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Die Lebensgeschichten alter Menschen in Namibia

Im April 2024 hat Reimer Gronemeyer, pensionierter Professor für Bildungssoziologie und Ehrensenator der Universität Gießen sowie Vorsitzender von Pallium e.V., gemeinsam mit dem Fotografen Pietro Sutera eine Reise nach Namibia unternommen, um die Lebensgeschichten alter Menschen in Namibia zu sammeln und ihre lebensvollen Gesichter zu porträtieren.

Im Dezember hat der Verein Pallium e.V. mit der Stadt Gießen zu einem Vortrag zu diesem bedeutenden Zeugnis namibischer Kulturgeschichte ins Rathaus eingeladen. Es sind beeindruckende Gesichter und bewegende Erzählungen älterer Menschen, die Reimer Gronemeyer zusammengetragen und im gut besuchten Hermann-Levi-Saal vorgestellt hat.

Evelyn, 75 Jahre, wohnhaft in Windhuk, weiß alles über Kräuter, mit denen früher Krankheiten bei den Damara geheilt wurden. Aber viele der Kräuter findet sie heute nicht mehr. Rosa Namises, die sich im Kampf für Frauenrechte engagiert, hat die Wege gebahnt, hat die Kontakte zu 24 besuchten Menschen hergestellt und für die Besucher aus Deutschland aus der Damara-Sprache übersetzt. Es sind faszinierende Fotos entstanden und Lebensgeschichten erzählt worden.

„In Namibia, wie auch in Deutschland, stehen wir vor der Aufgabe, die Lebensqualität älterer Menschen zu sichern und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu fördern. Es ist entscheidend, dass wir die Bedürfnisse und Wünsche älterer Menschen ernst nehmen und ihnen die Unterstützung bieten, die sie benötigen.“, stellt Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher in seiner Begrüßungsrede fest.

Viele Themen wurden im Vortrag beleuchtet: Wie schwierig die Zeit der Apartheid war, wie die herrschende Dürre das Leben beeinträchtigt und dass das Verhältnis zwischen Alt und Jung sich verschlechtert hat.Gronemeyer bringt dies empathisch zum Ausdruck: „Die Menschen haben uns gastfreundlich empfangen und uns mit ihren Einsichten und Erfahrungen beschenkt.”

Ein Höhepunkt war die Begegnung mit der 108-jährigen Hermine. Umringt von Kindern, Enkeln und Urenkeln, in ihrer Hütte aus Pappe, Plastikfolien und Blechstücken erzählt sie von ihrer Kindheit, in der sie als Nomadin mit ihrer Familie unterwegs war. Sie ist nie zur Schule gegangen, hat keinen Arzt aufgesucht, hat ohne elektrisches Licht und ohne fließendes Wasser gelebt - und offenbar nichts vermisst.

Rosalie, spricht davon, dass der Regierungs-LKW, der bisher Wasser gebracht hat, nicht mehr kommt, er ist kaputt. Sie und ihre Tochter haben einmal in der Woche zu zweit eine Tasse Wasser, um zu „duschen”. August, der Nachbar, singt Lieder über die Zeit, in denen er in den Minen von Uis gearbeitet hat. Die manchmal extreme Armut und der Reichtum an Erfahrungen existieren nebeneinander. „Unsere Weltsicht ist sehr vom globalen Norden geprägt und Afrika wird oft wahrgenommen als „ein armes Land“, dabei ist es ein sehr diverser Kontinent mit 54 Ländern und viel Expertise. Auch das ist eine Seite Afrikas, die es zu beachten gilt.“, so Oberbürgermeister Becher.

Die Fotos und die Erzählungen werden in einem Bildband zugänglich gemacht werden, Ausstellungen in Deutschland und Namibia sind geplant. Der Verein Pallium e.V. finanziert in Windhuk eine Suppenküche, in der Vorschulkinder täglich etwas zu essen bekommen und ein wenig Vorschulunterricht stattfindet.

 

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23.12.2024 

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