Mehr Wasser für die alte Hängebuche
Rund um die markante Hängebuche an der Ecke Gartenstraße/Hein-Heckroth-Straße sind in den vergangenen zweieinhalb Wochen einige Pflastersteine verschwunden. Das städtische Gartenamt hat damit die Versickerungsfläche des über 120 Jahre alten Baums auf rund 80 Quadratmeter vergrößert. Für Fußgängerinnen und Fußgänger bedeutet die Maßnahme keine Einschränkung, denn der Gehweg ist noch immer vollständig erhalten.
Zwölf Meter hoch, ein Kronendurchmesser von 16 Metern und ein Stammumfang von 283 Zentimetern: Damit prägt die Buche das Stadtbild, doch zuletzt ging es dem Baum nicht gut. Sein hohes Alter und die zunehmende Trockenheit der vergangenen Jahre setzten ihm zu, denn die bisherige Versickerungsfläche reichte nicht aus, um genug Regenwasser bis zu den Wurzeln vordringen zu lassen. Insbesondere Buchen haben es dabei schwer: Ihre dünne Borke und die dünnen Blätter machen sie besonders anfällig für starke Sonneneinstrahlung. Mit der vergrößerten Fläche kann der Baum künftig vor allem im Frühjahr und Winter deutlich mehr Wasser aufnehmen, also in den Monaten, in denen die kahle Krone den Regen ungehindert auf den Boden durchlässt und dieser sich entsprechend sättigen kann.
Für die Arbeiten entfernten Auszubildende des Gartenamts die rund 8.000 Pflastersteine bis zu den vorhandenen Pollern. Die Arbeit wurde von Hand und ohne Maschinen durchgeführt, um Wurzeln und Krone des Baumes zu schonen. Anschließend setzte das Gartenamt eine Begrenzung aus etwas größeren Steinen, damit das Regenwasser tatsächlich vor Ort versickert und nicht einfach abfließt Diese Steine waren bereits im Bestand des Gartenamts gelagert. Die entnommenen Pflastersteine sind Naturpflaster aus Basalt, wie es heute kaum noch verbaut wird. Inzwischen kommen meist Betonsteine zum Einsatz. Sie wurden nicht entsorgt, sondern werden vom Tiefbauamt an anderer Stelle weiterverwendet, vor allem als Straßenrinne, Randeinfassung oder für gestalterische Elemente, da sie für die Nutzung auf Straßen zu rutschig sind. Da die Stadt Arbeitskräfte, Material und Werkzeug aus eigenen Beständen einsetzte, fielen lediglich für Beton und das abschließend ausgestreute Baumsubstrat Kosten an. Diese belaufen sich auf insgesamt unter 300 Euro.
Die Aktion an der Gartenstraße war Teil des bundesweiten Entsiegelungsprojekts »abpflastern", an dem sich die Stadt Gießen damit zum zweiten Mal beteiligt. Vom 21. März bis 31. Oktober pflastern nach derzeitigem Stand in 41 Kommunen Privatpersonen, Unternehmen und auch kommunale Betriebe Flächen ab. Ziel des Projekts ist es, mit möglichst vielen Beteiligten einen sichtbaren Beitrag für mehr Grün in Gießen zu leisten. So soll durch erleichterte Wasserversickerung, weniger Hitze und neu geschaffenen Lebensraum dem Klimawandel entgegengewirkt werden. In der Wettbewerbsgruppe, deren teilnehmende Städte zwischen 20.000 und 100.000 Einwohner haben, belegt Gießen Stand Ende August den 7. Platz mit rund 441 abgepflasterten Steinen pro Einwohner.