
Poetry Slam Text zur Stolpersteinverlegung
Bertha Strauß.
Ein Name auf einer Liste.
Einer langen Liste.
Einer Liste voller Namen, die heute kaum noch jemand kennt.
Namen von Menschen, die von Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet wurden.
Und trotzdem stehen wir heute hier.
Wegen ihr.
Wegen Bertha Strauß.
Vielleicht wissen wir fast nichts mehr über sie.
Vielleicht gibt es nur noch ein Bild.
Eine Adresse.
Ein Dokument.
Eine Kennnummer.
Aber sie war mehr als das.
Sie war eine alleinstehende Frau.
Doch sie lief bestimmt über dieselben Straßen wie wir.
Vielleicht kaufte sie morgens Brot beim Bäcker.
Vielleicht schaute sie aus genau diesem Fenster auf die Straße.
Vielleicht lachte sie mit Freunden.
Vielleicht hatte sie Träume für ihre Zukunft.
Doch all das wurde ihr genommen.
Nicht, weil sie etwas falsch gemacht hatte.
Sondern wegen Hass.
Wegen Ideologien.
Wegen Menschen, die entschieden, dass manche Menschen weniger wert seien als andere.
Bertha Strauß wurde nach Treblinka deportiert.
An einen Ort, an dem hunderttausende Menschen ermordet wurden.
Einen Ort, an dem Menschen zu Zahlen gemacht wurden.
Zu Listen.
Zu Gepäckstücken.
Zu „niemandem“.
Und genau deshalb ist dieser Stolperstein wichtig.
Denn dieser Stein sagt:
Doch!
Sie war jemand.
Sie hatte einen Namen.
Ein Leben.
Eine Geschichte.
Auch wenn wir diese heute nicht mehr kennen.
Vielleicht ist das Traurigste nicht nur, dass Menschen ermordet wurden.
Vielleicht ist das Traurigste, dass so viele fast vergessen wurden.
Und genau deshalb erinnern wir heute an Bertha Strauß.
Damit ihr Name nicht verschwindet.
Damit Menschen über diesen Stein stolpern.
Nicht mit den Füßen.
Sondern mit Gedanken.
Damit wir stehen bleiben.
Lesen.
Nachdenken.
Und damit wir niemals vergessen, wohin Hass und Ausgrenzung führen können.
Und warum es so wichtig ist, dass wir genau das eben nicht machen.
Dass wir nicht den Hass und die Ausgrenzung gewinnen lassen.
Bertha Strauß war mehr als eine Nummer auf einer Liste.
Und heute geben wir ihr wenigstens eines zurück: Erinnerung.
von Schülerinnen und Schülern der Sophie-Scholl-Schule Gießen, Jahrgangstufe 10