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Stadtgeschichte

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Sie können die Stadtgeschichte Gießens in einem interaktiven Zeitstrahl erleben.

 

774 bis 1499

774

Urkundliche Ersterwähnung von Allendorf (Lahn).

775

Wieseck sowie die Wüstungen Selters und Ursenheim werden erstmals urkundlich erwähnt.

1150

Um diese Zeit lässt Graf Wilhelm von Gleiberg im Mündungsgebiet der Wieseck in die Lahn die Wasserburg "Zu den Giezzen" errichten.

1197

Ersterwähnung Gießens: In einer Urkunde erscheint "Salome comitissa de giezzen".
Urkunde Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
Urkunde Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

1248

Gießen wird erstmals als Stadt bezeugt.

1264/65

Übergang der Herrschaft Gießen an die Landgrafen von Hessen.

ca. 1300

Bau einer zweiten Burg, heute "Altes Schloss" am Brandplatz; Erweiterung und Verbesserung der Straßenbefestigung.

1325

Erste bekannte Stadterweiterung: Landgraf Otto I. gibt den Bürgern der "Neustadt" und allen anderen, die vor der Mauer wohnen, dieselben Rechte wie den Bürgern innerhalb der Mauern.
Erste bekannte Stadterweiterung 1325
Erste bekannte Stadterweiterung 1325

ca. 1370

Nach den landgräflichen Burgmannen treten gleichberechtigt der Bürgermeister und der Rat der Stadt Gießen.

1430

Landgraf Ludwig II., der "Friedfertige" verleiht der Stadt eine erweiterte Ratsordnung: Neben den "Schöffenrat" tritt der "gemeine" Rat.

1442

Landgraf Ludwig II. verleiht der Stadt das Recht, im Jahr zwei Jahrmärkte abzuhalten.

ca. 1450

Bau des alten Rathauses (am Marktplatz)

ca. 1470

Neubau eines Hospitals und Gotteshauses für die Kranken (Hospital schon 1393 erwähnt), gelegen am Seltersweg in der Höhe der heutigen Maigasse.

1484

Bau der Stadtkirche (St. Pankratius)

1489

Kapelle beim Siechenhaus zu den "Guten Leuten" (Aussätzige) in der Nähe der heutigen Wieseckbrücke in der Frankfurter Straße erbaut.

1500 bis 1799

1525/26

Soziale und religiöse Unruhen in der Stadt im Zusammenhang mit Bauernkrieg und Reformation

1529

Pestepedemie in Gießen

1530

Landgraf Philipp der Großmütige lässt Gießen zu einer wehrfähigen Festung ausbauen.
Landgraf Philipp 1530
Landgraf Philipp 1530

1530-32

Errichtung des "Alten Friedhofs" am Nahrungsberg

1533-37

Bau eines Neuen Schlosses

1547

Schleifung der Festung auf Befehl des Kaisers, nach der Niederlage Philipps des Großmütigen bei Mühlhausen

1560

27. Mai: Großer Brand in Gießen. 168 Gebäude, meist im Bereich des Walltores, fallen dem Feuer zum Opfer und werden teilweise nicht wiederaufgebaut ("Brandplatz").

1560-1564

Wiederaufbau der Festung
1560 Wiederaufbau der Festung
1560 Wiederaufbau der Festung

1567

Gießen wird bei der Teilung des Landes der Landgrafschaft Hessen-Marburg zugeschlagen.

1582

Erste Steinbrücke über die Lahn (1552 war die hölzerne Brücke bei einem Hochwasser weggeschwemmt worden.)

1586-1590

Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg lässt durch den Baumeister Eberdt Baidewein den Renaissancebau des Zeughauses errichten.

1604

Gießen fällt an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

1605

Das Gymnasium wird als Vorläufer der Universität eröffnet.

1607

Gießen wird Universitätsstadt.
Durch ein Privileg von Kaiser Rudolf II. wird am 19. Mai die Universität gegründet, um im lutherischen Hessen-Darmstadt ein Gegengewicht gegen die reformierte Universität Marburg zu schaffen.

1607-1611

Bau des Collegiengebäudes (Universität)

1609

Der Botanische Garten, heute der älteste seiner Art in Deutschland, wird eröffnet.

1624-1650

Rückverlegung der Universität nach Marburg

1634-1635

Schwere Pestzeit in Gießen. Mehr als 1500 Tote.

1650

Wiedereröffnung der Universität

1707

Stadt verkauft ihren Anteil (4/7) an die Markgenossenschaft Altenstruth, an Wieseck und Alten-Buseck.

1722/23

Reglement des Landgrafen regelt das Finanzwesen der Stadt nach Jahren der Misswirtschaft und einer Finanzkrise. Die Selbstverwaltung der Stadt wird stark eingeschränkt.

1750

Die erste Zeitung Gießens, das "Gießener Wochenblatt" erscheint.

1758-1763

Besetzung der Stadt durch die Franzosen während des 7-jährigen Kriege

1773

Christian v. Schwalbach, der letzte Gießener Burgmann, stirbt.

1796

Beschießung der Stadt durch die österreichische Armee (81 Häuser beschädigt)

1796-1799

Während der Revolutionskriege ist Gießen zeitweise von den Franzosen besetzt.

