Zweite Bahnbrücke in der Lahnstraße wird vergrößert
Wenn am Ende des kommenden Jahres 2027 die große Baustelle, die nun errichtet wird, wieder verschwunden sein wird, ist Gießen um ein verkehrliches Nadelöhr und ein großes Ärgernis ärmer: Die letzte enge Bahnbrücke in der Lahnstraße bei Kleinlinden wird ab Oktober 2026 auf zwei Fahrspuren verbreitert sowie beidseitige Radspuren und Gehwege angelegt. Die Ampel kann abgebaut werden und das lange Warten, um den Tunnel unter der Brücke, der derzeit nur einspurig befahrbar ist, passieren zu können, gehört der Vergangenheit an.
In Kooperation zwischen DB InfraGO und Stadt Gießen verschwindet damit ein letztes Relikt aus der frühen Zeit der Bundesrepublik. Zwei Bahnbrücken wurden in den 50er Jahren über die Lahnstraße gebaut - mangels damaliger Bedeutung der Straße an der Lahn waren sie in Breite und Höhe nur für wenig Verkehr ausgelegt. Das änderte sich mit zunehmender Besiedlung der Lahnstraße.
Im Jahr 2019 wurde eine der beiden alten Bahn-Brücken erneuert und vergrößert. Nach Abschluss der Straßenarbeiten im Jahr 2021 wurde sie für den Lkw- und Busverkehr zweispurig wiedereröffnet. Nun soll die letzte verbleibende Engstelle beseitigt werden. Die Stadt verbindet damit die Erwartung, Anwohner in Kleinlinden von Stau und Abgasen und die Frankfurter Straße sowie die Innenstadt insgesamt vom Verkehr zu entlasten. Künftig ist dann eine Durchfahrt von der B49 in die Lahnstraße ohne Verzögerung möglich.
Dafür wird nun viel gebaut. Die Lahnstraße muss zunächst einspurig, ab Januar für ein Jahr voll gesperrt werden. Ab 1. Oktober 2026 baut DB InfraGO AG zunächst die Bahnbrücke komplett neu, anschließend gestaltet die Stadt Gießen die Straße um.
Das Vorhaben kostet die verantwortlichen Stellen rund 7 Millionen Euro. Auf die Stadt Gießen entfällt - bei einer Förderung durch das Land in Höhe von 2,8 Millionen Euro - rund 1,2 Millionen Euro. Den Rest übernehmen Bahn und Land.
Die Stadtverordnetenversammlung hatte den Grundsatzbeschluss, das Projekt mit der Bahn angehen zu wollen, bereits im Jahre 2021 gefasst. Nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens kann im Herbst mit den Arbeiten begonnen werden.
Baumaßnahme in zwei Bauabschnitten
Im ersten Abschnitt startet die DB InfraGO AG mit den Arbeiten für das Brückenbauwerk. Zunächst finden vorbereitende Maßnahmen statt und Fachleute untersuchen die Bauflächen auf Kampfmittel. Für die weiterführenden Arbeiten, die am 1. Oktober beginnen, gilt an der Lahnstraße eine Einbahnstraßenregelung: Die Einfahrt erfolgt über die obere Frankfurter Straße, die Ausfahrt über die Gabelsberger- oder Klinikstraße. Fußgängerinnen und Fußgänger können den Gehweg weiterhin wie gewohnt nutzen. Während des ersten Bauabschnitts fährt die Bus-Linie 310 stadteinwärts den regulären Linienweg. Stadtauswärts fährt die Linien 310 eine Umleitung über Hüttenweg, Klinikstraße und Frankfurter Straße, sodass die Haltestelle „Margaretenhütte“ weiterhin bedient werden kann.
Ab Mitte Januar 2027 folgt der zweite Abschnitt mit einer Vollsperrung der Lahnstraße ab der Einmündung „Sportfeld“ bis zur Wendeanlage „Bachweg“, voraussichtlich bis Dezember 2027. In dieser Zeit wird die Lahnstraße für den motorisierten Verkehr zur Sackgasse und kann nur über die Gabelsberger- oder Klinikstraße erreicht und verlassen werden. Alle Umleitungen sind vor Ort ausgeschildert. Die Zufahrt zu allen privaten Grundstücken bleibt während der gesamten Baumaßnahme erhalten.
Im zweiten Bauabschnitt fährt die Linie 310 sowohl stadteinwärts als auch stadtauswärts den geänderten Linienweg über die Haltestelle „Margaretenhütte“.
Während dieses zweiten Abschnitts reißen die Bauteams die alte Brücke ab und schieben die neue an ihren endgültigen Standort. Anschließend erneuert die Stadt gemeinsam mit den Mittelhessischen Wasserbetrieben (MWB) und den Stadtwerken Gießen (SWG) die Versorgungsleitungen und die Straße selbst. Ein zweiter Gehweg wird angelegt, der bestehende verbreitert. Des Weiteren wird der Mittelweg für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende an die Lahnstraße angeschlossen. Der Wirtschaftsweg parallel zur Bahntrasse aus Kleinlinden kommend wird an gleicher Stelle angebunden und eine barrierefreie Querungsmöglichkeit errichtet. Somit ist diese Fuß- und Radverbindung von Kleinlinden über den Mittelweg durchgängig.