Stadt Gießen veröffentlicht Klimaschutz- und Energiebericht 2025
Energieverbrauch sinkt leicht – Verkehrssektor bleibt größte Herausforderung
Zum fünften Mal in Folge legt der Magistrat der Stadt Gießen seinen Klimaschutz- und Energiebericht vor. Der Bericht fasst die Entwicklungen des Jahres 2024 in den Bereichen Energie und Klimaschutz zusammen und zeigt auf, welche Fortschritte die Stadt und ihre Tochtergesellschaften auf dem Weg zur angestrebten Treibhausgasneutralität bis 2035 erzielt haben. Neben der Analyse der Energie- und Treibhausgasbilanz informiert der Bericht über bereits umgesetzte, laufende und geplante Klimaschutzmaßnahmen.
Energieverbrauch gesunken – Zuwachs bei Photovoltaik
Trotz steigender Einwohnerzahlen konnte der Endenergieverbrauch der Stadt Gießen im Jahr 2024 um rund 1,5 Prozent auf 1.875.083 MWh reduziert werden. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank somit weiter und lag 2024 bei 20,1 MWh (Vorjahr: 20,3 MWh). Einsparungen konnten insbesondere im Wärmebereich erzielt werden. Der Rückgang wärmebedingter Emissionen ist dabei nicht nur auf milde Temperaturen, sondern auch auf Effizienzsteigerungen und verändertes Nutzerverhalten zurückzuführen. Positiv hervorzuheben ist auch der anhaltende Ausbau der Photovoltaik: Die installierte Leistung stieg bis Ende 2024 auf knapp 50.000 kWp, was einem Zubau von rund 8.940 kWp und damit einem Zuwachs um knapp 22 Prozent innerhalb eines Jahres entspricht.
Treibhausgasemissionen gestiegen – Verkehr bleibt Hauptverursacher
Entgegen der Reduzierung des Energieverbrauchs zeigt der Bericht einen Anstieg der Treibhausgasemissionen: 2024 wurden in Gießen insgesamt 588.079 Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen – ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hauptverursacher bleibt mit einem Anteil von 39 Prozent an den Gesamtemissionen der Verkehrssektor, dessen Emissionen im Vergleich zu 2023 um knapp 10 Prozent gestiegen sind. Private Haushalte trugen rund ein Viertel, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen gut ein Fünftel und die Industrie 13 Prozent zu den Gesamtemissionen bei. Die kommunalen Liegenschaften machten mit rund 1 Prozent weiterhin den kleinsten Anteil aus. Der Anstieg der Gesamtemissionen kann neben einem höheren Stromverbrauch infolge einer zunehmenden Elektrifizierung unter anderem auch auf einen höheren Emissionsfaktor des Bundesstrommix zurückgeführt werden.
Mit steilen Etappen zum Ziel 2035
Seit 1990 konnte die Stadt Gießen ihre Pro-Kopf-Emissionen um rund 45,7 Prozent senken. Um das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2035 zu erreichen, müssen in den kommenden elf Jahren weitere 54,3 Prozent eingespart werden. Dies entspricht einer Reduktion um rund 49.100 Tonnen Treibhausgasen pro Jahr.
Strategische Grundlagen gelegt: Kommunaler Wärmeplan und Verkehrsentwicklung
Mit dem kommunalen Wärmeplan, der im Juli 2025 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde, verfügt Gießen erstmals über einen strategischen Fahrplan für die langfristige Transformation der Wärmeversorgung. Gemeinsam mit dem Verkehrsentwicklungs- und dem Nahverkehrsplan bildet das Planwerk eine zentrale Grundlage für die künftige Ausrichtung der Energie- und Verkehrswende. Projekte wie der Bau der innovativen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage „PowerLahn“ oder der geplante Ausbau des Busnetzes ab 2026 markieren dabei wichtige Umsetzungsschritte.
Fazit: Klimaschutz erfordert langfristige Perspektiven
„Der Bericht zeigt deutlich, dass Klimaschutz kein linearer Prozess ist“, so Bürgermeister Alexander Wright. „Die aktuellen Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, unsere Klimaschutzmaßnahmen konsequent umzusetzen und die erforderlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Unser Weg zur Treibhausgasneutralität bleibt anspruchsvoll, erfordert Ausdauer und vor allem entschlossenes Handeln in den kommenden Jahren.“
Die Stadt betont, dass das Erreichen der Klimaziele nur im Zusammenspiel klarer politischer Leitplanken, langfristiger Planungssicherheit und ausreichender Unterstützung gelingen kann. Fehlende Klarheit über die zukünftige Ausrichtung der Klimapolitik auf Bundesebene führt bei vielen Bürger*innen zu Verunsicherung. Dies erschwert es, Entscheidungen zu treffen und Klimaschutzmaßnahmen konkret umzusetzen. Vor diesem Hintergrund sieht es die Stadt als wichtige Aufgabe, Orientierung zu geben und ihre Bürger*innen gezielt zu unterstützen.
Öffentliche Vorstellung des Berichts
Der Klimaschutz- und Energiebericht wird am Montag, den 27. April 2026 ab 18 Uhr im Pausenraum des Rathauses, Berliner Platz 1, 35390 Gießen öffentlich vorgestellt. Neben der Präsentation der zentralen Ergebnisse bietet die Veranstaltung Raum für konstruktives Feedback, wie der Bericht zukünftig ansprechender und moderner gestaltet werden kann. Bürgermeister Alexander Wright lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich dazu ein, an der Veranstaltung teilzunehmen und sich am Austausch zu beteiligen.
Der vollständige Bericht ist ab sofort online unter www.giessen.de/klimaschutz abrufbar.