Studierendenwerk Gießen feiert Teilinbetriebnahme des Wohnheims Westside
129 Lichtblicke im angespannten Wohnungsmarkt
Im Beisein von Staatsminister Timon Gremmels und zahlreicher weiterer Ehrengäste nahm das Studierendenwerk Gießen sein neues Studierendenwohnheim Westside am Donnerstag (22.10.2026) in Teilbetrieb. Im Laufe des Wintersemesters 2026/27 können die ersten 129 Einzelapartments und WG-Zimmer bezogen werden. Insgesamt entstehen auf dem ehemaligen Sportplatz, der dem Studierendenwerk im Erbbaurecht vom Land für 99 Jahre überlassen wurde, 351 Wohnheimplätze: 275 Einzelapartments sowie 19 4er-Wohngemeinschaften mit insgesamt 76 Plätzen. Acht der Einzelapartments und drei der WG-Plätze sind barrierefrei. Alle Einzelapartments sind vollmöbliert und verfügen über eine eigene Kochnische mit zwei Induktionskochplatten, Spülbecken, Kühlschrank und Schränken sowie einen eigenen Sanitärbereich mit Dusche, WC und Waschbecken. Auch die WG-Zimmer sind vollmöbliert und mit einem eigenen Sanitärbereich ausgestattet, zusätzlich hat jede WG eine Gemeinschaftsküche. Die Mieten inkl. Nebenkosten, Strom und Internet liegen zwischen 435 und 462 Euro.
Das Besondere am Wohnheim: Es wird nahezu autofrei betrieben. Die Infrastruktur unterstützt dabei, dass das gelingt: - 351 überdachte Fahrradstellplätze im Gebäude, zwei überdachte Fahrradreparaturstationen, Carsharing und Leihräder inkl. Lastenräder stehen den Studierenden der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Technischen Hochschule Mittelhessen zur Verfügung.
Geschäftsführer Gero Lottermann nahm bei der Begrüßung der Gäste kein Blatt vor den Mund. Der Bau des Wohnheims habe das Studierendenwerk vor große Herausforderungen gestellt – und tue es noch, sagte er im noch nicht fertig gestrichenen Foyer.
„Wir hatten uns den Verlauf dieses Projekts ganz anders vorgestellt. Die insgesamt schwierigen Rahmenbedingungen im Baubereich und die Probleme rund um die Fertigbadzellen haben zu erheblichen Verzögerungen geführt. Das hat uns personell wie finanziell viel abverlangt und Kapazitäten gebunden, die wir gerne schon früher in andere Projekte eingebracht hätten“, so Lottermann.
Die Teilinbetriebnahme sei ein wichtiger Meilenstein für das Studierendenwerk und ein gutes Signal für die Studierenden, die in Kürze hier einziehen könnten. „Mein besonderer Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die das mit großem Einsatz möglich gemacht haben. Der heutige Tag ist ein Zeichen dafür, dass sich Ausdauer, Professionalität und gemeinsames Handeln am Ende auszahlen. Schön, dass wir jetzt die ersten 129 Lichtblicke im angespannten Gießener Wohnungsmarkt bieten können.“
Ursprünglich war das Bauvorhaben bei Baubeginn im Jahr 2021 mit Investitionskosten in Höhe von 31 Millionen Euro geplant worden, darunter Fördermittel aus dem Wohnungsbauprogramm der Hessischen Landesregierung zur „Förderung des Neubaus von Mietwohnraum für studentisches Wohnen“ – 11,2 Mio. in Form eines Darlehens und knapp 4,5 Mio. als Zuschuss. Die Gesamtkosten werden nun bedingt durch Baukostensteigerungen auf 44 Millionen Euro geschätzt.
„Die Mehrkosten müssen wir zunächst aus eigener Kraft auffangen. Dafür sind Einsparungen in allen Bereichen, höhere Einnahmen und das Zurückstellen anderer Vorhaben erforderlich. Das ist eine große Kraftanstrengung, die jedoch notwendig ist, um unseren Auftrag auch weiterhin erfüllen zu können. Ich bin sicher, dass uns das gelingt. Auch bei zukünftigen Projekten werden wir Herausforderungen annehmen und gemeinsam Lösungen finden“, so Lottermann weiter.
