Gießen 46ers vs. HAKRO Merlins Crailsheim
Basketball-Bundesliga ProA
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Nach einer starken, aber am Ende nicht belohnten Vorstellung beim Tabellenführer empfangen die 46ers mit Crailsheim den Rangzweiten
Bei „Frenki“ Ignjatovic fahren die Gefühle manchmal Achterbahn. Mal gibt sich der Cheftrainer der GIESSEN 46ers als kühler Stratege, stapelt ein wenig tief, redet nur vom „Saisonziel Playoffs“, spricht davon, dass „die Tabelle nie lügt“ und erklärt, dass „rein rechnerisch noch alles möglich ist.“
Auf der anderen Seite packt ihn die Lust, mal einen rauszuhauen, auf Angriff zu schalten, nicht alles kleinzureden. Dann betont er, seine Jungs seien „ein unangenehmer Gegner“, gegen seine Mannschaft wolle „in den Playoffs niemand spielen“ und er „genieße die Rolle des Underdogs.“ Also des Außenseiters, der im Falle des Einzugs in die K.o.-Runde halt mal nicht mit dem Vorteil des Viertelfinal-Heimrechts starte, den zuletzt sechs Siege und zwei Niederlagen, die der 59-Jährige nicht als unglücklich, sondern als „empfindlich“ bezeichnet, aber bereit sei, die anderen zu kitzeln, zu ärgern, ja auszuschalten.
Also: Hinein in die Crunchtime der Spielzeit 2025/26 in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA und auf zur Mission, die statistisch schlechteste Hauptrunde seines knapp vierjährigen Wirkens doch noch in einen mehr als zufriedenstellenden Abschluss umzuwandeln. Einen, für den der Deutsch-Serbe lieber keinen Tipp abgeben möchte: „In diesem Unterhaus ist alles drin. Jeder kann jeden schlagen. An einem guten Tag kannst du alle besiegen, wenn du aber deine Leistung nicht hundertprozentig abrufst, dass kannst du auch gegen jeden verlieren.“
Was nach einem Heiermann fürs Phrasenschwein bettelt, hat einen ernsten Hintergrund, denn vor dem Heimspiel am Samstag (19 Uhr) gegen den Tabellenzweiten HAKRO Merlins Crailsheim darf der Altmeister durchaus von sich behaupten, zu allem fähig zu sein. Die 79:89-Overtime-Niederlage beim BBC Bayreuth sowie das letzte, ebenso hochklassige wie unglücklich mit 77:82 verlorene Gipfeltreffen beim Erzrivalen Phoenix Hagen hatten ihre Ursachen in kleinen, individuellen Patzern, die es auf der Zielgeraden der Saison tunlichst zu vermeiden gilt.
Denn mit den „Zauberern“ aus dem fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs kommt nicht nur die derzeit heißeste Mannschaft, sondern auch das stärkste Auswärtsteam der Liga in die Osthalle. Zum einen hat der erst vor zwei Jahren aus der BBL abgestiegene derzeitige Rangzweite von den letzten 15 Partien seit dem Tag vor Heiligabend nur eine (76:78 gegen die EPG Baskets Koblenz) verloren, zum anderen sprechen nur drei Niederlagen (88:100 bei der BG Göttingen, 85:95 bei den PS Karlsruhe LIONS und 81:83 bei den RheinStars Köln) bei 14 Gastauftritten vor dem Auftritt in der Osthalle eine klare Sprache.
Auf der anderen Seite haben die GIESSEN 46ers seit ihrem Erstliga-Abstieg durchaus gute Erinnerungen an Duelle gegen die Merlins. Als der BBL-Pokal neu aufgelegt wurde, schlugen die 46ers die Hohenloher mit 79:73. Im vergangenen Jahr behielt „Frenki“ Ignjatovics Truppe in Crailsheim mit 80:78 die Oberhand und gewann auch das in den Doppelspieltag mit den Rollstuhlbasketballern des RSV Lahn-Dill eingebettete Match mit 90:88. Nur die letzte 82:106-Niederlage Ende Oktober vergangenen Jahres bei den „Zauberern“ tat weh, hat den Trainerfuchs aber nicht aus den Sandaletten gehauen. „Es wird Zeit für ein Erfolgserlebnis. Das fördert die Glückshormone.“ Was in der Crunchtime der Saison nicht von Nachteil wäre …
Doch Vorsicht: Mit der Mannschaft von Coach David McCray, der ab Sommer Sportlicher Leiter der RIESEN Ludwigsburg werden wird, stellt sich ein Team in der Osthalle vor, das zu beachten ist. Sehr zu beachten ist. „Sie spielen einen Basketball, wie ich ihn mag“, so Ignjatovic. „Athletisch, kompakt in der Defense und auf allen Positionen stark besetzt.“
Was bei den Guards beginnt und unter den Brettern endet: Der im November zurückgekehrte Vinnie Shahid punktet fast durchgängig zweistellig und ist ein gefürchteter Schütze von Downtown. Ralph Junge und seine Nürnberg Falcons, denen der 27-Jährige aus North Dakota unlängst sieben Dreier einschenkte, können davon ein Lied singen. Unterstützt wird Shahid im Aufbau durch den immer stärker werdenden Ex-Weißenfelser Gianni Otto und durch den ehemaligen Bonner Tyreese Blunt, der meist über 30 Minuten auf dem Parkett steht und ebenfalls schonmal sieben Treffer (wie im Januar gegen Köln) von jenseits der 6,75-Meter-Marke zu versenken weiß.
Auf den Flügeln ist Kapitän Maurice Stuckey in seiner siebten Saison in Crailsheim die Zuverlässigkeit in Person. Anthony Gaines steuert im Schnitt zwölf Punkte und acht Assists zum Gelingen bei. Und der aus Frankreich nachverpflichtete Xavier Johnson weiß als „Bankangestellter“ schon mal mit elf Zuspielen oder 15 Zählern zu glänzen.
Und unter den Körben sind die mit Abstand Offensivrebound-Stärksten der gesamten ProA mit Big Man en masse bestens aufgestellt. Der österreichische Nationalspieler Marvin Ogunsipe (im Schnitt 13 Punkte und acht Rebounds), Brock Gardner (14/5), der Deutsch-Brasilianer Gabriel De Oliveira und der aus Bremerhaven nachverpflichtete Till Isemann bringen jede Menge Power mit und werden die lange 46ers-Garde um Kapitän Robin Benzing, Jonathan Maier und Till Gloger vor kniffelige Aufgaben stellen.
„Meine Jungs sind klar im Kopf. Natürlich hätten wir gerne in Hagen gewonnen, wir haben aber gezeigt, dass alles möglich ist. Das ist wichtig für unser Selbstvertrauen“, freut sich „Frenki“ Ignjatovic, der abermals erst am Spieltag entscheiden wird, ob der mit einer Handverletzung schon fünf Partien pausierende Aiden Warnholtz einsatzfähig sein wird, auf den nächsten Liga-Karcher. Einer, in dem seine Gefühle wieder Achterbahn fahren werden, in dem er aber nicht tiefstapeln, sondern auf Angriff schalten möchte.
Quelle: GIESSEN 46ers