1800 bis 1849

1803

Gießen wird nach der neuen Provinzeinteilung Sitz der Provinzialverwaltung Oberhessen.

1803-1810

Entfestigung, Schleifung der Befestigungsanlagen, Beseitigung der Stadttore und Bau von Wachhäuschen an den verbreiterten Stadtausgängen (Oktroihäuschen)

1806

Einführung der Straßenbeleuchtung mit Öllaternen

1809

Der Schiffenberg wird großherzogliche Domäne

1810-1820

Neubau des Kirchenschiffs der Stadtkirche im klassizistischen Stil (Architekt: Georg Moller)

1812

Georg Philipp Gail gründet die erste Rauchtabakfabrik.

1814

18. November: Hebammen- und Entbindungsanstalt wird eröffnet.

1815

Regulierung der Wieseck

1816-1819

Anfänge des Turnens in Gießen unter maßgeblichem Einfluss Karl Follens (Führer der "Gießner Schwarzen")

1818

Stadterweiterung, Anlage der Universitätsstraße (Liebigstraße), Bau einer Kaserne (später alte Klinik, 1967 abgerissen)

1821

Gießen wird Sitz der Provinzialregierung Oberhessen im Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Die Stadt hat etwa 5.500 Einwohner.
"Auseinandersetzungen" zwischen Studenten und Militär führen zur Verlegung der Garnison nach Worms.

1821/22

Im Zuge der Verwaltungsreform wird Gießen Sitz eines Landrats- und Justizamts.

1822

Aufhebung der alten Stadtverfassung und Einführung der Gemeindeordnung

1824

Justus von Liebig lehrt bis 1852 an der Gießener Universität.
Justus von Liebig
Justus von Liebig

1826

Wilhelm Liebknecht, der Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, wird am 29. März in Gießen geboren.
Wilhelm Liebknecht
Wilhelm Liebknecht

1827-1829

Umbau der Kaserne zur Universitätsklinik

1832

Gießen wird Kreisstadt, Sitz der Kreisverwaltung.

1833/34

Georg Büchner hält sich in Gießen auf und verfasst auf der Badenburg die Schrift "Der Hessische Landbote".

1834-1835

Bau des Provinzialgefängnisses (später Hauptzollamt)

1837

Fertigstellung der Chaussee nach Grünberg
Erste eiserne Brücke über die Wieseck
Bau der Realschule durch die Stadt, mit staatlichen Zuschüssen
Abbruch der letzten Stadtpforte aus dem Mittelalter (Neustädter Tor)

1838-1839

Das Collegiengebäude am Brandplatz wird abgebrochen.

1840

Bau der ersten katholischen Kirche auf dem Seltersberg

1844

Das Senckenberg'sche Haus am Brand wird Gymnasium, später Kreisamt, dann Arbeitsamt.

1845-1848

Bau des Anatomiegebäudes

1846-1848

Neubau der Lahnbrücke und der Straße in das Hinterland (Rodheimer Straße)
Beginn der Pflasterung von wichtigen Straßen der Stadt

1848

3. März: Unblutige Tumulte in Gießen
4. März: Aufruf des Bürgermeisters Ferber, der als Vertreter der Stadt in das Frankfurter Parlament berufen wurde zur Bildung einer Bürgergarde. 1200 Männer aus den Ständen und Parteien melden sich.
18. Mai: Carl Vogt legt das Kommando der Bürgergarde nieder, weil er als Vertreter der Stadt in das Frankfurter Parlament berufen wurde.
30. August: Die Studenten treten aus der Bürgergarde aus und geraten in Gegensatz zu ihr. Es gibt einen Sturm auf das Rathaus, der mit dem Bajonett abgewehrt wird. Der einzige Schuss tötet einen Studenten namens Pfannmüller.

1849/50

Mit der Main-Weser-Bahn wird Gießen an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
Anschluss an die Main-Weser-Bahn
Anschluss an die Main-Weser-Bahn

1850 bis 1899

1857

Gasbeleuchtung seit 1. Januar in Betrie

1860

Erstmals Hinauswachsen der Stadt über den Festungsring nach Süden und Osten (Straßenzüge an der Südanlage 1863-65 und Ludwigstraße 1871)

1862

Eröffnung der Eisenbahnlinie nach Köln

1864

Das Postamt in der Bahnhofstraße wird gebaut.
Eisenbahnanschluss nach Koblenz

1865

Bau der Turnhalle an der Südanlage

Turnhalle an der Südanlage
Turnhalle an der Südanlage

1865-1867

Bau der Synagoge an der Stelle der heutigen Kongresshalle

1867

Gießen wird wieder Garnisonsstadt und bekommt ein Jägerbataillon.

1870-1872

Eisenbahnanschlüsse nach Fulda und Gelnhausen

1874-1876

Bau der Realschule in der Ludwigstraße (erweitert 1897/98)

1878

Bau der höheren Töchterschule in der Schillerstraße

1879

Januar: Einweihung des Gymnasiums an der Südanlage
Eröffnung des Oberhessischen Museums durch den 1878 gegründeten Geschichtsverein
Einzug in das Justizgebäude in der Ostanlage nach Neuordnung des Justizwesens
Wilhelm Conrad Röntgen lehrt bis 1888 an der Gießener Universität. Beerdigt ist er auf dem Alten Friedhof.

