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21.08.2026

Wasserbüffel in der Wieseckaue

Biber, Störche – und nun dies: Seit Mittwoch Nachmittag ist die Wieseckaue um eine Attraktion reicher. Zwölf Wasserbüffel weiden friedlich auf einer Wiesenfläche neben dem Hundeauslaufplatz. Vor einem Jahr standen dort noch Rinder.

In Nachbarschaft zum meist unsichtbaren Biber sind die großen, imposanten und für städtische Augen exotischen Tiere kaum zu übersehen. Locken, sie anfassen oder in ihre Nähe kommen, sollte man allerdings nicht. "Das Betreten der Weide ist streng verboten, das ist lebensgefährlich", informiert Landwirt Nick Henrich vor Ort. Der Besitzer der Tiere rät Spaziergängern deshalb: "Aus der Ferne beobachten und genießen." Dass Hunde dort angeleint werden sollten, versteht sich sowieso von selbst: Das Gebiet ist als Schutzgebiet eingezäunt und gut gesichert. Neben dem doppelten Zaun, der Spaziergänger und Hundehalter schon seit einigen Jahren abhält, dort zu laufen, ist nun auch zusätzlich eine Stromlitze angebracht, die die Büffel nicht passieren.

Die Natur soll hier möglichst ungestört sein und sich selbst überlassen bleiben. Zumindest fast. Denn die Wasserbüffel sind tierische Landschaftspfleger im Dienste der Ökologie. Sie helfen dabei, die Landschaft ohne Geräte und Maschinen zu pflegen und durch ihren Einsatz auch anderen Tier- und Pflanzenarten hier eine Siedlungsmöglichkeit zu geben. Eine symbiotische Beziehung auf Zeit.

Die Wieseckaue ist heute schon geschützt, als Natura-2000-Gebiet (FFH- und Vogelschutzgebiet) ausgewiesen. Dort hat sich unter anderem der Ameisenbläuling mit seinen Wirtsameisen angesiedelt - eine Seltenheit. Seltene Vogelarten könnten nun zusätzlich dazu kommen - das wäre gewünscht. In die Büffel wird deshalb besondere Hoffnung der Naturschützer gesetzt.

"Wasserbüffel fressen das, was das Rind verschmäht", erzählt Landwirt Henrich. Und das sollen sie hier auch. Besonders das Schilf, das sich hier aufgrund der Nässe stark ausgebreitet hat, lieben die Büffel. Weniger Schilf hilft eben jenen seltenen Vogelarten hier zu brüten. Die Büffel benötigen zudem eine Suhle, die sie sich selbst anlegen, wenn keine vorhanden ist, erzählt der Landwirt. Damit schaffen sie Lebensraum gerade für Bodenbrüter.

Wenn diese zur Brut kommen, sind die Büffel aber schon wieder weg. Sie werden - vom Wetter abhängig - bis Oktober in der Wieseckaue weiden und unter anderem möglichst viel Schilf futtern. Dann geht es für die Büffel über den Winter zurück in die beheimateten Weiden des Landwirts in Dutenhofen. Wenn alles gut läuft, könnten sie dann im Sommer des nächsten Jahres wieder kommen. Eine Win-Win-Situation für Flora und Fauna in der Wieseckaue.

Möglich hat dies ein Pachtvertrag gemacht, den die Stadt Gießen mit dem Landwirt abgeschlossen hat. Untere und Obere Naturschutzbehörde, das Amt für Ländlichen Raum und ein Ornithologe waren intensiv eingebunden und sind nun gespannt, was sich aus der Fläche entwickelt.

Die rund vier Hektar große Fläche lag brach, nachdem der ehemalige Pächter, die Uni-Institution Oberer Hardthof, gekündigt hatte. Die Wiese war schlicht zu naß geworden für die Rinder, die dort weideten. Dazu hat der Biber in der Nachbarschaft neben dem veränderten Bachlauf der Oberlache auch sicher seinen Teil beigetragen. Für Büffel ist die Fläche dagegen wie geschaffen. Und Futter gibt es auch genug. Dank der Feuchtigkeit ist die Wiese grün und saftig.

Für die Besucher/innen der Wieseckaue lohnt sich also jetzt nicht nur der Besuch des Biberdamms. Was man sonst eher mit Bildern von asiatischen Reisfeldern verbindet, ist jetzt auch in Gießen zu sehen. Aus sicherer Entfernung.

 

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