Infotafel zur Geschichte des Notaufnahmelagers Gießen am Bahnhof
12.01.2016
OB Grabe-Bolz vor der Infotafel am Bahnhof in Gießen

Auf Vorschlag und Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ist im Gießener Bahnhof, Gleis 1, am Abgang zu den Gleisen, nun eine Informationstafel angebracht worden, um in angemessener Weise an die Geschichte des Notaufnahmelagers in Gießen und insbesondere an die Bedeutung Gießens für die Bürgerinnen und Bürger der DDR zu erinnern. Diese wurde heute (12.01.2016) von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz vor Ort vorgestellt.

Da der Bahnhof eine zentrale Rolle bei der Ankunft von DDR-Flüchtlingen und Übersiedlern spielte, konnte durch das Entgegenkommen des Gießener Bahnhofsmanagements (insbesondere durch Herrn Roland Meuschke) ein geeigneter Platz für die Tafel im Bahnhof gefunden werden. "Die Zusammenarbeit mit dem Gießener Bahnhofsmanagements war sehr erfreulich", so die OB.

Gießen ragt bei der Thematik der DDR-Flucht besonders hervor. Das Lager, das Notaufnahmelager und seine Thematik wurden in Gießen über lange Zeit jedoch nicht als Teil der Stadt wahrgenommen - es lag örtlich wie im Bewusstsein „außerhalb".

Das Lager, welches seit 1946 Vertriebene, Flüchtlinge, Um-, Über- und Aussiedler, Kriegsflüchtlinge und Asylsuchende vorübergehend aufnimmt, war über Jahre eine der zentralen Aufnahmestellen in der Bundesrepublik.
Im Laufe der Jahre wurden diverse Flüchtlings- oder Migrantengruppen durch das Lager geschleust, bevor sie zum Teil an andere Orte in der Stadt verlegt wurden. Später ließen die Flüchtlinge sich dann an anderen Orten nieder - einige blieben auch in Gießen. Die Gruppe der Flüchtlinge aus der DDR ragt heraus, weil sie dem Lager von 1949 bis 1990 seine Bestimmung gab.

Seit 1963 war das Gießener Lager das einzige in der Bundesrepublik für DDR-Flüchtlinge. Es war in der DDR allgemein bekannt, dass der erste Weg nach dem Grenzübertritt nach Gießen führen würde. Hier war eine erste Unterkunft nach der Flucht, die erste Aufnahme. Hier wurden amtliche Prozeduren durchgestanden, die auf ein Ende behördlicher Interventionen in ihr privates Leben abzielten, hier gewannen die Flüchtlinge ihre ersten eigenen Eindrücke von dem neuen Land - hier begann die Neusortierung ihres Orientierungswissens.