1883

Errichtung des Städtischen Wasserwerks

1885-1887

Bau der Kaserne am Trieb (Bergkaserne) - erweitert 1895-1896

Kaserne am Trieb (Bergkaserne)
Kaserne am Trieb (Bergkaserne)

1887

Bau der Goetheschule

1889

Bau des Schlachthofes - erweitert 1909-1910

Gießener Schlachthof
Gießener Schlachthof

1891-1892

Errichtung der Schule in der Nordanlage

1891-1893

Bau der Johanneskirche

1893

Das Alte Schloss auf dem Kanzleiberg wird städtisches Eigentum

1894

1. August: Eröffnung der ersten Pferdeomnibuslinien

1898

Als eines der modernsten Hallenbäder Deutschlands wird das Gießener Volksbad eröffnet.

Volksbad Gießen
Volksbad Gießen

1900 bis 1949

1900

Einweihung der orthodoxen Synagoge in der Steinstraße
Erster Pferdemarkt in Gießen

Orthodoxe Synagoge 1900
Orthodoxe Synagoge 1900

1900-1901

Errichtung des Städtischen Elektrizitätswerks, erweitert 1907-1908 und 193

1902-1904

Bau der Universitätsbibliothek in der Bismarckstraße (im Krieg zerstört)

1902-1907

Herstellung der Kanalisation und einer Kläranlage (1904 - 1905)

Erste Kläranlage
Erste Kläranlage

1903

Bau der Provinzial-Pflegeanstalt
Beginn des Umbaus im Südflügel des Alten Schlosses zur Aufnahme der Sammlungen des oberhessischen Geschichtsvereins

1904-1905

Neubau der katholischen Kirche in der Liebigstraße

1906-1907

Bau des Stadttheaters unter anderem aus Spenden der Bürgerschaft

1907

Das Gießener Stadttheater, das seine Entstehung einer Initiative der Bürger verdankt, wird eingeweiht.

1909

Die Elektrische Straßenbahn löst die Pferdebahn ab.

1. Elektrische Straßenbahn Gießens 1909 © Siemens Corporate Archives
1. Elektrische Straßenbahn Gießens 1909 © Siemens Corporate Archives

1920

Das Oberhessische Museum und ein Teil der Gail'schen Sammlungen wird im Alten Schloss untergebracht.

1925

Bau der Volkshalle für das mittelhessische Kreisturnfest
Eröffnung des Gießener Flugplatzes

1933

Beginn der Inhaftierung der sogenannten "Staatsfeinde" (SPD- und KPD-Mitglieder)

Inhaftierung von
Inhaftierung von

1937-1938

Beginn der Altstadtsanierung

1938

Plünderung und Zerstörung der Synagogen in der Südanlage und Steinstraße im Zuge der judenfeindlichen nationalsozialistischen Novemberpogrome.

Trümmer der Synagoge in der Südanlage kurz nach dem 10.11.1938
Trümmer der Synagoge in der Südanlage kurz nach dem 10.11.1938

1939

Gießen wird kreisfreie Stadt. Die Dörfer Wieseck, Kleinlinden und die Gemarkung Schiffenberg werden eingemeindet. Die Zahl der Einwohner wächst auf 42.000.

1942

Von August bis Dezember werden die letzten 150, der einst über 1.000 zählenden, jüdischen Bürgerinnen und Bürger in die Vernichtungslager transportiert.

1944

Durch schwere Luftangriffe wird Gießen zu rund 75 Prozent zerstört und verliert fast vollständig seine historische Bausubstanz.

Zerstörung durch Luftangriffe
Zerstörung durch Luftangriffe

1945

27.-28. März: Besetzung durch amerikanische Truppen

1946

25. Mai: Erste Stadtverordnetenwahl nach dem Zweiten Weltkrieg

1950 bis heute

1950-1969

Erschließung neuer Wohngebiete, Errichtung neuer Industrieanlagen


Original Filmaufnahmen zum Wiederaufbau

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Wiederaufbau des Stadtzentrums Gießens (1950)

Lange für verschollen gehaltene Filmaufnahmen, die dem Gießener Stadtarchiv überreicht wurden. Das Material der Originalfilmrollen (Format: Normal-8) ist für sein Alter gut erhalten. Die Herstellung war von Gießens Hochbauamt 1950 bei der ortsansässigen Drogerie- und Fotofirma Winterhoff in Auftrag gegeben worden. Weil das Ergebnis damals aber offenbar nicht den Erwartungen entsprach, verschwanden die kostenbaren Streifen lange in der Versenkung.

© Stadtarchiv Gießen, 813 Video-Medien, Nr. 1


1957

26. Juni: Justus-Liebig-Hochschule (seit 1948) wird wieder Universität.

1961

4. April: Eröffnung der Hochschule für Erziehung

1968

Hallenbad an der Ringallee ersetzt das Volksbad.
Freibad an der Ringallee
Freibad an der Ringallee

1969

Juni: Hessentag in Gießen

1971

Allendorf und Rödgen werden eingemeindet. Gießen hat jetzt 78.000 Einwohner.

