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Mühlstraße 8 (ehem. Löwengasse 23) - Ferdinand Klein

Ferdinand Klein
*07.10.1914
deportiert 1938 nach Sachsenhausen
deportiert am 16.03.1943 nach Auschwitz
überlebte
Stolperstein verlegt am 15.11.2017

 

Standort Stolperstein Mühlstraße 8


Ferdinand Klein wurde am 7. Oktober 1914 in Gießen geboren. Er war als Händler und Korbmacher unterwegs und zählte zu den „Jenischen“, die von den Nationalsozialisten als „Zigeuner“ und „Zigeunermischlinge“ ausgegrenzt, verfolgt und deportiert wurden.

Als politischer Gefangener wurde Ferdinand Klein vom 5. bis 31. Januar 1934 im Konzentrationslager Osthofen eingesperrt. Nach seiner Entlassung kam er zurück zu seinen Eltern nach Gießen. Im Juni 1938 wurde der damals 24-Jährige in Alsfeld erneut von der Polizei festgenommen. Offenbar stand dies im Zusammenhang mit der Aktion „Arbeitsscheu Reich“, bei der in zwei Verhaftungswellen vermeintliche „Asoziale“ in Konzentrationslager „eingewiesen wurden“. Ferdinand Klein wurde nach Sachsenhausen deportiert.

Wohl auf ein Gnadengesuch seiner Mutter hin wurde der junge Mann im April 1941 aus dem Konzentrationslager zurückgeschickt. Danach wurde Ferdinand Klein zur Wehrmacht eingezogen, doch vom Dienst wieder freigestellt, nachdem er als „Zigeunermischling“ erfasst worden war. Am 16. März 1943 gehörte er schließlich zu den 14 Gießener Männern, Frauen und Kindern der weitverzweigten Familie Klein, die von Gießen aus ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau transportiert wurden. Zu diesem Zeitpunkt lebte Ferdinand Klein in der Löwengasse 23, im Bereich des heutigen City-Centers. Genau lässt sich das damalige Wohnhaus nicht lokalisieren.

Kurz vor Kriegsende kam er erneut nach Sachsenhausen. Dort wurde er gemeinsam mit 200 Häftlingen für die berüchtigte „Sondereinheit Dirlewanger“ rekrutiert und zum Fronteinsatz Richtung Neiße deportiert. Am 8. Mai 1945 geriet er in Berlin in russische Gefangenschaft. Da er sich mit der eintätowierten Nummer als KZ-Häftling „ausweisen konnte“, wurde er sogleich wieder entlassen und machte sich auf den Weg in seine Heimatstadt Gießen.

Dort baute er sich eine neue Existenz auf, gründete eine Familie und kämpfte jahrelang um „Wiedergutmachung“ für das erlittene Grauen. Die Familie lebte nach Ende des Zweiten Weltkrieges in der Mühlgasse 8 und später auch in der benachbarten Kleinen Mühlgasse.

Ferdinand Klein starb 1985 in Gießen.

 

Text: Heidrun Hellwig

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