»Leuchtturm-Projekt« für andere Regionen

27.03.2019

Christian Piterek von der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
© Tilman Lochmüller/lochmüller.MEDIA 
Workshop des Regionalmanagement in Alsfeld zeigt Wege der Mitarbeiter-Gewinnung und -Bindung für Unternehmen und benennt Beispiele, Chancen und Herausforderungen

Um mehr über neue Wege der Fachkräftesicherung und -gewinnung zu erfahren, haben sich kürzlich rund 30 Vertreter von Unternehmen und Institutionen zu einem Workshop in Alsfeld getroffen. Im Konferenzsaal der VR Bank HessenLand eG standen drei Schwerpunkte auf der Tagesordnung, mit denen sich der Arbeitskreis Fachkräftesicherung im Regionalmanagement, Veranstalter des Workshops, unter der Leitung von Frank Schmidt vom Institut für Berufs- und Sozialpädagogik e. V. schon seit einiger Zeit beschäftigt: die Einbindung von Berufsrückkehrerinnen und -rückkehrern, die Möglichkeit der Teilzeitausbildung und die Nachqualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu den Referenten zählten Dr. Sabine Reichhold vom Netzwerk Wiedereinstieg, Dr. Ilka Benner von der Justus-Liebig-Universität Gießen, Manfred Weber von der Handwerkskammer Wiesbaden (HWK), Thomas Jerwin von der Vogelsbergschule und Matthias Steckenreuter von der Vogelsberg Consult GmbH.

Wenn junge Menschen ihre Ausbildung nicht fortsetzen oder überhaupt erst beginnen können, kann das familiäre Gründe haben – zum Beispiel eine Elternschaft oder auch die Pflege von Familienangehörigen. Dann seien die Voraussetzungen gegeben, eine Regel- in eine Teilzeitausbildung zu wandeln oder sich von vorneherein in Teilzeit ausbilden zu lassen, sagte Manfred Weber, stellvertretender Leiter der Geschäftsstelle Mittelhessen der HWK. Ein solches „berechtigte Interesse“ könne auch eine schwere Krankheit sein. Aber: Bei über 8600 Ausbildungsverhältnissen im Bereich der HWK wird in etwa 50 Fällen in Teilzeit ausgebildet, sagte Weber – „querbeet durch die Handwerke“. Es könnten seiner Meinung nach mehr sein: „Viele Jugendlichen und Betriebe kennen diese Möglichkeit nicht“, erläuterte Weber. Aber: Haben Handwerker oder Unternehmen einmal in Teilzeit ausgebildet, „tun sie es auch wieder“.

Ähnliches hat Dr. Ilka Benner vom Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) der Gießener Justus-Liebig-Universität bereits vor Jahren im Rahmen des Projekts MOSAIK Transfer „Kompetenzentwicklung für junge Mütter“ erforscht: Nach anfänglicher Skepsis hätte in den untersuchten Betrieben unter anderem die „persönliche Reife, Engagement und Loyalität“ der jungen Eltern in Teilzeitausbildung überzeugt. Indem sie zeigten, dass sie auch „neue Wege“ bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gingen, hätten sich die meist kleinen und mittleren Betriebe zudem mit ihrer Unternehmenskultur profilieren können. „Eine Herausforderung, die sich auch in den Forschungsergebnissen gezeigt habe, sei allerdings der Mangel passender Kinderbetreuung gewesen.

Auch bei Berufsrückkehrerinnen und -rückkehrern sei die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung eine „ganz praktische Voraussetzung“, machte Dr. Sabine Reichhold vom Netzwerk Wiedereinstieg deutlich. Menschen, die nach längerer, meist familienbedingter Auszeit in den Beruf zurückkehrten, böten ihren Arbeitgebern dafür mit ihrer Berufs- und Lebenserfahrung ein „wertvolles Kompetenzbündel“. Sie seien zudem „sehr hoch motiviert“, nicht ausschließlich Karriere-fixiert und „sehr loyal“. Eigenschaften, die diese Gruppe nicht nur „für klassische Frauenberufe“ wie in der Pflege prädestinierten. Das Netzwerk Wiedereinstieg, gefördert vom Hessischen Sozialministerium und der Europäischen Union, biete für Interessierte ein Beraternetzwerk mit Unterstützung für zahlreiche Berufe.

Zurzeit gebe es in Hessen annähernd 340.000 ungelernte Beschäftigte, sagte Arbeitskreis-Leiter Frank Schmidt. Ein großes Potenzial für Nachqualifizierungen also, die sich laut Matthias Steckenreuter von der Vogelsberg Consult GmbH, der Wirtschaftsförderung des Vogelsbergkreises, an Personen richteten, „die Arbeit haben, aber keinen Abschluss“. Der Vorteil für die Unternehmen liegt auf der Hand: „Diese Menschen wissen schon ganz viel, kennen Betrieb, Produkte und Unternehmenskultur“, sagte Steckenreuter. Es bestehe die Möglichkeit, fähige Mitarbeiter zu binden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hätten auf der anderen Seite die Chance, „die eigene Arbeitskraft zu fördern“. Thomas Jerwin von der Vogelsbergschule schilderte ein Beispiel aus der Praxis, in dem zuletzt zwei Metallbauer ihren Abschluss per Nachqualifizierung erreicht hatten – als erste auf diesem Weg in Hessen.

Das Land Hessen unterstützt Nachqualifizierungsmaßnahmen wie diese mit dem Qualifizierungsscheck, der bis zu 50 Prozent der Kosten von Schulungen und Prüfungen deckt. Im Fall der Metallbauer habe sich die Vogelsberg Consult „um die Bürokratie“ gekümmert; die Vogelsbergschule war für Umsetzung zuständig. Auch das beteiligte Unternehmen habe sich engagiert und die Mitarbeiter regelmäßig freigestellt. So wird dieses „Leuchtturm-Projekt für andere Regionen“, wie Steckenreuter es nannte, auch eine Fortsetzung erfahren: „In Kürze wird es einen weiteren Durchgang mit mehr Teilnehmern geben“, sagte Jerwin.

Redaktioneller Hinweis: Interessierte Unternehmen können sich direkt bei den jeweiligen Bildungscoaches der Landkreise kostenfrei melden. Weitere Informationen zu Teilzeitausbildung, Berufsrückkehr und Nachqualifizierung erhalten Sie beim Arbeitskreis “Neue Wege zur Fachkräftesicherung“ 

 

Quelle: Regionalmanagement Mittelhessen GmbH





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