1973

Der Schiffenberg geht vom Land Hessen in den Besitz der Stadt über.

1974

Der Landtag schafft die gesetzlichen Grundlagen für die "Stadt Lahn".

1975

6. November: Der Gießener Ring wird eröffnet.

1977

Am 1. Januar wird Gießen mit Wetzlar und 14 weiteren Gemeinden zu Deutschlands jüngster Großstadt, der "Stadt Lahn", zusammengeschlossen.
20. März: In der Kommunalwahl sprechen sich die Bürger mit Mehrheit gegen die "Stadt Lahn" aus.
Stadt Lahn 1977
Stadt Lahn 1977

1979

Die Stadt Lahn wird am 31. Juli aufgelöst. Gießen ist wieder selbstständig und wird nur noch um den Stadtteil Lützellinden erweitert.

1986

1. Mai: Das Bundesnotaufnahmelager wird "Zentrale Aufnahmestelle des Landes Hessen".

1987

Mit der Eröffnung des Wallenfels'schen Hauses als drittem Gebäude des Oberhessischen Museums wird das Museumskonzept abgeschlossen.
15. Mai: Einweihung eines Gedenksteines für die Opfer des Faschismus vor dem Behördenzentrum

1989

Nach Öffnung der Grenze zur DDR erlebt die Zentrale Aufnahmestelle einen Ansturm wie noch nie (22.926 Übersiedler kommen im November nach Gießen).

1991

Die Zentrale Aufnahmestelle wird als Asylbewerber-Aufnahmestelle genutzt.

1993

1. April : Das Notaufnahmelager Gießen wird "Erstaufnahmestelle des Landes Hessen für Asylbewerber". Damit endet die Arbeit des Notaufnahmelagers und der späteren Zentralen Aufnahmestelle Hessen.
30. September: Die Steubenkaserne wird aufgelöst.

1994

19. Juni: Der Wochenmarkt feiert das 100-jährige Bestehen.
Juli: Die Stadt Gießen wird Mitglied im Rhein-Main-Verkehrsverbund.

1995

28. August: 56 Jahre nach der Zerstörung der Synagogen in Gießen wird im Burggraben das neu errichtete Zentrum der Jüdischen Gemeinde eingeweiht.

1996

Juni: Offiziell eröffnet wird das Zentrallager des Nürnberger Bundes. Es ist die erste Großansiedlung von Gewerbe in der jüngst von der Stadt erworbenen ehemaligen Steubenkaserne (Europaviertel).

1997

Das Bundeswehrkrankenhaus wird aufgelöst.
Bundeswehrkrankenhaus
Bundeswehrkrankenhaus

1997/98

Gießen feiert sein Stadtjubiläum: 800 Jahre Ersterwähnung, 750 Jahre Stadt.

2000

In Gießen wird die Zeitenwende in der Nacht zum 1. Juli mit geöffneten Geschäften und Behörden mit zigtausendenden von Besuchern gefeiert.

2003

Im März Unterzeichnung eines neu gefassten Partnerschaftsvertrages mit der Partnerstadt Ferrara/Italien
Im Mai wird anlässlich des 200. Geburtstages von Justus von Liebig das Liebigjahr begangen.
Im Juni wird das 25-jährige Jubiläum zum Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Gießen und Netanya/Israel gefeiert.

2004

Seit dem 12.10.2004 gibt es zwischen Gießen und Wenzhou/China eine Kooperationspartnerschaft.

2005

Bereits vor dem ursprünglichen Baubeginn zur Neugestaltung des Marktplatzes stoßen dort im Februar Archäologen auf unerwartete Funde. Am Ende der Ausgrabungen haben sie zahlreiche Aufsehen erregende Zeugnisse der Vergangenheit zu Tage gefördert.


Am 20. Oktober öffnet die "Galerie Neustädter Tor", Gießens neues Einkaufszentrum in der Innenstadt, ihre Pforten.
Am 17. Dezember gibt Ministerpräsident Roland Koch in Wiesbaden die Entscheidung für die Rhön-Klinikum AG als künftigem Betreiber des Uni-Klinikums Gießen und Marburg bekannt. Zwei Tage zuvor hatte der Hessische Landtag mit einem Begleitgesetz den Weg für die Privatisierung des Klinikums geebnet.

2006

Die Einzehändler in der Innenstadt schließen sich in Bezirken, sog. BIDs - Business Improvement Districts zusammen, um mit einer Infrastrukturabgabe die Innenstadt attraktiver zu gestalten.

2007

Am 19. Mai begeht die Justus-Liebig-Universität ihr 400-jähriges Jubiläum.
Am 1. Juni findet die Grundsteinlegung für das neue Rathaus der Stadt Gießen am Berliner Platz statt.
Am 28. Mai kann das Gießener Stadttheater auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken.

2008

Gießen erhält den Zuschlag für die Landesgartenschau 2014.
Am 12. August richtet ein Tornado in der Innenstadt erhebliche Schäden an.

