Kälte-Pop: Ja-Sagen als Strategie gegen-gegenkultureller Distinktion in der bundesdeutschen Popmusik
Vortrag von Dr. Florian Völker im Rahmen der im Rahmen der Vortragsreihe "Populäre Musik in der deutsch-deutschen Geschichte, 1945-1990. Interdisziplinäre Perspektiven auf eine verflochtene Teilung."
05.11.2026
16:00 bis 18:00 Uhr
Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik, Raum 019 (Musiksaal) Karl-Glöckner-Str. 21D, 35394 Gießen
Am Ende der 1970er Jahre entstand im Vor- und Umfeld der sogenannten Neuen Deutschen Welle ein Phänomen in der deutschsprachigen Popmusik, das alles Kalte affirmierte: Kälte-Pop. Dessen Akteur:innen entwickelten als Gegenentwurf zum pop- wie gegenkulturell hegemonialen Wärme-Kult ein System von Motiven und Strategien, das all jene Zeichen und Prozesse der (Post)Moderne ästhetisierte und glorifizierte, die in der bundesdeutschen Gesellschaft und vor allem im linksalternativen Milieu als negative Aspekte einer vermeintlich kalten Welt interpretiert wurden: Entemotionalisierung und Dehumanisierung, Industrie und Großstadt, Künstlichkeit und Oberflächenästhetik, Disziplin und körperliche Funktionalität, Gewalt und Härte, Entfremdung und Zerfallszeichen, thermische Kälte-Bilder wie Schnee und Eis, Baustoffe wie Beton und Stahl sowie technische Geräte wie Computer, Maschinen und Roboter. Die Strategien der Kälte-Pop-Künstler:innen dienten als eine auf dem Feld der Popkultur ausgetragene Auseinandersetzung und Neupositionierung innerhalb der linken Gegenkultur. Der Vortrag nimmt zudem die Vorläufer des Kälte-Kults bei den Historischen Avantgarden der 1920er Jahre als auch dessen Erben in der deutschen und internationalen Popmusik in den Blick.
Weitere Infos und Online Teilnahme unter: www.uni-giessen.de/musik/vortragsreihe