Hedwig-Burgheim-Medaille
Hedwig Burgheim
Als Hedwig Burgheim im Jahr 1918 nach Gießen kam, ahnte wohl niemand, wie nachhaltig sie das Bildungswesen der Stadt prägen würde.
Die 1887 geborene Pädagogin übernahm bereits zwei Jahre später die Leitung des Fröbel-Seminars, einer Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen, und entwickelte es in den folgenden Jahren mit großem Engagement und Weitblick weiter. Unter ihrer Führung wuchs das Seminar nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich: Neue Ausbildungszweige, Kindergärten und Horte entstanden, die Zahl der Schülerinnen stieg deutlich. Burgheim verstand Bildung als ganzheitlichen Prozess. Ihr Unterricht verband Fachwissen mit Persönlichkeitsentwicklung, ihre Haltung war geprägt von Offenheit, Zugewandtheit und dem festen Glauben an die Kraft von Bildung und Erziehung. Zeitzeuginnen beschrieben sie als warmherzig, klug und inspirierend, als Lehrerin, die prägte und ermutigte.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete ihr Wirken in Gießen abrupt. 1933 wurde Hedwig Burgheim aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus dem Dienst entlassen. Sie verlor nicht nur ihre berufliche Existenz, sondern auch den Ort, an dem sie ihr Lebenswerk aufgebaut hatte. Nach ihrer Rückkehr nach Leipzig engagierte sie sich unter zunehmend schwierigen Bedingungen in der jüdischen Selbsthilfe, baute Bildungsangebote auf und übernahm Verantwortung für andere, bis zuletzt. 1943 wurde sie deportiert und im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.
Hedwig Burgheims Lebensgeschichte steht exemplarisch für viele Biografien, die durch Verfolgung und Gewalt zerstört wurden. Zugleich erinnert sie an eine Persönlichkeit, deren Wirken bis heute nachhallt, insbesondere in Gießen, wo sie über viele Jahre das pädagogische Leben mitgestaltet hat. Ihr Einsatz für Bildung, Menschlichkeit und Zusammenhalt ist bis heute ein Maßstab.
Die Hedwig-Burgheim-Medaille
Im Gedenken an Hedwig Burgheim und ihr Wirken verleiht die Universitätsstadt Gießen seit 1981 alle zwei Jahre die Hedwig-Burgheim-Medaille. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für Verständigung, Respekt und das Miteinander der Menschen einsetzen. Das alles sind Werte, für die auch Hedwig Burgheim stand. Die Medaille würdigt Engagement, das Brücken zwischen Generationen, Kulturen und Religionen baut. Sie richtet den Blick bewusst in die Gegenwart und zeichnet Menschen aus, die durch ihr Handeln dazu beitragen, Erinnerung lebendig zu halten und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Die nächste Verleihung
Verleihungen finden alle zwei Jahre im August statt.
Bisherige Preisträger
2026: Marion Balser
Marion Balser ist Gründungsmitglied und seit 25 Jahren die 1. Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Gießen-Netanya. Sie engagiert sich in dieser Funktion und darüber hinaus mit außergewöhnlicher Kontinuität, Verlässlichkeit und hohem persönlichen Einsatz.
Ihr Wirken ist geprägt von dem tiefen Anliegen, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen, Beziehungen aufzubauen und durch Kommunikation gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Marion Balsers Engagement begann durch eine Reise nach Israel mit ihrer Familie. Die dort entstandene Begeisterung für das Land und seine Menschen ließ sie fortan nicht mehr los und entwickelte sich zu ihrem langjährigen, intensiven Engagement.
In ihrer eigenen Jugend hatte sie keine Berührungspunkte zu jüdischem Leben. Erst durch die Begegnung mit dem damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Gießen wurde ihr bewusst, wie wenig Wissen in Deutschland über jüdischen Glauben und über die Kultur vorhanden sind und wie stark der Blick der Gesellschaft oft von Vorurteilen geprägt ist. Frau Balser nahm sich vor, einen Beitrag dazu zu leisten, dies zu ändern.