2014

Gießen richtet die Landesgartenschau aus.



Sporthistorischer Weg Gießen

Rollschuhbahn an der Lahn

Rollschuhbahn © Ingrid Hubing
Rollschuhbahn © Ingrid Hubing

Als zweite Möglichkeit den Rollschuhsport auszuüben wurde neben der schon bestehenden Anlage am Schwanenteich am 13.10.1956 eine weitere an der Lahn eingeweiht. Der damalige Stadtrat Paul wollte gemäß dem Motto »Herunter von der Straße« möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bieten, die Anlagen unentgeltlich zu nutzen. Der Sportverein Grün-Weiss Giessen, der in den 50er Jahren eine Rollsportabteilung gegründet hat (unter Beteiligung von Heinrich Seibert) nutzte jahrelang die Bahn als Trainingsfläche sowohl für seine Rollschuhkunstläufer als auch für seine Rollschuhhockeyspieler. Leider hielt die Betonfläche der Witterung nicht stand, es entstanden Risse, die ein gefahrloses Fahren unmöglich machten. Der Roll- und Eissportclub REC Giessen gründete sich 1960 und richtete sich sein neues Domizil an der grundlegend sanierten Rollschuhbahn am Schwanenteich ein. Die Rollschuhbahn an der Lahn wurde für die Ausübung des Rollschuhsports unbrauchbar. Da der Parkplatz am Oswaldsgarten durch den Bau der Galerie Neustädter Tor wegfiel, wurde der Platz im Jahre 2004 in einen Parkplatz umgewidmet. Heute dient er als Freizeit- und Wasserspielplatz an der Lahn.

Text: Ingrid Hubing und Christian von Berg

Volksbad

Volksbad © Stadtarchiv
Volksbad © Stadtarchiv
Volksbad © Stadtarchiv
Volksbad © Stadtarchiv

Das Volksbad war das erste Hallenbad in Gießen. Es wurde 1898 eröffnet und war mit der modernsten Technik ausgestattet. Es wurde von Zeitgenossen sogar als »Sehenswürdigkeit« eingestuft. Gießen zählte damit zu den wenigen Städten in Deutschland, in denen es überhaupt eine solche »Winterbadeanstalt« gab. Zu verdanken hatte die Stadt ihr neues Bad dem Verein Giessener Volksbad, in dem sich engagierte Bürger zusammengefunden hatten, die mit einer solchen Einrichtung einen Beitrag zur öffentlichen Gesundheitspflege leisten wollten. Gedacht war das Bad nämlich vor allem für diejenigen, die in ihren Wohnungen noch nicht über die entsprechenden Einrichtungen zum Baden oder Brausen verfügten – und das war um die Jahrhundertwende die eindeutige Mehrheit. Das Volksbad war jedoch alles andere als ein nüchterner Zweckbau. Im Gegenteil, von der Fassade, über den Eingangsbereich bis hin zur Schwimmhalle war es der reinste Jugendstil. Das Schwimmbecken hatte eine Größe von 9,8 x 19,5 m und eine maximale Tiefe von 2,8 m. Hinzu kamen Brausen, Wannenbäder, ein Dampfbad sowie die Umkleidekabinen. Finanziert wurde der Bau zu einem nicht geringen Teil von Bürgern der Stadt. 1923 ging das Bad, dass zunächst von einer Aktiengesellschaft geführt wurde, in den Besitz der Stadt über. Sie entschied Jahrzehnte später auch, das nun merklich in die Jahre gekommene Bad durch ein neues Hallenbad zu ersetzen. Der letzte Badetag im alten Volksbad war der 1. Juni 1968 und schon Tage später begann der Abriss.

Text: Ingrid Hubing und Christian von Berg

Schwimmbäder an der Lahn

Schwimmbäder an der Lahn © Stadtarchiv
Schwimmbäder an der Lahn © Stadtarchiv

Die Geschichte des Schwimmens in organisierter Form begann in Gießen 1836 mit der Gründung des Männerbadevereins und erst recht 1857, als Gießens Sportpionier Christoph Rübsamen an der Lahn eine private Schwimmanstalt eröffnete, die ob der großen Nachfrage schnell erweitert wurde. 1906 übernahm Philip Müller dann das Geschäft, das von nun an als die »Müllersche Badeanstalt« bekannt wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich auch das kleine Bad des Männerbadevereins, bei dem nach dem 1. Weltkrieg übrigens auch Frauen und Kinder Mitglied werden durften, sowie wiederum daran anschließend das städtische Freibad, so dass es an der Lahn auf engstem Raum – aufgereiht wie an einer Perlenkette – einmal gleich drei Badeanstalten gab. Das größte und auch am besten ausgestattete dieser Bäder war der Müller’sche Betrieb. Hier war in der Lahn ein Schwimm-, ein Sprung- und ein Kinderbecken abgeteilt, die jeweils durch Holzstege zu erreichen waren. Es standen Einzel- und Gruppenumkleiden zur Verfügung und zum Sonnen eine Liegewiese. Ab 1923 hat hier zum Beispiel auch der Giessener Schwimmverein trainiert und seine Wettkämpfe bestritten.Mit der Eröffnung des Freibades in der Ringallee 1956 waren jedoch die Tage der Lahnbäder gezählt. Das städtische Bad schloss sofort, obgleich ein Teil des Areals zunächst noch dem Schwimmverein überlassen blieb. Zu Beginn der 1960er Jahre folgte die Müller’sche Anstalt und als 1969 auch noch der Männerbadeverein wegen des Baus einer neuen Lahnbrücke gehen musste, waren die Gießener Lahnbäder endgültig Geschichte.

