Für einen nachhaltig gesunden Stadtwald: Wildtiermonitoring in Gießen
In dieser Woche sind über dem Gießener Stadtwald Drohnen unterwegs, um den Wildtierbestand zu erfassen. Die Befliegung findet zusätzlich zur turnusmäßigen Waldinventur, die alle zehn Jahre durchgeführt wird, statt. Bei der Inventur wird zum Beispiel ermittelt, wie gesund der Stadtwald ist, wie stark die Bäume wachsen und wie der Wald genutzt wird. Auf Grundlage der Waldinventur und der Erfassung des Wildtierbestandes trifft das Liegenschaftsamt, Abteilung Forsten, der Stadt Gießen Entscheidungen für die zukünftige Bewirtschaftung des Stadtwaldes.
Die beauftragte Drohnen Expertise Solutions GmbH überfliegt dafür verschiedene Bereiche des Stadtwaldes und insgesamt rund 1.000 Hektar, also etwa 700 Fußballfelder. Die eingesetzte Drohne hält alle Vorgaben zu Flughöhen, Abständen zu Tieren und Datenschutz ein. Gleichzeitig ist diese Methode für das Wild besonders schonend: Die Tiere werden nicht aufgescheucht, wie es bei Begehungen der Fall wäre, und sind dadurch weniger Stress ausgesetzt.
An einem Tag wurden in einem Teilgebiet beispielsweise 52 Rehe und 13 Wildschweine gezählt. Diese Daten sind entscheidend, um den tatsächlichen Bestand zu kennen. „Nur wenn wir genau wissen, wie viele Tiere in welchem Gebiet leben, können wir faire, transparente und nachhaltige Entscheidungen treffen“, erklärt Ernst-Ludwig Kriep vom Liegenschaftsamt, Abteilung Forsten. Abschuss- und Jagdpläne ließen sich nur dann verantwortungsvoll erstellen, wenn sie auf verlässlichen Zahlen und Daten basieren, nicht nur auf Schätzungen.
Kriep erklärt, wieso das wichtig ist: „Ist der Wildbestand zu hoch, wird unser Wald zu stark belastet. Das hat Folgen für uns alle.“ Wälder erfüllen zahlreiche Aufgaben: Sie spenden zum Beispiel Schatten, speichern Wasser, kühlen die Luft im Sommer und bieten Lebensraum für Tiere. Damit sie all das leisten können, müssen junge Bäume nachwachsen können. Doch genau hier liegt eine der aktuellen Herausforderungen. Wenn Wildbestände zu hoch sind, werden junge Baumtriebe gefressen. „Unser Wald befindet sich mitten in einem Generationenwechsel. Viele ältere Bäume stehen unter massivem Hitzestress. Damit eine neue Waldgeneration entsteht, brauchen wir ausreichend Jungwuchs. Wenn Wildverbiss das verhindert, verliert der Wald Stück für Stück seine Schutz- und Klimafunktion“, so Kriep. Als Richtwert gelten zehn bis zwölf Rehe pro 100 Hektar. Liegt der Bestand darüber, ist nur eine sehr eingeschränkte Waldverjüngung möglich.
Vor diesem Hintergrund ist die Jagd ein wichtiger Schlüssel zur naturgemäßen, nachhaltigen Waldwirtschaft. Sie trägt dazu bei, Wildbestände an die ökologischen Kapazitäten anzupassen. In Gießen setzt man dabei bewusst auf geplante Gruppenjagden in größeren Zeitabständen. Diese Form gilt als besonders schonend: Das Wild wird nur selten beunruhigt, und unnötiger Stress wird vermieden. Bejagt werden vor allem Rehe sowie Schwarzwild, also Wildschweine. Am Samstag, 13. Dezember 2025, findet im Gießener Wald zwischen Licher Straße und Schiffenberger Weg beispielsweise eine Drückjagd zur Reduzierung des Wildbestandes statt. Hierfür werden die betroffenen Waldgebiete im genannten Zeitraum aus Sicherheitsgründen für Erholungssuchende gesperrt. Für diese Einschränkung bitten die Jagdausübungsberechtigten um Verständnis.
„Die Zusammenarbeit mit den Jagdpächterinnen und Jagdpächtern ist eng und sehr zielorientiert“, betont Kriep. „Unser gemeinsames Ziel ist ein stabiler Wald, der auch für kommende Generationen gesund bleibt.“