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Links radeln ist kein Kavaliersdelikt

Mehr Sicherheit durch Verkehrsregeltreue

An der Schützenstraße an der Ampel warten oder gleich linkseitig weiter Richtung Innenstadt? In der Rodheimer Straße auf dem Radfahrstreifen über die Sachsenhäuser Brücke Richtung Innenstadt fahren und vielleicht von Rechtsabbiegern in die Lahnstraße geschnitten werden? Aus der Alicenstraße kommend absteigen oder links zum Bahnhof weiterfahren? Aber Bequemlichkeit auf Kosten von anderen ist gefährlich. Eine Hauptursache bei Unfällen, die von Radfahrern mitverursacht werden, sind Geisterfahrten. Gießen möchte das Problembewusstsein für die damit verbundenen erheblichen Gefahren mit einer Kampagne schärfen.

Über die Hälfte der (bekannten) Fahrradunfälle sind Abbiegeunfälle, hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) herausgefunden. Hauptverursacher ist in der Regel der Kfz-Lenker. Kommt noch Fehlverhalten von Radfahrern hinzu, steigt die Zahl der (Beinahe)-Unfälle. Laut der Auswertung des Statistischen Bundesamtes für 2017 wird ihnen hauptsächlich eine falsche Straßenbenutzung, d.h. Geisterfahrten, vorgeworfen. Auch für Radfahrer gilt das Rechtsfahrgebot. Laut Straßenverkehrsordnung ist es verboten, auf Radwegen in der Gegenrichtung oder auf Gehwegen zu radeln, wenn dies nicht durch Beschilderung ausdrücklich erlaubt oder sogar gefordert wird. Trotzdem ist manch ein Radfahrer auf Kosten anderer bequem – um Zeit und Umwege zu sparen, möglicherweise auch aus subjektivem Sicherheitsempfinden, bei den wenigsten aus Regelunkenntnis. Das kann an Einmündungen und verkehrsreichen Grundstückszufahrten extrem gefährlich werden, da sie für Autofahrer überraschend auftauchen. Begegnungen auf nicht für den Gegenverkehr ausgelegten und damit zu schmalen Radwegen können außerdem zu Unfällen zwischen Radfahrern führen oder beim Ausweichen mit Fußgängern. Fahren Radler auf Einrichtungsradwegen regelwidrig links, passieren laut einer BASt-Veröffentlichung von 2015 im Mittel vier bis sechs Mal so viele Unfälle wie im Rechtsverkehr.

Die regelmäßigen Fahrradstreifen des Regionalen Verkehrsdiensts (RVD) bei der Polizei Gießen klären schon seit Jahren auf und verwarnen. Trotzdem sind in den letzten drei Jahren immer wieder Geisterradler beteiligt:

  • an jedem vierten bis fünften Einbiege- oder Kreuzen-Unfall und
  • an jedem achten bzw. 16. Abbiegeunfall.

Deshalb startet die Stadt gemeinsam mit der Polizei und den Verkehrsverbänden mit der Kampagne „Geisterradler bitte wenden“. „Wir möchten bei Radfahrern noch mehr Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig regelkonformes und damit berechenbares aber auch vorausschauendes Fahren ist, aber auch Kfz-Lenker zu mehr Rücksichtnahme auffordern. Dazu gehört, mit Fehlern anderer zu rechnen und entsprechend vorausschauend zu fahren.“, so Verkehrsdezernent Bürgermeister Peter Neidel.

Für die Auftakt-Aktion wird die Straße mit den meisten Geisterradler-Unfällen herausgesucht. Kritische Stellen erhalten eine vorübergehende Markierung. Im morgendlichen Berufsverkehr wird aufgeklärt, dass das Fahren auf der falschen Seite nicht nur ein Regelverstoß ist, sondern auch gefährlich. In den nachfolgenden Wochen werden an den auffälligen Straßenabschnitten in ganz Gießen dann vermehrt Kontrollen durchgeführt - dann kostet es. Dann gibt es hoffentlich mehr Radfahrer, denen ihre Sicherheit ernst nehmen und die anderer Verkehrsteilnehmer.

Bürgermeister Neidel kündigt an, dass die Stadt nicht nur mit Öffentlichkeitsarbeit zu mehr Verkehrssicherheit beitragen möchte, sondern auch sukzessive Wartezeiten an Ampeln verkürzen und mehr Querungsmöglichkeiten schaffen wird, um das regelkonforme Verhalten zu erleichtern.

 

Unterwegs mit dem Fahrrad

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