Frank-Tilo Becher bleibt Vorsitzender des Gießener Forensikbeirats
Der Gießener Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher bleibt Vorsitzender des Forensikbeirats der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Gießen. Er wurde in der konstituierenden Sitzung des Gremiums gewählt. Seine Stellvertreterin ist die Gießener Stadtverordnete Anja Helmchen.
Die Klinik ist eine Betriebsstätte von Vitos Haina. Geschäftsführer Rouven Raatz stellte den neuen Mitgliedern das Unternehmen vor. Die forensische Klinik in Gießen war viele Jahre Teil der Hainaer Klinik und ist erst seit 2023 eigenständig. Als Betriebsstätte gehört sie weiterhin zu Vitos Haina.
Ärztliche Direktorin Dr. Beate Eusterschulte informierte über rechtliche Voraussetzungen für die Unterbringung im Maßregelvollzug. Die Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie in Hessen sind für die Behandlung erwachsener psychisch kranker Rechtsbrecher (§ 63 Strafgesetzbuch) zuständig. Die Zahl der Patientinnen und Patienten steigt weiter an: Mit Stand vom 21. Oktober 2026 werden 823 Menschen nach § 63 behandelt. Die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Gießen verfügt über 230 Betten.
Fast drei Viertel (72 Prozent) der Patientinnen und Patienten leiden an einer schizophrenen Störung. Knapp die Hälfte (48 Prozent) ist von Gerichten wegen Körperverletzungsdelikten eingewiesen worden.
Die Aufnahmestationen neuer Patientinnen und Patienten befinden sich in der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina. Die weitere Behandlung erfolgt in spezialisierten Therapiestationen in einer der forensischen Kliniken in Hessen. Auf die Entlassung wird in offenen Rehabilitations- und Entlassungsstationen vorbereitet. Nach der Entlassung werden Patientinnen und Patienten durch die Vitos forensisch-psychiatrische Ambulanz Hessen betreut.
Die Rückfallquoten sind gering: „Nur 2,8 Prozent der Patientinnen und Patienten werden nach einem neuen Delikt erneut in einer der Kliniken aufgenommen“, erklärte Dr. Beate Eusterschulte, die gemeinsam mit Geschäftsführer Rouven Raatz und Pflegedirektorin Annegret Peter-Nickel die Klinikleitung bildet. Neben konservativen psychotherapeutischen Verfahren baut die Klinik digitale Behandlungsangebote aus und kooperiert dabei mit dem Fachbereich Psychologie der Gießener Justus-Liebig- Universität. „Dabei erproben wir unter anderem den Einsatz digitaler Anwendungen mit Tablets“, sagte die Ärztliche Direktorin. Für die Zukunft plant die Klinik außerdem eine intensivere Zusammenarbeit mit Angehörigen der Patientinnen und Patienten.
Bindeglied zwischen Klinik und Gesellschaft
An allen Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie sind Forensikbeiräte eingerichtet. Sie bilden ein Bindeglied zwischen den Bürgerinnen und Bürgern der Kommunen und der Klinik und dienen dem wechselseitigen, kontinuierlichen Austausch. Dem in der Regel zweimal jährlich tagenden ehrenamtlichen Gremium gehören Vertreter/-innen der Fraktionen der Parlamente, Kirchen, Medien und Polizei an. Die Kommunen schlagen die Mitglieder vor. Anschließend werden sie durch die Gesellschafterversammlung der jeweiligen Vitos Gesellschaft berufen.
Maßregelvollzug in Hessen
Das Land Hessen hat die Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie mit dem Maßregelvollzug beauftragt. Bei den Patientinnen und Patienten handelt es sich um erwachsene Straftäter, die aufgrund einer psychischen Erkrankung von Gerichten nicht zu einer Haftstrafe in einer Justizvollzugsanstalt verurteilt, sondern nach § 63 Strafgesetzbuch (StGB) in einer Klinik für forensische Psychiatrie untergebracht wurden.
Kernauftrag der Kliniken ist neben der Sicherung der Straftäter die Besserung, also die Behandlung der Rechtsbrecher. Grundlage der sogenannten Sicherung und Besserung der psychisch kranken Rechtsbrecher ist unter anderem das Hessische Maßregelvollzugsgesetz.