Leben

Seiteninhalt

Ernst Eimer - Draußen das Leben

Ausstellung mit umfangreichem Begleitprogramm

Datum:

03.06.2017 bis 20.08.2017

Ort:

Altes Schloß, Brandplatz 2

Kosten:

Eintritt frei

Karte anzeigen Termin exportieren

Nach der Ernte
Nach der Ernte
Ernst Eimer und die Heimat

Mit Ernst Eimer würdigt das Oberhessische Museum einen bis heute in der Region hoch geschätzten und gesammelten Maler und Schriftsteller. Zugleich steht sein Leben und Werk mit allen Wegen und Umwegen exemplarisch für einen Künstler aus der Zeit nach 1900. Die Ausstellung beleuchtet Leben und Werk des Künstlers aus dem Blickwinkel seiner persönlichen Heimatauffassung.
Um 1900 war in Deutschland der Begriff der Heimat in aller Munde. Die Verstädterung und die Veränderungen in der Natur, die aus dem Übergang vom Agrar- zum Industriestaat hervorgingen, wurden immer deutlicher.
Mit der Gründung des Deutschen Reiches wuchs in der Bevölkerung ein starkes Nationalgefühl und neues Geschichtsbewusstsein. Die Sehnsucht nach einer »heilen Welt« in der Natur erlebte einen Aufschwung, dem auch viele Künstler folgten. Regionale Landschaften und bäuerliche Themen lagen im Trend.
In dieser Zeit begann der Maler, Zeichner und Schriftsteller Ernst Eimer (1881–1960) seine künstlerische Laufbahn. Er entstammte einer Familie, die seit Generationen als Bauern im Dorf Groß-Eichen in der oberhessischen Vogelsbergregion lebten. Mit dem Künstlerberuf wählte er eine vollkommen andere Lebensweise als seine Vorfahren. Die enge Bindung an seinen Herkunftsort, an die ihm vertrauten Menschen und an die heimatliche Landschaft blieb jedoch lebenslang erhalten.

 

Die Motive: Menschen und Landschaft

Die Verbundenheit mit dem Heimat- und Geburtsort schlug sich direkt in den Bildthemen nieder. Die Gemälde Ernst Eimers zeigen in beeindruckender Unmittelbarkeit die Menschen und ihre alltägliche, harte Arbeit auf dem Land. Seine Modelle fand er vor allem in der eigenen Familie. Neutrale Bildtitel wie »Oberhessischer Bauer« zeigen aber, dass es ihm weniger um ausdrucksstarke Porträts als vielmehr um allgemeingültige Aspekte des menschlichen Zusammenlebens ging.
Zugleich malte er die heimatliche Landschaft am Vogelsberg mit ihren Dörfern, Bächen, Äckern und Waldstücken. Er erfasste die vertrauten Motive nicht als »erhabene« Natur, sondern in eher unspektakulärer Weise. Die lichtdurchflutete Landschaft wie die bäuerliche Bevölkerung malte er mit anfänglich impressionistischen Einflüssen in ausgewogener Farbigkeit direkt vor der Natur im Freien oder in den Wohnstuben.
Erste Einflüsse für seine künstlerische Haltung erhielt Ernst Eimer sowohl von seinem Lehrer Wilhelm Trübner als auch von der akademisch-konservativen Zeitströmung seiner Epoche. Zeitlebens blieb er einer Bildauffassung treu, die weiter dem 19. Jahrhundert verbunden war und die von modernen Entwicklungen wie dem Expressionismus letztlich unbeeinflusst blieb.
Dementsprechend bewegte sich Eimer auch persönlich in einem Umfeld ähnlich denkender und arbeitender Künstler. Den engsten künstlerischen Kontakt pflegte er eine Zeit lang zu seinem Studienfreund Heinrich Pforr, der in Laudenbach am Meißner an vergleichbaren Themen arbeitete. Zu Werken der Malerkollegen aus der nahegelegenen Künstlerkolonie in Willingshausen lassen sich sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede ausmachen.