Ihr umfangreiches Wissen über den Staat Israel, die jüdische Kultur und den jüdischen Glauben hat sie sich ehrenamtlich eigenständig erarbeitet.
Durch den Aufbau eines weitreichenden Netzwerks wirkt sie als wichtige Multiplikatorin und fördert den Austausch zwischen Menschen unterschiedlichster persönlicher Hintergründe, insbesondere auch zwischen jungen Menschen, z.B. im Rahmen von Austauschen zwischen den Krav Maga Schulen in Netanya und Gießen. Große Begeisterung lösen die Auftritte des berühmten Nizan-Chors aus Netanya in Gießen und Umgebung aus, an deren Organisation Frau Balser regelmäßig federführend beteiligt ist. Ihr Einsatz – durchaus auch mal auf unkonventionelle Art – ermöglicht Begegnungen auf Augenhöhe und trägt dazu bei, Brücken zu bauen und gegenseitiges Verständnis im Sinne Hedwig Burgheims und ihrer Arbeit mit jungen Menschen zu stärken. In ihrer Arbeit zeichnet sich Frau Balser durch Mut und Beharrlichkeit aus – Eigenschaften, die es ihr immer wieder ermöglichen, neue Wege zu finden und Projekte zu realisieren.
Ihr Ehrenamt ist von Herzlichkeit und persönlicher Überzeugung getragen. Sie leistet damit einen bedeutenden Beitrag zum bürgerschaftlichen Engagement und zur Stärkung der deutsch-israelischen Partnerschaft. Die Verleihung der Auszeichnung an Frau Marion Balser ist daher zugleich ein sichtbares Zeichen für die hohe Bedeutung der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, aber auch darüber hinaus für die Verständigung und das Verständnis zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauung oder Religion.
Nicht zuletzt steht ihr Engagement stellvertretend für viele Frauen, die oftmals die eigenen Leistungen nicht hervorheben, obwohl sie Herausragendes leisten. Frau Marion Balser hingegen zeigt mit ihrer Initiative eindrucksvoll, wie viel durch persönlichen Einsatz, Überzeugungskraft und gelebte Verantwortung bewirkt werden kann und bildet außerdem ein bemerkenswertes Beispiel für das Ehrenamt und den hohen gesellschaftlichen Nutzen, der dadurch erreicht werden kann.
Mit ihrem umfangreichen Wirken hat sich Marion Balser in besonderem Maße um die Verständigung und das Verständnis zwischen den Menschen im Sinne Hedwig Burgheims engagiert.
2024: Dow Aviv
Dow Aviv wurde 1953 in Jaffa, Israel als Sohn Holocaustüberlebender geboren. Er war bereits in jungen Jahren im Sport aktiv und erreichte sogar einen Platz in der israelischen Nationalmannschaft im Rollstuhlbasketball. Trotz des Widerstandes seiner Eltern zog er nach Deutschland, nahm in Gießen das Studium der Zahnmedizin auf und war einer der ersten israelischen Studierenden in Gießen. Von Beginn an war er in der studentischen Gruppe der jüdischen Gemeinde aktiv, setzte sich für Erinnerungsarbeit zum Holocaust und für neue Verständigung ein.
Herr Aviv war 1978 eines der Gründungsmitglieder der Jüdischen Gemeinde Gießen und ist dort seit vielen Jahren im Vorstand aktiv, mittlerweile als deren Vorsitzender.
Außerdem engagiert er sich zum Wohl der Stadt als jüdischer Vorsitzender in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und seit zwei Jahren als jüdischer Vorsitzender der neuen von ihm mitgegründeten Jüdisch-islamischen Gesellschaft Gießen e.V. und als Mitglied des Runden Tisches gegen Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens.
