Abraham Bar Menachem - Gießener Köpfe
Objekt: Porträtkopf Abraham Bar Menachem
Standort: Altes Schloss, Foyer | Standort in der Karte folgt
Stadtteil/Bezirk: Innenstadt, Brandplatz
Künstler*in: Bärbel Diekmann, Berlin
Material: Bronze
Entstehung: 2012
Aufstellung: 2012
Eigentümer: Stadt Gießen, Kulturamt
Beschreibung: Der Bronzekopf von Abraham Bar Menachem zeigt einen älteren, freundlich blickenden Mann mit Haarkranz. Gefertigt wurde er von der Berliner Bildhauerin Bärbel Diekmann, die für Gießen weitere Köpfe gefertigt hat. Typisch bei ihren Arbeiten sind die erkennbaren Spuren des Herstellungsprozesses in Ton, die Oberflächen bleiben aufgerissen, einige Stellen werden nicht im Detail ausgeführt. Der Kopf hat nur eine schmale Aufstellfläche am angedeuteten Halsbereich.
Der Porträtierte: Alfred Gutsmuth wurde am 16. Mai 1912 geboren in Wieseck, dem heutigen Vorort von Gießen. Er besuchte die Liebigschule bis zum Abitur, dann studierte er Jura an der Ludwigs-Universität Gießen. Sein Promovierung 1933/34 gelang dank der Unterstützung durch seinen Lehrer Prof. Dr. Wolfgang Mittermaier, der seine jüdischen Studenten gegen den nationalsozialistischen Druck verteidigte.
Dr. Alfred Gutsmuth verließ Deutschland 1934 Richtung Niederlande, emigrierte 1938 nach Palästina. Dort nahm er den Namen Abraham Bar Menachem an, arbeitete als Rechtsanwalt. In seiner Zeit als Bürgermeister von Netanya trug er dazu bei, dass 1978 eine der ersten deutsch-israelischen Städtepartnerschaften vereinbart wurde. Daher steht sein Kopf im Eingangsbereich zum Netanya-Saal im Alten Schloss. Bar Menachem trug auch dazu bei, dass an der Universität Gießen seit 1996 der „Wolfgang-Mittermaier-Preis für hervorragende Leistungen in der Lehre“ vergeben wird. Er starb am 24. März 2017 im Alter von 104 Jahren in Netanya.
Er wurde vielfach geehrt (Auswahl): 1983 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1982 die Hedwig-Burgheim-Medaille und 1987 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Gießen. Er wurde mit dem Hessischen Verdienstorden und 2015 mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen geehrt. 2021 benannte die Universität einen neuen Hörsaal der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften nach ihm, zugleich wurden die „Abraham Bar Menachem Talks“ (kurz: ABM-Talks) als Vortragsreihe installiert.
Künstlerin-Vita: Bärbel Dieckmann, geb. 1961 in Bielefeld, studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld, machte ihren Abschluss in Illustration und Bildhauerei. Sie war zwei Jahre Assistentin bei ihrem Lehrer, dem Bildhauer Richard Heß. Sie lehrte 1991-94 an der Meisterschule für Steinmetz und Steinbildhauerei in Kaiserslautern, wechselte dann nach Berlin, wo sie bis heute lebt. Sie hatte Lehr- und Studienaufenthalte in den USA und Ausstellungen weltweit. Ihre Skulpturen im öffentlichen Raum in Deutschland sind zahlreich. Ihr Hauptthema ist der Mensch. Sie schuf viele Porträts und Figuren der Mythologie. Sie arbeitet in Ton, Stein, Beton- und Bronzeguss.
Weitere Werke in Gießen: weitere Köpfe (Hedwig Burgheim, Agnes von Zahn-Harnack) in der städtischen Reihe Gießener Köpfe; fünf Köpfe im Botanischen Garten der Universität Gießen (2010: Darwin, Albrecht von Haller, Josef von Linné, Carl Vogt, Ernst Haeckel)
2010 Einzelausstellung im OHM, in der Museumssammlung eine weitere Klein-Skulptur ‚Ikarus‘.
Die Gießener Köpfe sind ein Kunst- und Denkmalprojekt, initiiert und organisiert ab 2006 vom städtischen Kulturamt (Dezernent Dr. Reinhard Kaufmann, Leiter Dr. Friedhelm Häring). Geehrt werden wichtige Persönlichkeiten der Gießener Geschichte, mit der Fertigung der Bronzeköpfe beauftragt werden Bildhauer*innen. Der jeweilige Guss wird in Gießereien getätigt, mit denen die Künstler*innen zusammenarbeiten, sie kommen also aus verschiedenen Betrieben. Die Vorbereitung des Standorts mit Sockel und Informationstafel organisiert die Stadt. 2012 wurde der bislang letzte Kopf am Neuen Schloss enthüllt, insgesamt gibt es im Stadtraum 14 Gießener Köpfe, davon vier weibliche (Stand 2020). Mit den Köpfen für Liebknecht und Vogt startete das Projekt im April 2006.
Literaturhinweise:
zur Künstlerin: https://baerbeldieckmann.de
zum Porträtierten: Abraham Bar Menachem, Bitterer Vergangenheit zum Trotz, Lebenserinnerungen, Reden eines Israeli, Hessen-Bibliothek im Insel-Verlag 1992; www.uni-giessen.de/abraham-bar-menachem-talks; „Und dennoch…“ – Hedwig-Burgheim-Medaille 1981-1993, die zweite Verleihung an Bar Menachem dokumentiert mit Vita und Laudatio durch seinen Freund Prof. Erwin Knauß; zahlreiche Berichte in den Gießener Tageszeitungen.
Zu den ersten Gießener Köpfen Vogt u. Liebknecht: Gießener Allgemeine und Gießener Anzeiger 8.4.2006
Autorin: Dagmar Klein, Stand Dezember 2024