 

Der Pendler: Zwischen Stadt und Land

Die Ausstellung beleuchtet auch Eimers biografische Anbindung an den Vogelsberg als Bezugsort und Heimat für den Künstler. Kurz nach seiner Heirat ließ er sich mit seiner jungen Familie in Groß-Eichen nieder, erbaute dort sein eigenes Haus und schuf sich in der dörflichen Gemeinschaft einen festen und anerkannten Platz.
Aber Eimer verließ die Region auch immer wieder, um in der Stadt zu wohnen. Für den Umzug nach Karlsruhe war zunächst das Studium an der dortigen Kunstakademie der Grund. Das urbane Umfeld behielt er danach durchgehend bei. Während er die Sommermonate auf dem Land verbrachte, hatte er seinen Wohn- und Arbeitsort im Winter zunächst in Darmstadt und ab 1930 in Frankfurt a. M. Dieses im Studium begonnene zweigeteilte Leben wurde durchgehend bis fast zum Lebensende beibehalten. Erst in den letzten Jahren zog sich Ernst Eimer endgültig nach Groß-Eichen zurück. Es ist unbekannt, ob der Künstler die Stadt ebenfalls als Heimat erlebte, aber hier fand er Ausstellungsmöglichkeiten und die Käufer für seine Bilder als Grundlage für seinen künstlerischen Beruf.

 

Das Vaterland

Für einen temporären Weggang gab es auch von außen kommende Gründe: Die zunehmend patriotische Haltung zur Heimat als »Vaterland« richtete sich im Lauf der 1910er Jahre zunehmend auf dessen Verteidigung ein. Wie viele andere junge Männer wurde Eimer im Ersten Weltkrieg eingezogen. Er erlebte ihn als Kriegsmaler an der Westfront.
Im Nationalsozialismus wandte sich Eimer von den politischen und künstlerischen Entwicklungen in seinem Land nicht ab. Seine traditionellen Motive passten in der Ideologie des Regimes, das jegliche Formen der Moderne ablehnte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war er, halb erblindet, mithilfe seiner Kunst mehr um die Sicherung des Lebensunterhaltes bemüht als um künstlerische Weiterentwicklung. In den letzten Lebensjahren vervielfältigte er seine beliebtesten Motive und trat noch einmal als Schriftsteller in Erscheinung.
Ernst Eimer starb am 3. Mai 1960. Sein Werk hat Eingang in einige Museen gefunden. Vor allem aber leben seine Arbeiten ebenso wie das Andenken an seine Persönlichkeit im weit verzweigten Familienkreis und bei Freunden in der Vogelsbergregion fort.

 


 

Katalog

Über ein Jahr lang hat die Kunsthistorikerin und Autorin Ulrike Kuschel recherchiert und Gespräche mit Sammlerinnen und Sammlern sowie mit Familienangehörigen aus dem engen und weiteren Umkreis des Künstlers geführt. Sie hat in zahlreichen Akten gestöbert, in private Wohnzimmer geblickt und in akribischer Kleinarbeit und mit viel Feingefühl einen bisher einzigartigen Überblick über die Gemälde, Zeichnungen und die Druckgrafik des Künstlers zusammengetragen und sein Leben und Werk unter dem Überbegriff „Heimat“ neu beleuchtet. Die Publikation ermöglicht nun, eine große Zahl der Bilder in hochwertiger, farbiger Abbildung einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Darüber hinaus betrachtet der Katalog die Themen der Ausstellung ausführlicher und behandelt weitere interessante Fragestellungen, wie die Entwicklung und Geschichte des „Heimatbegriffes“, ergänzt durch zahlreiche Verweise auf weiterführende Literatur.

Die Publikation ist zum Preis von 34,90 € im Oberhessischen Museum, Altes Schloss, Brandplatz 2, 35390 Gießen und über den Kunst- und Kulturverein der Ernst-Eimer Freunde e. V, Frau Wagner, Tel.: 06408 962021 oder 0175 5224141 erhältlich.

