Erleben

Seiteninhalt

Von Gießen nach Theresienstadt

Die letzte Deportation - Audiowalk von Michelle Damm und Randi Becker

Datum:

08.11.2026

Uhrzeit:

14:00 bis 16:00 Uhr

Ort:

Jugend- und Kulturzentrum Jokus

Ostanlage 25a
35390 Gießen

0641 306-2495
E-Mail
Website

Nachricht schreiben

Preis:

Kostenlos

Karte anzeigen Termin exportieren

Die Veranstaltungsreihe „Erinnern, mahnen, wachsam sein“ will an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und aufzeigen wie und wo sich nationalsozialistisches Gedankengut bis heute hält sowie Kompetenzen vermitteln, antisemitischem und diskriminierendem Verhalten entgegen zu treten.

Die letzte Deportation aus Gießen erfolgte im Februar 1945. Hierbei handelte es sich um Gießener Jüdinnen und Juden, die in Ehen mit nicht-jüdischen Partner*innen lebten. Diese wurden reichsweit und so auch in Gießen während des NS zwar beobachtet, erfasst und ausgegrenzt, waren aber durch diese Ehen bis 1944/1945 meist vor Deportationen geschützt. Mit Verschärfung des NS-Antisemitismus richtete sich die Verfolgung der Juden und Jüdinnen aber gegen Ende des Nationalsozialismus auch gegen diese Personen in „Mischehen“. So wurde in Gießen noch im Februar 1945 eine Deportation der verbliebenen Juden und Jüdinnen in „Mischehen“ organisiert. Hierfür wurden 11 Jüdinnen und 1 Jude am Abend des 13. Februar 1945 festgenommen und im Keller des Stadttheaters/Kulissenhaus gesammelt. Von dort aus wurden sie am nächsten Morgen, dem 14. Februar 1945, zu Fuß an den Bahnhof Gießen gebracht, von der Gestapo in einem regulären Personenzug unter den Augen der anderen Bahnfahrenden nach Frankfurt gebracht und dort in der Großmarkthalle abermals gesammelt, um dann mit einem Großtransport vieler Juden und Jüdinnen in „Mischehen“ aus ganz Hessen nach Theresienstadt gebracht zu werden. Dort verblieben die 12 Gießener*innen bis zur Befreiung Theresienstadts am 8. Mai 1945. Nach bisherigen Erkenntnissen habe alle 12 diese Haft überlebt und kehrten nach Mittelhessen zurück. Diese Deportation wird in verschiedenen Publikationen kurz erwähnt, wurde aber lange nicht systematisch erforscht. Sie hat aber für die Stadt Gießen eine besondere Relevanz und wurde bislang in der städtischen Erinnerungskultur gar nicht abgebildet, obwohl die Deportation aus dem Zentrum der Stadt, dem Stadttheater, stattfand. Erst durch ein Forschungsprojekt machte die Studentin, Helena Rist, vor einigen Jahren auf eine Deportation aufmerksam. Der Audiowalk basiert auf intensiven Archivrecherchen von Randi Becker (Soziologin, Doktorandin an der Universität Passau) und Michelle Damm (Arbeitsstelle Holocaustliteratur der JLU Gießen), die die Geschichte der Deportation und die Biografien der 12 Deportierten rekonstruierten. Der Audiowalk wurde vom Team des Stadttheaters professionell eingesprochen. Er besteht aus 7 Stationen, anhand derer die Zuhörer*innen chronologisch der Geschichte der Deportation und dem Schicksal der Deportierten folgen können. In einer Kooperation zwischen der Justus-Liebig-Universität, dem Stadttheater Gießen, der Landeszentrale für politische Bildung Hessen sowie der DEXT-Fachstelle Giessen konnte der Audiowalk entstehen.

Hinweis: Nach einem einführenden Vortrag findet der Audiowalk im Freien statt und wird mit dem eigenen Endgerät durchgeführt. Bitte bringen Sie ein internetfähiges Smartphone sowie Kopfhörer mit. Wir empfehlen außerdem wetterfeste und warme Kleidung.

Zur Anmeldung

Newsletter

Bestellen Sie sich hier den Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.