Jetzt gelte es, auch die übrigen Bereiche schnellstmöglich fertigzustellen, damit sich das Studierendenwerk wieder verstärkt den dringend notwendigen Sanierungen in Gießener Wohnheimen und der Schaffung zusätzlicher Wohnangebote in Friedberg und Fulda widmen könne. Die Voraussetzungen dafür seien bereits geschaffen.
Wissenschaftsminister Timon Gremmels betonte: „Wohnen wird zunehmend zu einer erheblichen finanziellen Belastung für Studierende. Mehr günstigen Wohnraum zu schaffen, ist deshalb erklärtes Ziel der hessischen Landesregierung. Mit dem neuen Wohnheim steigt die Versorgungsquote für geförderten studentischen Wohnraum in Gießen auf über neun Prozent. Das ist ein großer Schritt zum Ziel der Landesregierung hin, hessenweit eine Versorgungsquote von zehn Prozent zu erreichen. Wir unterstützen den Ausbau der Wohnheimplätze an den hessischen Hochschulstandorten weiterhin – etwa mit der Bereitstellung landeseigener Grundstücke für die Studierendenwerke im Rahmen eines unentgeltlichen Erbbaurechts für eine Dauer von bis zu 99 Jahren durch das hessische Wissenschaftsministerium.“
Hochschulen als Präsenzorte brauchen bezahlbaren Wohnraum für Studierende
Susanne Kraus, Verwaltungsratsvorsitzende des Studierendenwerks Gießen und Kanzlerin der Justus-Liebig-Universität Gießen sagte in ihrem Grußwort: „Bezahlbarer Wohnraum ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Studierende ihr Studium erfolgreich und mit guten Perspektiven gestalten können. Mit dem Wohnheim Westside entstehen 351 moderne Plätze, die dringend benötigt werden und zugleich zeigen, wie nachhaltiges, flächenschonendes und gemeinschaftliches Wohnen gelingen kann. Als Verwaltungsratsvorsitzende des Studierendenwerks freue ich mich sehr darüber, dass wir unserem strategischen Ziel, mindestens zehn Prozent der Studierenden Wohnraum anbieten zu können, hier am Hochschulstandort Gießen nun einen großen Schritt näherkommen. Und natürlich freue ich mich auch als Kanzlerin der Justus-Liebig-Universität Gießen darüber, dass etliche unserer Studierenden hier ein sehr schönes Zuhause während ihrer Studienzeit finden werden.“
Für die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) drückte Prof. Dirk Metzger, Vizepräsident für strategische Bauplanung und Nachhaltigkeit, seine Freude über das in Gießen zusätzlich geschaffene Wohnangebot aus: „Es ist wichtig, Hochschulen als Präsenzorte zu stärken. Dafür ist eine Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum für Studierende absolute Voraussetzung.“ Studentisches Leben – statt rein virtueller Lehrangebote – sei essenziell für die Forschung, für die Stadtgesellschaften in Politik, Kultur und Gesellschaft und auch für die persönliche Entwicklung der jungen Menschen. „Wir freuen uns daher sehr über den ersten Schritt der Teilinbetriebnahme der Westside“, sagte Metzger und drückte seine Hoffnung aus, dass auch die international geprägte und stark auf Wohnheimplätze angewiesene Friedberger Studierendenschaft der THM rasch wieder in das Privileg modernen und bezahlbaren Wohnraums komme.