Als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde kümmert er sich sowohl um viele Belange des Gemeindelebens bezüglich Verwaltung und Organisation von kulturellen Veranstaltungen zu jüdischen Festen und Jubiläen mit großer Außenwirkung. Er ist das Gesicht der Gemeinde in den vielfältigen Beziehungen zur Stadt, Vereinen, Kirchen und Stadtgesellschaft Gießens schlechthin.
In der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar e.V. (GCJZ) organisiert er zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern als jüdischer Vorsitzender zahlreiche Veranstaltungen mit lokalhistorischem und begegnungsorientiertem Charakter. Er ist Ansprechpartner für Besuchsgruppen und für die Stadt, für Partnerschaftsverein und für Gäste aus Israel.
Bei interreligiösen Veranstaltungen mit Christen und Juden hat Herr Dow Aviv immer eine aufgeklärte, dialogorientierte jüdische Perspektive vertreten.
In der jüdisch-islamischen Gesellschaft Gießen e.V. setzt er sich für die Verständigung und guten Beziehungen zu den muslimischen Bürger*innen in Gießen und Umgebung ein. Stets sucht er mit den anderen das gemeinsame, das Friedensfördernde und den Hass und Antisemitismus Abwehrende.
Herr Dow Aviv hat sich nach dem Tod von Jossi Stern, ehemaliger Bürger der Stadt Gießen, dafür eingesetzt, dass der Nachlass der durch Jossi Stern initiierten Vereinigung der Ehemaligen Gießener und Umgebung an das Stadtarchiv übergeben werden konnte und diese wertvolle Dokumentation so für die Stadt Gießen erhalten werden kann.
Neben dem Schüleraustausch der Ricarda-Huch-Schule Gießen mit der Eldad Highschool in Netanya, den er von Beginn an unterstützt hat, kommt er bei Anfragen in die Schulen bzw. lädt Gruppen in die Gemeinde ein. Sowohl der Besuch des Gottesdienstes an Shabbat als auch die Teilnahme an dem anschließenden Beisammensein mit den Mitgliedern der Gemeinde, hat er regelmäßig für die Teilnehmer des Austausches vorbereitet und so an einem wichtigen Austausch zwischen den Generationen mitgewirkt.
Herr Aviv wird überall geschätzt für seine besonnene dialogfähige und engagierte Position. Er setzt sich beharrlich überall für Friedensveranstaltungen ein, die ihn überzeugen und die Hand zu Freund und Feind, zum Menschen öffnen.
2022: Christel Buseck
Christel Buseck war als Mitglied und seit 1994 als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar an der Gestaltung und Umsetzung der vom Magistrat von 1982 bis 2014 alle zwei Jahre durchgeführten Begegnungswoche der ehemaligen Gießener jüdischen Bürger*innen maßgeblich beteiligt. Sie organisierte und begleitete die Programmteile der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und war darüber hinaus für die jüdischen Gäste aus aller Welt ständige Ansprechpartnerin während der Begegnungswoche. Auch zwischen den Begegnungswochen pflegte sie durch Schriftverkehr, persönliche Besuche in Israel oder die Beherbergung von jüdischen Gästen in ihrem Privathaus diese Kontakte.
Als Lehrerin der Ricarda-Huch-Schule Gießen arbeitete sie von 2005 bis zu ihrer Pensionierung 2015 an Schulprojekten zur Erinnerungsarbeit mit. Beispielhaft werden folgende Projekte genannt: 9. November 1938 - Vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden -, Ausstellung zum Gedenken an deportierte jüdische Schüler*innen der Schule, Lesungen, Stolperstein-Verlegungen am Eingangsportal der Schule, Zeitzeugen-Bericht des Holocaust-Überlebenden Thomas Breuer vor Schüler*innen, Teilnahme am Wettbewerb Trialog der Kulturen und Religionen der Herbert Quandt-Stiftung - Verbindendes und Trennendes in den Religionen Judentum, Christentum und Islam, Schrank der Religionen in der Schulbibliothek.