Gedenkstein Friedrich Ludwig Jahn

Gedenkstein Friedrich Ludwig Jahn © Stadtarchiv
Gedenkstein Friedrich Ludwig Jahn © Stadtarchiv

Der Gedenkstein zur Erinnerung an Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852), den Initiator der deutschen Turnbewegung am Beginn des 19. Jahrhunderts, ist heute eines der ältesten noch existierenden Zeugnisse der lokalen Sportgeschichte in Gießen. 1912 wurde er seiner Bestimmung übergeben, als der Turngau Hessen in Gießen sein 50-jähriges Gründungsjubiläum mit einem großen Turnfest beging.

Die Errichtung des Gedenksteins, ein mächtiger Findling aus dem Felsenmeer bei Münzenberg, geht zurück auf die beiden damaligen Gießener Turnvereine, den TV 1846 und den Männerturnverein, die ihn stifteten und in einer Feierstunde wenige Tage vor Beginn des Turnfestes offiziell an die Stadt übergaben. Ursprünglich hatte er seinen Platz nur wenige Meter von seinem heutigen Standort entfernt. Am Schnittpunkt von Hein-Heckroth- und Gartenstraße war er Blickfang einer kleinen und sehr ansehnlichen Grünanlage, zu der auch ein Springbrunnen zählte. 1969 entschloss sich die Stadt jedoch, die Straßen rund um das Denkmal den wachsenden Bedürfnissen des Autoverkehrs anzupassen, was eine Kappung der Grünanlage zur Folge hatte, so dass der Gedenkstein – manchen Protesten zum Trotz – an seinem heutigen Platz umziehen musste. Zwar ging dabei die Gedenktafel mit der Widmung der beiden Turnvereine verloren, dafür steht der Stein aber nun zumindest auf sporthistorischem Boden, wurde doch nur wenige Meter entfernt im alten »Steins Garten« einst der Gießener Männerturnverein gegründet.

Text: Ingrid Hubing und Christian von Berg

Rasenkraftsportplatz

Rasenkraftsportplatz © Ingrid Hubing
Rasenkraftsportplatz © Ingrid Hubing

Mit großem Engagement setzte sich Heinz Althaus vom MTV 1846 Gießen für den Bau eines Rasenkraftsportplatzes ein. Dies ist 1971 gelungen, so dass 1972 die ersten Meisterschaften in dieser Sportart in Gießen ausgerichtet werden konnten. Rasenkraftsport ist eine Sportart, die ursprünglich in der Schwerathletik angesiedelt war. Heute ist sie jedoch in einem eigenen Verband, dem Rasenkraftsport und Tauziehverband organisiert.

Er besteht aus einem Dreikampf: dem Hammerwerfen, dem Gewichtwerfen und dem Steinstoßen. Jedoch werden die Meister auch in den Einzeldisziplinen im Gewichtwerfen und im Steinstoßen ermittelt, wobei hier wieder in unterschiedlichen Gewichtsklassen gestartet wird. Hammerwerfen ist nur ein Element des Dreikampfes. Es gibt ihn nicht als Einzeldisziplin. Bei den Aktiven betragen die Gewichte des Hammers 7,26 kg, des Gewichtes 12,5 kg und des Steines 15 kg. Jugendliche, Frauen und geringere Gewichtsklassen haben leichtere Geräte. Heinz Althaus, Wilfried Luh und Heinz Biastoch waren hier besonders in der Seniorenklasse erfolgreich und hielten die Sportart lange am Leben. Mittlerweile gibt es keinen Sportler mehr in Gießen, der diese Sportart ausübt. Die Disziplin Hammerwerfen als Einzeldisziplin gibt es in der Leichtathletik. Dort gibt es keine unterschiedlichen Gewichtsklassen. Hier ist aus lokaler Sicht Klaus Ploghaus zu erwähnen, der zu den besten Werfern in Deutschland gehörte.

