Neue Wege bei TIG Start-Up

21.11.2018
Zahlreiche Beratungsorganisationen und junge Unternehmen standen Gründungsinteressierten für Fragen zur Verfügung
© Christian Lademann, lademann-presse.de 

 

5. Gießener Existenzgründertag - Erstmals in den Hessenhallen

In der nunmehr fünften Auflage hat der vom Technologie- und Innovationszentrum Gießen (kurz: TIG) organisierte Gießener Existenzgründertag „TIG Start-up“ am Samstag neue Wege beschritten. Erstmals fand der Tag für Gründer und Gründungswillige in den Hessenhallen statt. Rund 45 Aussteller – Gründer sowie Beratungs- und Förderungsinstitutionen, Banken und Versicherungen – stellten sich in der Halle 4 den Fragen des Publikums, während im Seminarraum spannende Fachvorträge und Best-Practice-Beispiele heimischer Unternehmen angeboten wurde.

„Wir haben uns weiterentwickelt“, sagte TIG-Geschäftsführerin Antje Bienert bei der Eröffnung. „Von elf Ausstellern im ersten Jahr im Foyer des TIG haben wir uns nun auf 800 Quadratmeter ausgedehnt“. Das liegt aber nicht nur an der ungebrochenen Resonanz – „die Teilnehmerzahlen sind jedes Jahr gestiegen“, so Landrätin Anita Schneider, sondern auch an der Generalüberholung der Veranstaltung: Der TIG-Gründertag und der an die Ausbildungsmesse Chance angedockte und ebenfalls vom TIG organisierte Gründertag wurden zusammengezogen. „Eine gute Entscheidung“, lobte Landrätin Schneider. Es habe sich gezeigt, dass dieses Thema bei der Chance, bei der es doch mehr um Aus- und Weiterbildung geht, nicht so eine hohe Relevanz habe und im reinen Gründungskontext doch besser aufgehoben sei. Zwar sei die Zahl der heimischen Gründungen derzeit wegen der guten Arbeitsmarktlage für Fachkräfte verhalten, dennoch sei das Interesse am Gründungstag ungebrochen. Gießens Bürgermeister Peter Neidel wies auf die Breite der verschiedenen Beratungsangebote hin und ermutigte, diese auch in Anspruch zu nehmen.

Durch die Erweiterung des Ausstellerspektrums und dem verstärkten Messecharakter der in Kooperation mit der Messe Gießen GmbH konzipierten Veranstaltung lag der Fokus für viele der rund 300 Besucher dann auch auf dem Netzwerken mit den rund 80 Akteuren – ganz in Ruhe konnte man sich über die verschiedenen Beratungsangebote informieren sowie mit Gründern ins Gespräch kommen. So fiel auch die Vorstellungsrunde der verschiedenen Institutionen am Vormittag weg – jeder Besucher konnte nun besser persönlich das Gespräch suchen und das für sich passende Beratungsangebot herauspicken. Ansonsten blieb der Programmteil des Existenzgründertages seiner bisherigen Struktur treu: Neben verschiedenen Fach- und Impulsvorträgen erwiesen sich erneut die Best-Practice-Beispiele junger heimischer Unternehmen als Publikumsmagnet. Die Gießener Zeitung präsentierte außerdem eine Sonderausstellung mit sechs heimischen Gründungen aus dem Food-Sektor.

In den Best-Practice-Beispielen berichten junge Gründer alljährlich von ihren Erfahrungen – im Positiven wie im Negativen – und geben so wertvolle Tipps an Gründungswillige weiter. Doch auch in diesem Bereich wurde die Veranstaltung gestrafft: Die Kurzvorträge unterlagen der Moderation von Nils Seipel und Johannes Schmid von der ebenfalls noch jungen Kreativagentur flux – impulse. Während ein Teil der Impulsvorträge im Seminarraum stattfand, interviewten die beiden Moderatoren weitere Gründer direkt an ihren Ständen.

Mit Fabian Hackenberg von „#meingiessen“ und Nicole Reh von „Spiegelliebe“ präsentierten sich zwei junge Gründer aus dem kreativen Bereich. Während Nicole Reh mutmachende Worte und Sätze als Aufkleber vertreibt, ist „#meingiessen“ nicht nur Instagram-Plattform, sondern auch Shop: Hackenberg vertreibt T-Shirts, Beutel und Gießen-Fotos auf Leinwand. Hauptaugenmerk liegt aber auf dem alljährlichen Gießen-Kalender. Entstanden ist das Projekt als reines Hobby und Herzenssache: „Ich wollte Gießen von seiner schönen Seite zeigen“. Mittlerweile ist daraus eine eigene Produktlinie geworden: Die vierte Auflage des Kalenders für 2019 ist soeben erschienen. Doch die investierte Zeit müsse sich auch rechnen, erläuterte Hackenberg in seinem Vortrag, den er mit dem Untertitel „Leidenschaft vs. Wirtschaftlichkeit“ überschrieben hatte. Hackenberg betreibt „#meingiessen“ aktuell noch als Nebenprojekt. Er ist zusammen mit einem Partner mit den „HelloWorld Studios“, einer Kreativagentur für digitales Marketing, selbstständig. „Herzenssache“ ist auch die Spiegelliebe von Nicole Reh – im Hauptberuf als Modedesignerin aktiv, nutze sie die Messe vor allem zum Kontakte knüpfen: Derzeit ist sie auf der Suche nach einem Partner, der sie bei betriebswirtschaftlichen Aufgaben und der Weiterentwicklung ihrer Produktlinie unterstützt.

