Dr. Otto Kasten-Preis für Ayse Güvendiren
Deutscher Bühnenverein vergibt Preis mit Schwerpunkt Erinnerungskultur & Politische Bildung
Das Stadttheater Gießen freut sich für Ayşe Güvendiren, die mit dem Dr. Otto Kasten-Preis 2024 ausgezeichnet wird. Dieser Preis wird seit 1962 von der Dr. Otto Kasten-Stiftung getragen und in Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Intendant*innengruppe im Deutschen Bühnenverein an herausragende junge Theatermacher*innen vergeben.
„Der Dr. Otto Kasten-Preis 2024 wird mit dem Schwerpunkt ERINNERUNGSKULTUR & POLITISCHE BILDUNG vergeben. Ausgezeichnet werden junge Theatermacher:innen, die sich auf innovative Weise oder in besonderen Formaten mit Erinnerungskultur beschäftigen oder sich mit ihrer Theaterarbeit für politische Bildung engagieren.“, teilt er Deutsche Bühnenverein am Freitagabend in einer Pressemitteilung mit. Im Jahr 2024 wird der Preis gleich zweimal vergeben: Preisträger*innen des mit je 5.000 Euro dotierten Preises sind Yevgen Bondarskyy und Ayşe Güvendiren.
Die Themen Erinnerungskultur und kollektives Gedächtnis beschäftigen uns sowohl im öffentlichen Diskurs als auch in unserer Theaterarbeit. Wie kann das Theater zum Ort der Erinnerung werden? Und wie zu einem zivilgesellschaftlichen Akteur der Demokratiearbeit? In welchem Verhältnis stehen künstlerische Darstellungsformen zu politischen Positionierungen? In Ayşe Güvendirens überwiegend dokumentarischen Theaterarbeiten, die meist das Ergebnis aufwendiger, langwieriger und präziser Rechercheprozesse sind, steht das Thema Erinnerung im Mittelpunkt: An wen wird erinnert, an wen nicht? Wann wird Erinnerung politisch?
Ayşe Güvendiren schafft Gedenkanlässe bzw. Erinnerungsräume für jene Menschen, deren persönliche Geschichten in der Geschichtsschreibung dieses Landes oft keine oder kaum Beachtung finden. Zentrale Fragen dabei sind: Wer spricht und wer wird gehört? Die Erinnerung an Marginalisierte und Vergessene, an Verstummte und Stummgemachte, an Opfer rechter und/oder rassistischer Gewalt erhält einen besonderen, theatralen Ort.
Einen solchen Abend schuf die Regisseurin mit „Vergissmeinnicht“, der 2023 im Großen Haus des Stadttheaters erstmals zu erleben war und eine Veranstaltung im Rahmen des „Jahrs der Erinnerungskultur“ war. Ensemblemitglieder interpretierten Lieder des Erinnerns, die sich die Hinterbliebenen gewünscht haben.
Ayşe Güvendiren, 1988 in Wien geboren und in München aufgewachsen, hat sich erst relativ spät für das Theater entschieden. Nach einem fast abgeschlossenen Jurastudium wechselte sie die Fachrichtung und studierte Regie an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Mit ihrer Abschlussinszenierung „R-Faktor. Das Unfassbare“, einem satirischen Abend über Rassismus im Kulturbetrieb, der auf Interviews mit Betroffenen basiert, gewann sie das Körber Studio Junge Regie 2021 und inszenierte seitdem u.a. am Schauspiel Hannover, den Münchner Kammerspielen, dem Stadttheater Gießen und dem Nationaltheater Mannheim.
Quelle: Stadttheater Gießen