Infoveranstaltung "Aus der Vergangenheit lernen"
(Zitat aus dem Gießener Anzeiger vom 11.11.1968) - Die orthodoxe Synagoge in der Steinstraße (1899-1938) und die Entstehung der Gießener Erinnerungskultur
11.11.2026
18:00 bis 20:00 Uhr
Kostenlos
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Die Veranstaltungsreihe „Erinnern, mahnen, wachsam sein“ will an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und aufzeigen wie und wo sich nationalsozialistisches Gedankengut bis heute hält sowie Kompetenzen vermitteln, antisemitischem und diskriminierendem Verhalten entgegen zu treten.
Die orthodoxe „Israelitische Religionsgesellschaft“ entstand 1887 aus einer Abspaltung von Gemeindemitgliedern der liberalen Synagoge an der Südanlage. Aufgrund einer großzügigen Schenkung konnte die Gemeinde eine eigene Synagoge in der Steinstraße errichten, die aber kaum vier Jahrzehnte bestand, da sie am 10. November 1938 während der Novemberpogrome in Brand gesetzt und kurz darauf zerstört wurde. Das Grundstück wurde bereits 1952 mit einem Mehrfamilienhaus überbaut.
Der Vortrag stellt die Architektur der repräsentativen Synagoge vor und gibt Einblicke in das jüdische Gemeindeleben. Er beleuchtet die zunehmende Bedrohung der Mitglieder durch die NS-Gewaltherrschaft und die Auslöschung der Gemeinde. In einem zweiten Teil werden die Nachkriegsgeschichte und Aspekte der jüdischen Erinnerungskultur thematisiert. Es gab 1945 über zwanzig Jahre lang kein Denkmal in Gießen, das an die ermordeten jüdischen Mitbewohner*innen erinnerte. 1966 wurde an der Kongresshalle der erste Gedenkstein enthüllt. Aber erst mit der Einweihung einer Gedenktafel im Jahr 1978 am Standort der orthodoxen Synagoge in der Steinstraße etablierte sich eine städtische Gedenkkultur. Einer der Hauptakteure war Josef Stern, ein ehemaliges Mitglied der orthodoxen Gemeinde. Anhand zahlreicher zeitgenössischer Quellen zeichnet Henriette Stuchtey anschaulich die frühe Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Gießen und erste Bestrebungen der sogenannten „Wiedergutmachung“ nach.