Text: Ingrid Hubing und Christian von Berg

Doppelturnhalle

Für die Schülerinnen und Schüler der Liebig- und bis 1970 auch der Herderschule – wie für die Sportvereine – war die 1963 fertiggestellte Doppelturnhalle ein Quantensprung, stand ihnen doch nun eine moderne, fast schon futuristisch anmutende Sporthalle zur Verfügung, die zudem noch über eine Zuschauertribüne verfügte. Doppelturnhalle, der Name der 30 x 30 m großen Halle, die offiziell 1.000 Zuschauern Platz bot und deren Fassade aus Glasbausteinen ihr ein unverwechselbares Aussehen verlieh, war durchaus wörtlich zu nehmen, lag unter der Halle doch noch ein separater Gymnastikraum, so dass zwei Sportstätten unter einem Dach vereint waren und gleichzeitig zwei Schulen Möglichkeiten für den Sportunterricht bot. Effektiver konnte man den Platz kaum nutzen. Die Halle war auch eng mit den ersten Erfolgen der Basketballer des MTV 1846 verbunden, wurde doch hier der Grundstein zu drei deutschen Meisterschaften und einem Pokalsieg gelegt. Es waren jedoch nicht nur die Basketballer, die die Halle nach dem Schulsport mit Leben füllten, viele Sportarten waren hier einst zu Hause. Mit der Einweihung der Sporthalle Ost 1969 verlor die Doppelturnhalle jedoch an Bedeutung, da große Sportveranstaltungen nun dort stattfanden. Trotzdem blieb sie immer ein wichtiger Ort für den heimischen Sport. Aber auch an ihr nagte der Zahn der Zeit und so wurde entschieden, dass Abriss und Neubau der Sanierung vorzuziehen seien. So rückten im Sommer 2023 schließlich Bagger an und schufen Platz für eine neue Schulsporthalle der Liebigschule.

Text: Ingrid Hubing und Christian von Berg

Universitätssportplatz

Der Universitätssportplatz ist eine der ältesten heute noch existierenden Sportstätten in Gießen, dessen Geschichte bis in die Zeit vor dem 1. Weltkrieg zurückreicht, als sich die Universität entschloss, erstmals selbst eine eigene Sportstätte zu errichten. Dafür erwarb sie 1914 von der Stadt eine Fläche von rund 35.000 qm, um am damaligen Ostrand der Stadt einen Turn- und Sportplatz anzulegen. Der Topographie folgend war eine terrassenartige Anlage mit einem Spielfeld samt Laufbahn und Tribüne, Anlagen für Hoch- und Weitsprung, Faustball- und Tennisplätze, eine Reitbahn, ein Luft-, Licht- und Sonnenbad sowie ein Sporthaus geplant. Zwar wurden die Arbeiten zügig aufgenommen, doch schon bald vom  Krieg gestoppt. Teile des Areals dienten nun erst einmal der Landwirtschaft.

Erst im Frühjahr 1921, nachdem an der Universität das „Institut zur Erforschung der Körperkultur“ gegründet worden war und die akademische Ausbildung von Sportlehrern begann, wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Bis zum Herbst konnte so der Sportplatz provisorisch fertiggestellt werden. In den folgenden Jahren wurde die Anlage ausgebaut und obwohl 1926 auch das Sporthaus fertig war, wurde die ursprüngliche Planung nie vollständig realisiert. Das Sporthaus wurde 1944 Opfer der Bombenangriffe auf die Stadt, aber der Sportplatz blieb intakt und wurde so in den Nachkriegsjahren zu einem zentralen Ort des Gießener Vereinssports. Nach Wiedereröffnung der Universität wurde der Platz ab Mitte der 1960er Jahre dann zur Keimzelle der heutigen Sportstätten der Universität.

Text: Ingrid Hubing und Christian von Berg

Turnhalle am Oswaldsgarten

Da die bisherige Turnhalle des TV 1846 an der Südanlage für die Vereinsmitglieder zu klein wurde, erwarb der Verein als Bauplatz den Gail’schen Platz am Lahnstein (Oswaldsgarten). Am 11. September 1890 fand die Grundsteinlegung unter Anwesenheit des Gesamt-Vorstandes des Turnvereins und der Baukommission statt. In den Grundstein wurden verschiedene wichtige Vereinsurkunden eingemauert. Finanziert wurde das Projekt durch Anteilscheine, Spenden und Hypothekendarlehen. Am 16. August 1891 fand die feierliche Eröffnung statt. 1901 wurde die Turnhalle erweitert und mit elektrischem Licht ausgestattet. 1902 ehrte die Gießener Turnerschaft den vor 50 Jahren verstorbenen Turnvater Jahn mit einer Gedenkfeier. Während des 1. Weltkrieges diente die Halle als Reservelazarett. Da im Jahre 1927 eine Gasheizung eingebaut wurde, konnte der geregelte Betrieb auch im Winter aufrecht erhalten bleiben. Die Nationalsozialisten mieteten abendweise ab 1930 die Halle, um ihre Parteiveranstaltungen abzuhalten. Nachdem die Halle im Krieg zerstört wurde, planierten die Turner eine Fläche, um ihren Sport im Freien ausüben zu können. In einem kleinen verbliebenen Teil entstand die Gaststätte das »Turnereck«. Erweitert wurde das sportliche Angebot im Jahre 1950 um Eishockey im »Eisstadion am Oswaldsgarten«, einer Freifläche der einstigen Turnhalle und auf Natureis, wenn die Temperaturen im Winter es zuließen. Anfang der 60er Jahre entstanden auf dem Gelände die Räumlichkeiten der Berufsfeuerwehr Gießen, die 2023 ihren neuen Einsatzort am Stolzenmorgen bezog.