Katalog Ernst Eimer
Katalog Ernst Eimer

 


 

Begleitprogramm

Die AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
Freitag, 02. 06. 2017, 18 Uhr im Netanya-Saal des Alten Schlosses

Die KURATORENFÜHRUNG
Dienstag, 11. 07. und 15. 08. 2017, 18 – 19 Uhr
Ulrike Kuschel M. A. | Vor der jeweiligen Abendveranstaltung!
(5,– € | 2,50 € pro Person)

Die FÜHRUNGEN
Nach Voranmeldung, ca. 60 Min., deutsch
Gruppen (max. 20 Personen) | 30,– €
Schulklassen (max. 25 Personen) | 20,– €

Der WORKSHOP für Kinder - VILLA KUNTERBUNT – Mein kunterbuntes Zuhause
Samstags 11 – 14 Uhr
01. 07. | 22. 07. | 29. 07. | 05. 08. 2017
15,– € | 5,– € m. Gießenpass und Studenten (pro Kind)
Anmeldung erforderlich bis Mittwochmittag vor dem Termin
7 – 12 Jahre

Das BEGLEITPROJEKT: Der APPARAT
Von und mit Mobile Albania
Sonderausstellungsraum, Altes Schloss
Fr. 02. 06. Inbetriebnahme des Apparats im Rahmen der Ausstellungseröffnung
Sa. 10. 06. Tagesworkshop von 11.00 – 15.00 Uhr
Sa. 17. 06. Tagesworkshop von 11.00 – 15.00 Uhr
Mo. 03. 07. – Fr. 07. 07. Workshopwoche tägl. von 9.00 – 13.00 Uhr
Mo. 10. 07. – Fr. 14. 07. Workshopwoche tägl. von 9.00 – 13.00 Uhr
Sa. 15. 07. Fest aller Workshopteilnehmer und Transmitter aus der Stadt um 16.00 Uhr

Teilnehmeranmeldung bitte unter info@mobilealbania.de

Heimat geht durch Leib und Magen … Das Menü
Das Restaurant »Schlosskeller« im Alten Schloss zaubert die hessische Landschaft in einem mehrgängigen Schmaus auf den Teller.
Dienstag, 15.08.
Kartenvorverkauf: 0641 38306, info@schlosskeller-giessen.de

 


 

KONTAKT, ANMELDUNG und BERATUNG

museum@giessen.de | 0641 – 96 09 73 13
Oberhessisches Museum
Für Schulklassen ist die Ausstellung ab 8 Uhr nach Vereinbarung geöffnet!

 


 

VORTRÄGE und FILME

Dienstags, 19.30 Uhr, Netanyasaal, Altes Schloss | Vor diesen Veranstaltungen ist die Ausstellung ab 18 Uhr geöffnet.

27. Juni – Ein Film
Heimat – Filmtrilogie (1981 – 2012): Auszug
Film von Edgar Reitz | Einführung: Lisa Immel, JLU Gießen
(5,– € | 2,50,– €)

04. Juli – Ein Vortrag
Beziehungsgeschichten: ›Volkskunst‹ und Kunstgeschichte
Prof. Dr. Sigrid Ruby, Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Kunstgeschichte
(Eintritt frei)

11. Juli – Der zweite Film
Angst essen Seele auf (1974) – Heimat in der Fremde
Film von Rainer Werner Fassbinder | 89 Min.
(5,– € | 2,50,– €)

18. Juli – Der dritte Film
Grün ist die Heide (1951) – Der Inbegriff des Heimatfilms
Film von Hans Deppe, mit Sonja Ziemann, Rudolph Prack und Willy Fritsch | 90 Min.
(Eintritt frei)

25. Juli – Der zweite Vortrag
Draußen das Leben – Der Maler Ernst Eimer und die Heimat
Ulrike Kuschel M. A., Kuratorin der Ausstellung
(Eintritt frei)

01. August – Die Lesung
Heimat – Ein Phantomschmerz
Migration, Flucht, Globalisierung – und die Angst vor dem Verlust von Tradition und Kultur
Von und mit dem Autor Christian Schüle
(5,– € | 2,50,– €)

 


 

 

Seite drucken:

Seite empfehlen:

Newsletter

Bestellen Sie sich hier den Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Corona: Stadtverwaltung geschlossen - telefonische Erreichbarkeit ist sichergestellt
Dringende unaufschiebbare Dienstleistungen werden in allen Ämtern erst nach vorheriger Terminabsprache erledigt. Termine bekommt man durch telefonische Anfrage oder per  E-Mail mit Angabe des Anliegens an info@giessen.de.

Mehr Infos und Kontakte für Terminvereinbarung

Die wichtigsten Meldungen im Überblick


Startseite giessen.de