Operette sich wer kann - Einblicke in ein unterschätztes Genre
Vortrag von Thomas Sander
24.11.2026
15:30 bis 16:30 Uhr
Netanya-Saal (Altes Schloss), Brandplatz 2, 35390 Gießen
2,00 €
2,00 für Mitglieder, 5,00 € für Gäste
Seit einigen Jahren verändert sich die Art der Operetten-Rezeption. Lange als bieder, kitschig oder belanglos angesehen, verändern mittlerweile kreative, geistreiche und selbstironische Produktionen namhafter Theater und Opernhäuser den Blick auf ein unterschätztes Genre, das sich gleichzeitig buffonesk und heiter sowie politisch aktuell und gesellschaftskritisch zeigt.
Jacques Offenbach erfindet Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris eine theatrale und musikdramatische Form, die eine stilistische Mixtur bietet aus Hoch- und Straßenkultur, aus Oper und Tanz. Seine Operetten Orpheus in der Unterwelt, Die schöne Helena und andere Bühnenstücke amüsieren schon damals das Publikum und sind bis heute Kassenschlager.
In Wien verleihen Johann Strauß seine Fledermaus gilt als Muster der Wiener Operette schlechthin sowie später Franz Lehár, Leo Fall, Emmerich Kálmán und andere der Gattung soziale Relevanz durch die zusätzliche Aufnahme tagespolitischer Themen in das Bühnengeschehen. Berlin schließlich ist das Zentrum für eine Neuorientierung der Operette in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Paul Lincke (Frau Luna), Paul Abraham (Viktoria und ihr Husar) und Ralph Benatzky (Im weißen Rössl) entwickeln das Genre hin zur Revue, mit Untertönen von Satire und Ironie.