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30.10.2025

Barrierefreiheit für die Villa Leutert: Wichtiger Schritt für Teilhabe und Service

Die Villa Leutert an der Ostanlage 25 gilt als Heimat des Gießener Standesamtes und als Kulturdenkmal der Universitätsstadt Gießen. Ein Ort für vielerlei Lebensereignisse: Hier werden Ehen geschlossen und Geburten und Sterbefälle registriert. Außerdem befinden sich in der alten Villa, die der Stadt gehört, Büros der Kulturloge und der 50er-Vereinigung. Künftig soll das denkmalgeschützte Gebäude mittels eines Glasaufzuges barrierefrei zugänglich werden. „Die Villa Leutert ist nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch ein Ort mit hohem Publikumsverkehr. Menschen sollen hier unabhängig von körperlichen Einschränkungen heiraten, Urkunden beantragen oder Geburtseinträge vornehmen können. Der barrierefreie Zugang zu den Dienstleistungen in der schönen Villa ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur gleichberechtigten Teilhabe und zum Serviceverständnis unserer Stadtverwaltung“, betont Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher.

Diese Planung legt der Magistrat der Stadt dem Stadtparlament zur Beschlussfassung vor. Voraussetzung für die Umbaumaßnahmen ist jedoch die Bewilligung eines Zuschussantrages. Die Stadt Gießen hat einen Förderantrag über das Landesprogramm „Ausbau inklusiver kommunaler Angebote im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention“, das im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales angesiedelt ist, eingereicht. Dieser soll 90 Prozent der Gesamtkosten von rund 800.000 Euro decken.

Im Standesamt Gießen werden jährlich rund 3.000 Geburten und 2.200 Sterbefälle beurkundet, außerdem schließen dort etwa 400 Paare im Jahr den Bund fürs Leben. Für diese Anliegen besuchen Menschen aus der ganzen Region die Villa Leutert. Bislang ist der Zugang zum Gebäude jedoch ausschließlich über Treppen möglich.

Nun ist der Bau eines außenliegenden Aufzugs an der Nordostseite der Villa geplant. Er wird den barrierefreien Zugang zum Hochparterre mit dem Trauzimmer sowie zum ersten Obergeschoss mit den Büros des Standesamtes ermöglichen. Ergänzend sollen Parkplätze für Menschen mit Behinderung in Nähe des Aufzuges ausgewiesen werden, im Erdgeschoss wird eine WC-Anlage zum barrierefreien WC umgebaut und in den ersten beiden Geschossen sollen einzelne Türdurchgänge verbreitert werden, sodass die Bewegungsfreiheit für Rollstuhlfahrende gewährleistet ist.

Alle Planungen erfolgen in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde. Der Aufzug soll als transparenter Glaskörper errichtet werden, um den historischen Charakter der Villa zu bewahren. Astrid Eibelshäuser, Dezernentin für Hochbau, verdeutlicht: „Wir haben zusammen mit den Denkmalschutzbehörden und dem beauftragten Architekten eine überzeugende Lösung für einen barrierefreien Zugang zur Villa gefunden. Der Aufzug aus Glas passt sich gut in das Gesamtensemble ein und lässt einen unverstellten Blick auf die Fassade zu.“

Im Zuge der Maßnahme werden außerdem brandschutztechnische Ertüchtigungen, Sanierungen im Sanitärbereich und kleinere Umgestaltungen von Büroräumen vorgenommen. Die Sanierungsmaßnahmen sollen in 2026 starten und bis 2027 abgeschlossen sein.

Historisches Erbe in Gießen: Die Villa Leutert
Die Villa Leutert, ehemals Villa Burk, wurde 1884/1885 vom Architekten Jacob Stein für den Fabrikanten Ferdinand Burk errichtet. Ab 1910 war sie im Besitz von Professor Ernst Leutert, Professor für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten. Der Bau im Stil der Gründerzeit überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Als in den 1970er-Jahren der Abriss durch den damaligen Besitzer drohte, setzte sich eine Bürgerinitiative erfolgreich für den Erhalt ein. Seither steht die Villa unter Denkmalschutz. In der Folge erwarb die Stadt Gießen das Gebäude und ließ es zwischen 1983 und 1985 umfassend sanieren.

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