Text: Ingrid Hubing und Christian von Berg

Turnplatz auf dem Trieb

Karl Follen © Stadtarchiv
Karl Follen © Stadtarchiv

Erstmals geturnt wurde in Gießen wohl in den Jahren 1814/15, als Studenten der Universität den von »Turnvater« Jahn in Berlin ins Feld geworfenen Ball aufgriffen. Den Studenten, die ob ihrer Kleidung als Giessener Schwarze bekannt wurden, ging es aber nicht ums Turnen allein, denn sie verbanden damit auch Forderungen nach nationaler Einheit, rechtlicher Gleichheit und demokratischer Teilhabe. Kurzum: Sie stellen die politische Ordnung in Frage und wollten sie verändern. Der Trieb, damals noch weit vor den Toren der Stadt gelegen, war der Ort, an dem 1816 ihr Turnplatz entstand und von dem aus sie das Turnen und ihre Ideen verbreiten wollten. Den Platz hatte ihnen die Stadt zugewiesen und die Turner richteten ihn her und bewachten ihn auch. Die turnerischen Aktivitäten, die unter einer strengen Turnordnung verrichtet wurden, bestanden aus Klettern, Springen, Schwimm- oder Fechtübungen. Klassische Turngeräte waren hingegen noch nicht vorhanden. Die Turner trafen sich mehrmals in der Woche und der Besuch einer Gastwirtschaft mit Ansprachen und Gesängen war anschließend obligatorisch. Der gerade 20-jährige Karl Follen, er galt als Kopf der Gießener Turner, und seine Mitstreiter hatten mit der Verbreitung des Turnens Erfolg, aber politisch scheiterten sie, denn die Obrigkeit machte ihren Umtrieben mit Verboten und Verfolgung 1819 ein Ende. Follen muss 1824 sogar in die USA emigrieren. Aber das Turnen war in Gießen angekommen und sollte auch nicht wieder verschwinden. Und auch der Trieb blieb der Stadt als Ort des Sports bis heute erhalten.



Historische Streifzüge

Das Stadtarchiv erstellt hier bebilderte (Kurz-)Beiträge zu Gießens Geschichte. Die historischen Streifzüge beleuchten wichtige Ereignisse und Entwicklungen anhand archivalischer Quellen und Abbildungen. Sie wollen die Neugier auf Stadtgeschichte wecken.
 




Das Goldene Buch der Stadt Gießen

Das Goldene Buch der Universitätsstadt Gießen ist ein Erinnerungsort für besondere Begegnungen, außergewöhnliche Leistungen und bedeutende Momente der Stadtgeschichte. 

Seit dem 1. August 1946 werden dort Persönlichkeiten verewigt, die in Politik, Kultur, Sport oder Gesellschaft eine herausgehobene Rolle spielen oder auf besondere Weise mit Gießen verbunden sind. Die ersten Eintragungen stammen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit: Vertreter der damaligen Stadtspitze, der Militärregierung und der Gemeindevertretung setzten ihre Unterschriften in das neu angelegte Buch.

Heute umfasst das Goldene Buch rund 190 Eintragungen, viele davon mit mehreren Namen, etwa bei Delegationsbesuchen oder offiziellen Partnerschaften. Neue Einträge kommen nur selten hinzu: Im Durchschnitt wird das Buch lediglich bei zwei Anlässen pro Jahr geöffnet. Wer sich eintragen darf, entscheidet der Oberbürgermeister beziehungsweise die Oberbürgermeisterin im Einzelfall. Feste Kriterien gibt es nicht. Gemeinsam ist den Eingetragenen jedoch, dass sie auf ihrem Gebiet Herausragendes geleistet haben oder für die Stadt von besonderer Bedeutung sind.




Beispielhafte Einträge

Zu den Namen im Goldenen Buch gehören mehrere Bundespräsidenten, darunter Theodor Heuss, Johannes Rau und Frank-Walter Steinmeier, ebenso wie der spätere Bundeskanzler Willy Brandt. 




Auch sportliche Erfolge haben ihren Platz: Verewigt sind unter anderem die Deutschen Meistermannschaften des MTV Gießen, die Gießen 46ers sowie der Automobil-Weltmeister Stefan Bellof. Mit dem Eintrag der Bob-Brüder Adam und Issam Ammour wächst das Goldene Buch nun um zwei weitere Namen aus dem Sport. Die Olympiamedaille von Adam Ammour und die gemeinsamen Erfolge der Brüder stehen dabei beispielhaft für die Leistungen, die die Stadt mit einem Eintrag würdigt. 




Besonders anschaulich sind die Eintragungen, die über eine bloße Unterschrift hinausgehen. Der Komponist Hermann Reutter und der Clown Oleg Popov hinterließen kleine Zeichnungen im Buch und gaben ihren Seiten damit eine ganz persönliche Note. 




Andere Einträge erinnern an historische Momente der Stadtgeschichte, etwa die Unterzeichnung der Städtepartnerschaft zwischen Gießen und Netanya im Jahr 1978. So erzählt das Goldene Buch nicht nur von bekannten Namen, sondern auch von den Ereignissen, Begegnungen und Beziehungen, die die Stadt über Jahrzehnte geprägt haben. 

Goldenes Buch - Partnerstadt Netanya
Goldenes Buch - Partnerstadt Netanya


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