Caspar Wolfs "Esther"
Stummfilm und Live-Präsentation
20.08.2026
18:00 bis 19:30 Uhr
Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstraße 35
Eintritt frei
Wie führt man ein Drama auf, von dem nur Bruchstücke erhalten sind?
Diese Frage hat sich die Theatergruppe des Instituts für Germanistik gestellt und hat mit viel Witz ein neues Konzept entwickelt: eine Kombination aus Performance und Stummfilm. Caspar Wolfs Schuldrama "Esther" aus dem Jahr 1601 ist in der UB Basel handschriftlich überliefert – allerdings fehlen alle 5 Akte. Erhalten sind nur die Argumenta der einzelnen Akte. Diese aber sind viel kreativer als normale Akt-Argumenta (Zusammenfassungen der folgenden Handlung).
Bei Wolf unterhalten sich Apoll und die Musen, Wilhelm Tell und die Eidgenossen, ein Wilder Mann und die Heiligen Drei Könige – und weitere ausgefallene Figurengruppen über das Geschehen der Esther-Handlung und seine Relevanz für ein damaliges schweizerisches Publikum. All das ist nicht nur witzig, sondern zeigt vorbildlich die Aktualisierung historischer Stoffe, die sich perfekt auf unsere Gegenwart übertragen lässt. So etwas schreit nach einer Aufführung.
Zum Glück gibt es einen "Klassiker" der Esther-Dramen des 16. Jahrhunderts, der zu den Argumenta passt: Thomas Naogeorgs lateinischer Tragödie "Hamanus". Aber sollte man sie da einfügen oder aber eine der deutschen Übersetzungen aus dem 16. Jahrhundert? Gut, dass es aus anderen Jahrhunderten dazu eine Lösung gibt: den schwarz-weißen Stummfilm. Das Drehbuch dazu hat Karina Fischer geschrieben. Freuen Sie sich auf ein mediales Experiment.
Wir danken der DFG und dem Hessischen Landestheater Marburg für die Unterstützung dieses Projekts.