Zudem engagiert sich Frau Buseck seit 2011 - auch im Ruhestand seit 2015 - in der Vorbereitung und Durchführung der mittlerweile sieben projektorientierten Schüler*innen-Austausche zwischen der Ricarda-Huch-Schule Gießen und der Partnerschule Eldad High School in der Gießener Partnerstadt Netanya in Israel. Sie war an den Vorbereitungstreffen zur Begründung der Schulpartnerschaft, insbesondere dem Besuch einer Lehrer*innen-Delegation in Netanya, maßgeblich beteiligt. Buseck hat durch ihre tatkräftige Unterstützung der sieben Schüler*innen-Austausche wesentlich mit dazu beigetragen, dass die teilnehmenden Schüler*innen die jeweils andere Kultur vorbehaltlos kennenlernen und sich mit der geschichtlichen Vergangenheit auseinandersetzen konnten. Noch heute haben viele der daraus entstandenen Freundschaften Bestand.
Christel Buseck hat in der Universitätsstadt Gießen wiederholt Anstöße für eine gelebte Erinnerungskultur gegeben, zum Beispiel die Einrichtung und Erneuerung von Gedenktafeln (unter anderem für Siegmund Heichelheim in der Südanlage und zur Erinnerung an die Orthodoxe Synagoge), oder die Durchführung von Gedenkveranstaltungen (unter anderem zum 75. Jahrestag der Deportation von Gießener Juden).
In vielen Gesprächen mit dem 2018 verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des Vereins ehemaliger Gießener und der Umgebung, Josef Stern, und dessen Hinterbliebenen hat sich Christel Buseck dafür eingesetzt, dass der von Josef Stern mit ehemaligen Gießener Juden geführte Schriftverkehr (Archiv der Überlebenden) als wertvoller Bestand für das Stadtarchiv Gießen gesichert werden konnte.
Christel Buseck engagiert sich seit 2006 auch als Gründungsmitglied der Koordinierungsgruppe Stolpersteine in Gießen und ist zurzeit deren Sprecherin. Sie recherchiert und organisiert viele Stolperstein-Verlegungen, wobei der Rechercheaufwand zu den Einzelschicksalen vor der Deportation, insbesondere zu bisher unbekannten Opfern, einen hohen Zeitaufwand erfordert.
Mit der Gedenkform Stolperstein-Verlegung wird an die Opfer der NS-Diktatur erinnert, die deportiert und ermordet wurden, und die keinen Grabstein haben. Für überlebende Angehörige der Opfer können ebenfalls Stolpersteine an der letzten frei gewählten Adresse verlegt werden. Für Christel Buseck ist es auch wichtig, dass sich junge Menschen bei der Spurensuche aktiv mit einbringen: Im Stadtarchiv eine Meldekarte in die Hand nehmen, in Akten blättern, nach Fotografien suchen.
2020: Dr. Sascha Feuchert
Professor Dr. Sascha Feuchert ist Professor für Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur und ihre Didaktik am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen und Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Professor Feuchert ist als Leiter der international und national renommierten Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen für die Konzeption und die Durchführung von Forschungsvorhaben verantwortlich. Zudem koordiniert er die Zusammenarbeit mit Schulen und außerschulischen Bildungsträgern.
Als Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur setzt sich Professor Feuchert vornehmlich mit Texten der Holocaust- und Lagerliteratur wissenschaftlich und didaktisch auseinander. Dabei bilden Texte von Überlebenden des Holocaust einen Schwerpunkt. Zentrales Anliegen der Arbeitsstelle ist es, dafür zu sorgen, dass diese Texte der Nachwelt erhalten bleiben und in Wissenschaft, Schule und Öffentlichkeit rezipiert und diskutiert werden. Zugleich werden Wege gesucht, wie die Erinnerung an den Holocaust durch einen aktiven Umgang mit der Literatur auch dann noch gesichert werden kann, wenn die Generation der Zeitzeugen nicht mehr da sein wird.