Eine rasante Entwicklung beschrieb Marvin Hahn von der Dienstleistungen Hahn GmbH, die sich in die Bereiche Event sowie Garten- und Landschaftsbau gliedert. Mit der Event-Sparte deckt Hahn die gesamte Bandbreite der Eventlogistik ab – von Zeltbau über Verleih von Equipment bis hin zur Bereitstellung von Thekenpersonal. Hahn hatte noch während des Abiturs begonnen, in der Veranstaltungslogistik zu arbeiten: „Ich brauchte Geld und habe in meiner Freizeit Bierkästen geschleppt“. Mittlerweile beschäftigt er zehn feste Mitarbeiter und rund 50 studentische Aushilfen. Zum 1. Januar übernimmt er die Licher Eventlogistik und zwölf weitere Mitarbeiter. Damit tritt er in die Fußstapfen des verstorbenen „Wiesnfest“-Erfinders Richard Stoiß, bei dem er einst als Aushilfe angefangen hatte. Hahn beschrieb, er habe immer eine klare Vorstellung gehabt – und diese stringent verfolgt. Von den ersten angesparten 5000 Euro habe er 4999 Euro für einen Anhänger ausgegeben und habe so immer weiter wachsen können. Einfach mal machen und selbst mit anpacken – das ist seine Devise. Er empfahl allerdings, nicht zu viel auf einmal zu wollen und lieber langsam und stetig zu wachsen – seine Firma hat er einst als Nebengewerbe zu seinem Studium gegründet.
Auf Tipps für Gründer setzte auch Falko Schnelle vom Studio gross klein. Die Firma entwickelt Produktdesign-Lösungen für Industrie- und Konsumgüter. Schnelle empfahl Gründern, sich zunächst die Schritte in die Selbstständigkeit klar zu machen und sich auch über die Zusatzaufgaben klar zu sein, die eine Selbstständigkeit mit sich bringe: „Als Angestellter haben sie eine klare Aufgabe im Unternehmen, als Selbstständiger kommen noch viele weitere Bereiche auf Sie zu“.

Daneben präsentierte sich Johannes Constantin Blei von JCB Historische Baustoffe in Ettingshausen. Blei betreibt von dort aus einen Online-Fachhandel für historische Tür- und Fensterbeschläge. Neben einer umfassenden Sammlung an Original-Material ist seine Firma auch in der Lage, die Beschläge originalgetreu zu reproduzieren. Blei riet Gründern, nie nur zu reagieren und das zu machen, was alle anderen auch machten: „Sie müssen immer einen Schritt voraus sein und was anderes bieten“.

Die Best-Practice-Beispiele schlossen mit Professor Martin Przewloka, der mit der 1A-Care GmbH ein innovatives Start-Up auf den Markt gebracht hat: Nach einem Jahr beschäftigt das Unternehmen bereits zwölf Mitarbeiter. 1ACare bietet eine ganzheitliche digitale Lösung für den deutschen Pflegemarkt. Dabei teilt sich das Portal in den redaktionellen Wegweiser, der einen Überblick vermittelt über alle Themen, die für Senioren eine Rolle spielen – von der Mobilität über das Wohnen im Alter bis hin zur Pflege. Über den Marktplatz können Betroffene und/oder Angehörige per Rezept direkt Pflegemittel wie Gehhilfen bestellen und mit der Krankenkasse abrechnen. 1A Care übernimmt hierbei Aufgaben, die für Laien ansonsten schwer zu durchschauen sind. Auch Pflegedienste können über den Sektor Dienstleistungen gebucht werden; ab 2019 kommen noch haushaltsnahe Dienstleistungen hinzu. Gegründet hat Przewloka, der auch Gesellschafter von 1ACare ist, das Unternehmen mit zwei weiteren Gesellschaftern, Michael Guder und Holger Lerch.

Von Physiker, Wirtschaftswissenschaftler und Mediziner Przewloka gab es zusätzlich zur Unternehmensvorstellung einen Impulsvortrag mit dem Titel „Digitales Gründen in der Praxis“, in dem er anschaulich den digitalen Wandel und die damit verbundene Transformation der analogen Welt in die digitale durchleuchtete. Während Idee und Produkt an sich immer weiter in den Hintergrund rückten, werde die Platzierung und Implementierung in den Markt zusehends wichtiger, so der Manager und Wissenschaftler.
Weitere Vorträge vermittelten den Besuchern wichtige Infos. Der Gießener Rechtsanwalt und Notar Achim Zerbe referierte zur „Wahl der richtigen Rechtsform“ und stellte die Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten anschaulich vor. Vitalis Kifel von der IHK Gießen-Friedberg sowie Sascha Prochazka von der Kreishandwerkerschaft Gießen sprachen über „Die ersten Schritte in die Selbstständigkeit“. Ebenfalls erstmals an den Existenzgründertag angedockt hatte sich der Gießener Gründerstammtisch „Gründer für Gründer“, der Gründungsinteressierten die Chance gab, ihre Idee testweise zu pitchen.

Der 5. Existenzgründertag TIG StartUp fand im Rahmen der Gründerwoche Deutschland statt und wird als Teil der StartUp-Initiative Hessen aus Landesmitteln kofinanziert.






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