Audiowalk »Von Gießen nach Theresienstadt: Die letzte Deportation Gießener Jüdinnen und Juden im Februar 1945«
Die DEXT-Fachstelle und das Jugendbildungswerk der Universitätsstadt Gießen bieten am Sonntag, 8. November 2026, von 14 bis ca. 15:30 Uhr, im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Erinnern, mahnen, wachsam sein« den Audiowalk „Von Gießen nach Theresienstadt: Die letzte Deportation Gießener Jüdinnen und Juden im Februar 1945“ an. Die Veranstaltung beginnt im Jugend- und Kulturzentrum Jokus, Ostanlage 25 a, 35390 Gießen, und führt dann zu verschiedenen Stationen in der Innenstadt.
Die letzte Deportation aus Gießen erfolgte im Februar 1945. Hierbei handelte es sich um Gießener Jüdinnen und Juden, die in Ehen mit nicht-jüdischen Partner*innen lebten. Diese wurden reichsweit und so auch in Gießen während des NS zwar beobachtet, erfasst und ausgegrenzt, waren aber durch diese Ehen bis 1944/1945 meist vor Deportationen geschützt. Mit Verschärfung des NS-Antisemitismus richtete sich die Verfolgung der Juden und Jüdinnen aber gegen Ende des Nationalsozialismus auch gegen diese Personen in „Mischehen“. So wurde in Gießen noch im Februar 1945 eine Deportation der verbliebenen Juden und Jüdinnen in „Mischehen“ organisiert.
Hierfür wurden elf Jüdinnen und ein Jude am Abend des 13. Februar 1945 festgenommen und im Keller des Stadttheaters gesammelt. Von dort aus und damit aus dem Zentrum der Stadt wurden sie am nächsten Morgen, dem 14. Februar 1945, zu Fuß an den Bahnhof Gießen gebracht, von der Gestapo in einem regulären Personenzug unter den Augen der anderen Bahnfahrenden nach Frankfurt gebracht und dort in der Großmarkthalle abermals gesammelt, um dann mit einem Großtransport vieler Juden und Jüdinnen in „Mischehen“ aus ganz Hessen nach Theresienstadt gebracht zu werden. Dort verblieben die zwölf Gießener*innen bis zur Befreiung Theresienstadts am 8. Mai 1945. Nach bisherigen Erkenntnissen haben alle diese Haft überlebt und kehrten nach Mittelhessen zurück.
Durch ein Forschungsprojekt machte eine Studentin vor einigen Jahren auf diese Deportation aufmerksam und holte diese Menschen in die städtische Erinnerungskultur zurück. Der Audiowalk besteht aus sieben Stationen, anhand derer die Zuhörer*innen chronologisch der Geschichte der Deportation und dem Schicksal der Deportierten folgen können.
Die Veranstaltungsreihe „Erinnern, mahnen, wachsam sein“ rund um den 9. November will an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und aufzeigen, wie und wo sich nationalsozialistisches Gedankengut bis heute hält, sowie Kompetenzen vermitteln, antisemitischem und diskriminierendem Verhalten entgegenzutreten.
Der Audiowalk ist kostenlos, allerdings ist eine Anmeldung notwendig. Für die Teilnahme wird ein internetfähiges Smartphone sowie Kopfhörer benötigt. Informationen und Anmeldung im Internet unter www.jbw-giessen.de oder über die DEXT-Fachstelle der Universitätsstadt Gießen, Ostanlage 25 a, 35390 Gießen, Telefon 0641 306 2471, E-Mail: dext@giessen.de.