Auch Frank-Tilo Becher, Oberbürgermeister der Stadt Gießen, zeigte sich dankbar für die zusätzlichen Wohnheimplätze in der Hochschulstadt: „Ich freue mich, dass das Wohnheim Westside nach den überwundenen Schwierigkeiten nun Schritt für Schritt in Betrieb gehen kann. Mein Dank gilt dem Studierendenwerk und allen, die die Voraussetzungen dafür geschaffen haben. Dass die Landesregierung unsere Stadt voraussichtlich als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt einstufen wird, unterstreicht, wie wichtig es bleibt, dass alle Akteure in unserer Stadt weiter an der Bereitstellung zusätzlichen Wohnraums arbeiten. Mit insgesamt 351 Plätzen wird Westside die Wohnraumversorgung für Studierende deutlich verbessern und zugleich zur Entlastung des übrigen Mietmarktes beitragen.“
Wohnraum als Beitrag zu Chancengleichheit und Studienerfolg
Stellvertretend für die studentischen Mitglieder im Verwaltungsrat sprach Lukas Rosenberger ein Grußwort. Nach dem von Herausforderungen geprägten Bauprozess sei die Fertigstellung des Wohnheims ein wichtiger Schritt, Studierenden dringend benötigten zeitgemäßen, klimagerechten und bezahlbaren Wohnraum in Hochschulnähe zur Verfügung zu stellen, so Rosenberger. Das Studierendenwerk leiste damit einen wichtigen Beitrag zu guten Studienbedingungen, Chancengleichheit und einem erfolgreichen Studienstart. Zugleich thematisierte das studentische Verwaltungsratsmitglied die angespannte finanzielle Situation der Studierendenwerke. Ihre Leistungen seien für Studierende von zentraler Bedeutung, sie stünden jedoch zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. „Damit die Studierendenwerke ihre Leistungen dauerhaft anbieten und so weiterhin einen Beitrag zu Chancengleichheit und der Zukunftsfähigkeit des Landes Hessen leisten können, brauchen sie eine verlässliche Finanzierung.“
Prof. Dr. Beate Schücking, Präsidentin des Dachverbands Deutsches Studierendenwerk, brachte es so auf den Punkt: „Wer ein bezahlbares Dach über dem Kopf hat, muss sich weniger Sorgen um die nächste Miete machen. Wer in Hochschulnähe wohnt, verliert weniger Zeit auf langen Wegen. Und wer sich in seiner Wohnumgebung wohlfühlt, kann leichter Kontakte knüpfen, Freundschaften schließen und am Hochschulleben teilnehmen. Das Studierendenwohnheim Westside bietet dafür ideale Voraussetzungen.“
Architektur mit Aufenthaltsqualität und langfristiger Perspektive
Andreas Staubach, Geschäftsführender Partner des Generalplaners Staubach + Partner, betonte in seinem Grußwort, dass bei der Planung des Studierendenwohnheims Westside neben der Schaffung von Wohnraum auch die Aufenthaltsqualität und die langfristige Nutzbarkeit des Gebäudes im Mittelpunkt standen: „Das architektonische Konzept setzt auf eine klare, zeitlose Gestaltung, die durch ausgewählte Proportionen, Materialien und Farben Orientierung und Wohlbefinden vermitteln soll. Auch die Gestaltung der Innen- und Außenbereiche folgt diesem Anspruch: Ein hoher Grünanteil, auch auf dem Dach, und Flächen, auf denen Regenwasser versickern kann, prägen das Wohnumfeld. Im Gebäude schaffen unter anderem der großzügige Lobbybereich, die Dachterrasse und natürlich belichtete Flurbereiche Raum für Begegnung und Austausch“, so Staubach. In Sachen Nachhaltigkeit seien neben der Autofreiheit auch der Einsatz von Fernwärme und die Nutzung von möglichst langlebigen Baustoffen zu nennen, die auch noch nach Jahrzehnten wiederverwendet oder recycelt werden können. Als Beispiel nannte er die Aluminiumfassade, die langlebig ist und sich ohne wesentlichen Qualitätsverlust wieder einschmelzen lässt. Dass so viele Wohnheimplätze bei so geringer Flächenversiegelung geschaffen werden konnten, sei gut für die Studierenden und für die Umwelt, so Staubach abschließend.
Innerhalb der nächsten fünf Monate sollen die Arbeiten auch in den Bauteilen A und B abgeschlossen werden, sodass zum Sommersemester 2027 alle 351 Wohnheimplätze in der Westside vermietet werden können.
Quelle: Studierendenwerk Gießen