Stadt Gießen erinnert an Alt-Oberbürgermeister Albert Osswald
Vor 30 Jahren starb Albert Osswald, Gießens Oberbürgermeister von 1957 bis 1963 und später hessischer Ministerpräsident. Zum Gedenktag legte die Stadt Gießen gemeinsam mit der Albert-Osswald-Stiftung, Weggefährtinnen und Weggefährten sowie Vertreterinnen und Vertretern aus der Landespolitik einen Kranz an seinem Grab auf dem Friedhof in Wieseck nieder. Neben Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher sprachen der stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori, Staatsminister a. D. Karl Starzacher, langjähriger Weggefährte Osswalds, einst sein persönlicher Referent und heute Vorsitzender der Albert-Osswald-Stiftung, sowie Wiesecks Ortsvorsteher Michael Oswald. Musikalisch begleitet wurde die Feier vom Posaunenchor Wieseck unter der Leitung von Andreas Gramm.
Osswald wurde am 16. Mai 1919 in Gießen-Wieseck geboren und prägte die Stadt über Jahrzehnte hinweg. Von 1954 bis 1957 war er Bürgermeister und Kämmerer der Stadt Gießen, von 1957 bis 1963 Oberbürgermeister. Später wurde er hessischer Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr (1963 bis 1969) und schließlich Ministerpräsident (1969 bis 1976), 1975/1976 stand er zugleich dem Bundesrat vor. Als Oberbürgermeister setzte er zahlreiche Bauprojekte um, die bis heute das Stadtbild bestimmen, darunter die Kongresshalle, die in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiert. Die Stadt Gießen verlieh Albert Osswald bereits 1963 die Ehrenbürgerschaft, 1989 erhielt er die Hedwig-Burgheim-Medaille. Auf ihn und die nach ihm benannte Stiftung geht zudem der Hessische Friedenspreis zurück, der seit 1993 verliehen wird. Er starb am 17. August 1996.
„Die Spuren Osswalds aus seiner Zeit als Oberbürgermeister der Stadt Gießen sind an vielen Orten noch heute sichtbar und haben unser Stadtbild geprägt“, sagte Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher bei der Gedenkfeier. Osswalds Gestaltungsoptimismus sei bewundernswert gewesen, viele Entscheidungen aus seiner Amtszeit hätten sich als wegweisend erwiesen. Becher würdigte Osswald zudem als Wegbereiter für internationale Beziehungen der Stadt: Osswald habe den Grundstein für einige Städtepartnerschaften gelegt, zum Beispiel die seit 1978 bestehende Partnerschaft mit der israelischen Stadt Netanya. Die deutsch-israelische Aussöhnung sei ihm persönlich ein großes Anliegen gewesen. Nicht unumstritten war dagegen sein Vorhaben, Gießen und Wetzlar im Zuge der hessischen Gebietsreform zur Stadt Lahn zusammenzuschließen. Ein Plan, der auf Widerstand stieß und später rückgängig gemacht wurde.
Zur Gedenkfeier waren zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter Osswalds sowie Gäste aus Wieseck, der Kirchengemeinde, der AWO und aus Politik und Verwaltung gekommen.