Rathaus

Seiteninhalt

Neuenweg 19 (ehem. Neuenweg 33) - Friedrich "Fritz" und Friederike, Frieda Janz, Recha Keßler

Friedrich „Fritz“ Keßler
*12.06.1889 in Gießen
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 22.10.2009

Friederike Keßler, geb. Königsthal
*06.03.1896 in Carlshafen, Kreis Hofgeismar
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet 1942 vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 22.10.2009

Frieda Janz, geb. Keßler
*07.11.1902 in Gießen
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet am 15.10.1942 vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 22.10.2009

Recha Keßler
*22.04.1909 in Wetzlar

deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 22.10.2009

 

Standort Stolpersteine Neuenweg 19


Friedrich "Fritz" Keßler

Friedrich Keßler wurde als 5. Kind der Eheleute Moses und Lina Keßler, geb. Rothschild, in Gießen geboren. Friedrich (Fritz) hatte insgesamt 8 Geschwister, 5 Brüder und 3 Schwestern. Der Vater Moses war von Beruf Pferdemetzger und Wirt. Die Familie war im Sommer 1886 aus Siegen zugezogen und lebte im Neuenweg 33.

Friedrich erlernte den Beruf des Metzgers und übernahm später das Geschäft der Eltern, die Pferdemetzgerei und die Gaststätte „Zum Weissen Ross“.

Am 25.05.1914 heiratete er Friederike Königsthal aus Carlshafen, Kreis Hofgeismar, die Schwägerin seines ältesten Bruders.

Aus der Ehe ging der Sohn Alwin, geboren am 18.04.1915, hervor. Dieser folgte der Familientradition und erlernte wie Großvater und Vater den Beruf des Metzgers ab 1930 in Weidenhausen. Er ging 1934 nach Köln und emigrierte im Frühjahr 1938 in die USA.

In der Zeit vom 03.11.41 bis 08.09.1942 war Friedrich Keßler als Tiefbauarbeiter zur Zwangsarbeit bei einer Gießener Baufirma verpflichtet.

Friederich Keßler musste mit seiner Frau Friederike und den beiden Nichten Recha und Frieda nicht in ein Ghettohaus umziehen, sie konnten bis zur Deportation in ihrem Haus im Neuenweg wohnen bleiben.

Am 14.09.1942 wurde er mit seiner Frau, den beiden Nichten und vielen anderen jüdischen Bürgern in die Goetheschule gebracht und am 16.09.1942 vom Güterbahnhof aus nach Darmstadt deportiert. Laut Deportationsliste in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Band 85 wurde er am 30.09.1942 nach Polen deportiert, vermutlich nach Treblinka und dort ermordet.

Friederike Keßler, geb. Königsthal

Friederike Königsthal, verh. Keßler, wurde am 06.03.1896 in Carlshafen, Kreis Hofgeismar als Tochter der Eheleute Abraham und Fanny Königsthal, geb. Stern, geboren.

Sie heiratete den Pferdemetzger Friedrich Keßler am 26.05.1914, den Schwager ihrer älteren Schwester Meta. Aus der Ehe ging der Sohn Alwin, geboren am 18.04.1915, hervor. Er erlernte wie Großvater und Vater den Beruf des Metzgers. Alwin ging 1934 nach Köln und emigrierte im Frühjahr 1938 in die USA.          

Friederike Keßler lebte bis zur Deportation mit ihrem Mann Friedrich und den beiden Nichten Recha und Frieda im Neuenweg 33.

Am 14.09.1942 wurde sie mit ihrem Mann, den beiden Nichten und vielen anderen jüdischen Bürgern in die Goetheschule gebracht und am 16.09.1942 vom Güterbahnhof aus nach Darmstadt deportiert. Laut Deportationsliste in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Band 85 wurde sie am 30.09.1942 nach Polen deportiert, vermutlich nach Treblinka und dort ermordet. 

Frieda Janz, geb. Keßler

Frieda Keßler wurde am 07.11.1902 in Gießen geboren. Ihre Eltern waren August und Meta Keßler, geb. Königsthal. Die Familie lebte in der Weserstraße. Der Vater arbeitete in der Pferdemetzgerei seines Vaters, Moses Keßler.

1907 zog die Familie nach Wetzlar in die Lahnstraße 28, wo der Vater sich selbstständig machte und eine Metzgerei betrieb.

Am 10.12.1925 heiratete Frieda Heinrich Janz. Für ihn war dies die zweite Ehe. Das Paar wohnte bei den Schwiegereltern. Im Dezember 1938 wurde die kinderlose Ehe vor dem Landgericht in Limburg geschieden. Vermutlich gehörte Heinrich Janz einer christlichen Glaubensgemeinschaft an und hat sich daher von seiner Frau getrennt.

Frieda Janz zog nach der Scheidung nach Wiesbaden. Hier lebte sie bis Mitte März 1939 und ging dann nach Beuern, Kreis Gießen. Frieda Janz wohnte in der Borngasse 41 bei Familie Griesheim, die eine Matzebäckerei betrieb. Nach der Emigration von Julius Griesheim im Februar 1940 in die USA zog Frieda Janz, ihr Beruf ist als Hausangestellte angegeben, zunächst  in die Ludwigstraße 14, musste dann aber noch im selben Jahr in die Walltorstraße 42, in das Ghettohaus umziehen. Im Mai 1942 zog Frieda zu ihrem Onkel Friedrich Keßler in den Neuenweg 33 und lebte dort mit ihrer Tante Friederike und ihrer Schwester Recha bis zur Deportation zusammen.

Am 14.09.1942 wurden sie und viele andere jüdische Bürgerinnen und Bürger in das Sammellager in der Goetheschule gebracht und am 16.09.1942 vom Güterbahnhof aus nach Darmstadt deportiert. Laut Deportationsliste in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Band 85 wurde sie am 30.09.1942 nach Polen deportiert, vermutlich Treblinka und dort ermordet.

Recha Keßler

Recha Keßler, Tochter von August und Meta Keßler, geb. Königstal, wurde am 22.04.1909 in Wetzlar geboren. Die Eltern lebten bis 1907 in Gießen und zogen dann nach Wetzlar in die Lahnstraße 28. August Keßler führte dort eine Pferdemetzgerei.

Recha zog am 17.06.1927 nach Gießen und lebte bei ihrem Onkel Friedrich und ihrer Tante Friederike Keßler im Neuenweg 33. Sie wurde, wie viele andere auch, zur Zwangsarbeit verpflichtet. Aus der Steuerkarte vom 30. Nov. 1940 geht hervor, dass sie als Arbeiterin bei der Firma Poppe eingesetzt war.

Recha Keßler musste nicht in ein Ghettohaus umziehen, sie konnte bis zur Deportation im Neuenweg 33 mit Onkel, Tante und ihrer Schwester wohnen bleiben. Am 14.09.1942 wurden sie und viele andere jüdische Bürgerinnen und Bürgern in die Goetheschule gebracht und am 16.09.1942 vom Güterbahnhof aus nach Darmstadt deportiert. Laut Deportationsliste in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Band 85 wurde sie am 30.09.1942 deportiert nach Polen, vermutlich nach Treblinka und dort ermordet.

 

Text: Christel Buseck

Seite drucken:

Seite empfehlen: