»Abpflastern« am Dönerdreieck
In diesem Jahr wurde durch die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz erstmalig der bundesweite Entsiegelungs-Wettbewerb „abpflastern“ organisiert. Der Wettbewerb hat seinen Ursprung in den Niederlanden, wo unter dem Begriff „Tegelwippen“ im Jahr 2020 Menschen in Amsterdam und Rotterdam begonnen haben, um die Wette zu entsiegeln. Bei dem freundschaftlichen Wettstreit kann jeder mitmachen, ob Verein, Schule, Privatperson, Verwaltung oder Unternehmen. Ziel ist es, dazu anzuregen, Flächen zu entsiegeln und zu begrünen, egal ob es sich um größere handelt oder kleinere, die zum Beispiel einer Rankpflanze Platz geben.
Hintergrund des Wettbewerbs ist, dass insbesondere in hoch versiegelten Innenstädten die Auswirkungen des Klimawandels wie Hitze, Trockenheit und Starkregen spürbar sind. Innenstädte heizen sich im Sommer deutlich stärker auf als das Umland und bei Starkregenereignissen kann es zu Überflutungen kommen, da die Kanalisation durch solche hohen Niederschlagsmengen überlastet wird. Zahlreiche Städte haben sich deshalb inzwischen zum Ziel gesetzt, das „Schwammstadt“-Prinzip umzusetzen. Das heißt, Niederschlagswasser soll, statt direkt in die Kanalisation geleitet, zurückgehalten und gespeichert werden. Hierbei leisten, neben technischen Maßnahmen wie Zisternen und Rigolen, entsiegelte und begrünte Flächen, Bäume und Gebäudebegrünung einen nicht unerheblichen Beitrag. Mehr Grün in Städten trägt außerdem zum Klimaschutz und zum Schutz der Biodiversität bei. Böden und Vegetation sind wichtige CO2-Speicher und dienen als Lebensraum für zahlreiche Arten.
Durch das Haus der Nachhaltigkeit e. V. wurde der Wettbewerb „abpflastern“ nach Gießen gebracht. Mit Unterstützung der Stadt Gießen fanden hierzu im Frühjahr zwei Veranstaltungen statt, bei denen unter anderem über das Prinzip „Schwammstadt“ und blau-grüne Infrastruktur referiert wurde. Auf der Internetseite des Hauses der Nachhaltigkeit e. V. (www.hdn-giessen.de/abpflastern) wurden Informationen zum Wettbewerb und zur Unterstützung bei Entsiegelung und Begrünung zusammengestellt.
Die Entsiegelungsaktion vor dem DGB-Haus in der Walltorstraße 17 findet auf Initiative des Hauses der Nachhaltigkeit e. V., des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Arbeitsloseninitiative Gießen e. V. mit Unterstützung der Stadt Gießen statt und verbindet gleich zwei Anliegen. Die Fläche wird ökologisch aufgewertet und die Aufenthaltsqualität für die Menschen vor Ort wird gesteigert und nicht mehr durch die illegalen Müllablagerungen an den Altglascontainern eingeschränkt.
Geplant ist, die Fläche in Kürze durch das städtische Gartenamt bepflanzen zu lassen und eine Sitzmöglichkeit zu schaffen. Vorab werden die Fahrradabstellbügel durch neue ersetzt. Der neue Standort für die Altglascontainer befindet sich vor der Walltorstraße 36.