Zu den Projekten und Tätigkeitsbereichen der Arbeitsstelle gehören neben literaturwissenschaftlichen Editions- und Forschungsprojekten - die sich auch anderen Texten zum Nationalsozialismus widmen - das zielgruppenorientierte Angebot von Lehrveranstaltungen, Workshops und Exkursionen zu Gedenkstätten.
Ein wichtiges Ziel der Arbeitsstelle ist die Ausbildung künftiger Multiplikatoren*innen durch den intensiven Dialog mit Schulen sowie die gezielte Beteiligung von Lehramtsstudierenden an Seminaren und Forschungsprojekten. Mit dieser Ausbildung künftiger Lehrer*innen trägt Professor Feuchert in hohem Maße dazu bei, dass das Thema Holocaust auch künftig, wenn es keine Zeitzeugen mehr geben wird, durch die Vermittlung von Texten im Unterricht präsent bleibt.
Professor Feuchert begleitet seit den 90er Jahren Studienfahrten von Schüler*innen und Studierenden nach Auschwitz und gestaltet Gedenkstätten-Seminare mit. Ziel ist es, den jungen Menschen zu verdeutlichen, welche unheilvollen Folgen ein Menschenbild haben kann, das auf der Ungleichwertigkeit von Menschen fußt.
Seit 1996 arbeitet Professor Feuchert intensiv mit der Universität Lodz zusammen und koordiniert die erfolgreiche Zusammenarbeit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur mit der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich bei der pädagogischen Arbeit mit Schulen und Gedenkstätten.
2007 ist Professor Feuchert Mitherausgeber der fünfbändigen "Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt", die zwei Jahre später auch in Polen erschien, sowie 2011 Mitherausgeber der zweibändigen "Tagebücher (des Laubacher Justizangestellten) Friedrich Kellners".
In der von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur mit herausgegebenen achtbändigen Reihe "Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur" erzählen Holocaustüberlebende zum ersten Mal auf Deutsch von ihrem Schicksal. Dem persönlichen Engagement von Professor Feuchert ist es zu verdanken, dass zahlreiche Überlebende des Holocaust zu Seminaren an der Justus-Liebig-Universität Gießen, zu Besuchen in Schulen und zu öffentlichen Veranstaltungen nach Gießen gekommen sind, um mit Zeitzeugenberichten und im Gespräch die Erinnerung an die nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen wach zu halten.
Als Vorsitzender des Literarischen Zentrums Gießen leistet Professor Feuchert einen zentralen Beitrag dazu, dass in Gießen auch verfolgte Autoren wie Can Dündar von ihren Erlebnissen berichten konnten. Als Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschland von 2012 bis 2018 setzte er sich besonders für inhaftierte und politisch verfolgte Autor*innen ein.
2018: Hanno Müller
Hanno Müller, ehemaliger Lehrer, sammelt seit über 35 Jahren Informationen über die jüdische Bevölkerung Gießens und der umliegenden Städte und Gemeinden auf hohem wissenschaftlichem Niveau und dokumentiert und veröffentlicht sie in umfangreichen Publikationen, Familienbüchern und Nachschlagewerken für Eintragungen in Kirchenbüchern.
Besonders hervorzuheben ist die 2012 herausgegebene großformatige, 850 Seiten umfassende Publikation "Juden in Gießen - 1788 - 1942, die nicht nur Geburten, Eheschließungen und Todesfälle enthält, sondern darüber hinaus familiengeschichtliche Informationen, rekonstruierte Familienzusammenhänge und zahlreiche unveröffentlichte Fotos. Diese umfangreichen Mikrobiographien lassen die Vergangenheit lebendig werden und öffnen eine Tür zu den verlorenen jüdischen Lebenswelten in Gießen und den umliegenden Orten. Sie zeigen Schicksale und Lebenswege sowie Aufstiege und Niedergänge einzelner Personen und Familien bis hin zur Vernichtung im Holocaust auf. Zugleich eröffnen sich durch die umfangreiche Grundlagensammlung von Hanno Müller für die historische Forschung, aber auch für interessierte Heimat- und Familienforscher neue Möglichkeiten der Fragestellung und Auswertung zur Familiengeschichte der Juden.
Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz: "Mit seinen veröffentlichten Publikationen mahnt uns Hanno Müller, dass das Wissen um Geschehnisse in der Vergangenheit nicht verdrängt werden darf. Die Erinnerung an die Geschichte der Juden in unserer Region und an ihre Ermordung im Holocaust ist zugleich eine Sensibilisierung für Toleranz gegenüber den Mitmenschen, einerlei welcher Herkunft, welcher Religion und welcher Hautfarbe sowie für die Achtung der Menschenrechte".
Für seine Dokumentation der jüdischen Geschichte in Gießen und den umliegenden Gemeinden und Städte wurde Hanno Müller 2009 mit dem Hessischen Verdienstorden am Bande ausgezeichnet. Sein herausragendes Wirken zur Bewahrung der jüdischen Geschichte und Kultur wurde 2013 von der Obermayer Foundation mit der Verleihung des Obermayer German Jewish History Awards gewürdigt. Die Preisträger werden weltweit vorgeschlagen.
2016: Thomas Breuer
Thomas Breuer hat junge Sportler der Moshe Sharet-High-School in Netanya und Sportler Gießener Vereine zusammengebracht, in deren Folge es zu regelmäßigen sportlichen Begegnungen kam. Daraus entwickelten sich durch die unterstützende Begleitung von Thomas Breuer Kontakte zur Eldad-High-School in Netanya, die in eine Schulpartnerschaft mit der Ricarda-Huch-Schule in Gießen mündete. Seit 2007 berichtet Thomas Breuer vor Schulklassen in Gießen und im Landkreis Gießen sowie vor Gießener Vereinen als Zeitzeuge über seine Lebensgeschichte.
Thomas Breuer initiierte zudem Gespräche zwischen der Interessengemeinschaft der Gießener Gesang- und Musikvereine und der Musikschule in Netanya, die durch seine weitere Mitwirkung die Grundlage für regelmäßige Austausche zwischen den Musikschulen in Gießen und Netanya bildete.
Im Rahmen der Städtepartnerschaft Gießen-Netanya entwickelt Herr Breuer immer wieder neue Ideen zur Belebung der Städtepartnerschaft und ist an deren Umsetzung beteiligt
2014: Oberbürgermeister a.D. Manfred Mutz (posthum)
Weitere Informationen folgen
2012: Anna Mettbach
Preisträger 2010 und früher
2010
Herr Dieter Steil
2008
Herr Josef Stern
2006
Herr Dr. Micha Brumlik
2004
Herr Dr. Erwin Knauß
2002
Herr Dr. med Dr. h.c. Dietrich Ringleb
1999
Herr Ignatz Bubis
1997
Herr Günther Bernd Ginzel
1995
Frau Dr. h.c. Thea Altaras
1994
Herr Helmut Grün
1993
Herr Dr. Helmut Berding
1992
Herr Dr. h.c. Henry G. Brandt
1991
Frau Dr. Monika Richarz
1990
Herr Dr. Dieter Trautwein
1989
Herr Ministerpräsident a.D. Albert Osswald
1988
Herr Dr. Eckhardt von Nordheim
1987
Herr Dr. Erich Dauzenroth
1986
Frau Auguste Wagner
1985
Frau Dr. Barbara Just-Dahlmann
1984
Herr Dr. Martin Stöhr
1983
Frau Charlotte Petersen
1982
Herr Oberbürgermeister a.D. Dr. Avraham Bar Menachem
1981
Herr Dr. Adam Scheurer