Medizinische Untersuchung MIT Spurensicherung

Eine Dokumentation Ihrer Verletzung macht Ihre Angaben zu dem Geschehen überprüfbar. Dies kann für ein strafrechtliches (Anzeige), aber auch zivilrechtliches Vorgehen (Schadenersatz, Schmerzensgeld) von Bedeutung sein. Vielleicht erscheint Ihnen dies alles im Moment nicht so wichtig, dies kann sich im weiteren Verlauf aber ändern. Eine gute Befundung lässt sich nicht nachholen.

Wenn Sie sich für eine Untersuchung mit einer medizinischen vertraulichen Befundsicherung entscheiden, können Spuren und Verletzungen, die durch die Gewalttat an Ihrem Körper verursacht wurden, sichergestellt werden. Wenn Sie sich später doch für eine Anzeige entscheiden, können diese Befunde die Anzeige unterstützen. Die medizinische Untersuchung und Befundung ist auch ohne sichtbare äußere Verletzungen sinnvoll! 
Das Wechseln der Kleidung, deren Reinigung und Duschen zerstört Spuren. Wenn es für Sie möglich ist, duschen Sie nicht vor der Utersuchung.

Benutzte Hygieneartikel (Tampons, Slipeinlagen ...), Unterwäsche können Sie mit in die Klinik nehmen, sie kann mit den anderen Befunden gemeinsam aufbewahrt werden. Durch die Tat beschädigte und beschmutze Kleidung, ggf. Bettwäsche sollten Sie aufbewahren (verpacken Sie diese nicht luftdicht - kein Plastik - verwenden Sie Papiertüten und bewahren Sie die Kleidung an einem sicheren Ort auf).

Keine Patientin und kein Patient mit einem solchen Untersuchungswunsch darf weggeschickt werden! Das ärztliche Handeln ist vor allem der medizinischen Versorgung verpflichtet und nicht an die Erstattung einer Strafanzeige bei der Polizei gebunden. Berichten Sie, was geschehen ist. Nur so kann sich die Ärztin/der Arzt einen Überblick über mögliche Verletzungen und körperliche Folgen verschaffen und Sie umfassend untersuchen und behandeln.
Sie können darum bitten, dass Sie von einer Frau untersucht werden, wenn möglich, wird Ihnen die Klinik diese Bitte erfüllen.

Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt wird von Ihnen mit der Untersuchung beauftragt. Solange Sie dies nicht anders entscheiden, unterlieg die Ärztin/der Arzt der ärztlichen Schweigepflicht.
Somit darf nichts über Ihren Kopf hinweg - oder gegen Ihren Willen - veranlasst werden, auch die Polizei darf nicht ohne Ihre Zustimmung informiert werden! Es besteht keine Anzeigepflicht für die Ärztin/den Arzt.
Niemand darf Sie wegschicken und niemand darf Sie drängen, Beweismittel sicherstellen zu lassen oder eine Anzeige zu erstatten. Lassen Sie sich bei Fragen beraten und entscheiden Sie dann gemeinsam mit der Ärztin/dem Arzt, was Sie zun wollen.

Ablauf der Untersuchung

  • Informationsgespräch
  • körperliche Untersuchung
  • Genitaluntersuchung
  • Spurensicherung am Körper und evtl. fotografische Aufnahme
  • Abklärung von Maßnahmen zu Ihrem gesundheitlichen Schutz (Impfung bei offenen Wunden, desinfizierende Zäpfchen etc.)
  • Sie erhalten bei Bedarf einen Arztbrief für eine notwendige Weiterbehandlung.

Für die Entnahme von Blut und Urin zur Untersuchung auf HIV,Hepatitis (B;C) oder für einen Schwangerschaftstest wird Ihr gesondertes Einverständnis benötigt. Der Abstrich zur Untersuchung auf sexuell übertragbare Erkrankungen sollte zeitnah analysiert werden. Diese Untersuchungen dienen dem Erhalt Ihrer Gesundheit. Bestätigt sich der verdacht auf eine Infektion oder wird weiterer Behandlungsbedarf erkennbar, erhalten Sie einen Arztrief zur notwendigen Weiterbehandlung.

Bei einer durch Sie als Patientin/Patient beauftragten Befundsicherung wird es - aus Kostengründen, aber auch wegen mangelnder ordnungsgemäßer Aufbewahrungsmöglichkeiten - zu einer reduzierten Erfassung und Sicherung von Spuren kommen: Speichel, Haare, DNA-fähiges Material können getrocknet und aufbewahrt werden; Blut und Urin müssen zeitnah und aufwändig im Labor untersucht werden oder in einer aufbereiteten Form tiefgekühlt werden. Das ist nicht überall möglich.
Die für ein evtl. Strafverfolgung wichtigen Spurenträger und Asservate werden ein Jahr aufbewahrt.

Die Ärztin/der Arzt wird - wie auch bei sonstigen Untersuchungen - eine Patient_innen-Akte anlegen, in der alle Ergebnisse und Befunde festgehaltet werden. Diese kann, wenn Sie sich später für eine Anzeige entscheiden, von Nutzen sein. Sie teilen dann der Polizei mit, dass eine Untersuchung durchgeführt wurde und entbinden die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt von der Schweigepflicht. Eine Kopie der Unterlagen aus der Patient_innenakte und die Befunde werden in diesem Fall an die Ermittlungsbehörde ausgehändigt.
In einem späteren Verfahren vor Gericht kann die Ärztin/der Arzt als sachverständige/r Zeugin/Zeuge geladen werden.

Wenn Sie keine Anzeige erstatten möchten, werden die Unterlagen über die Befundung in der Patient_innnakte nach Ablauf der üblichen Fristen vernichtet.

Kosten

Die Untersuchungskosten können i.d.R. über die Krankenkasse abgerechnet werden. Sollten weitere Kosten entstehen, werden Sie vor Beginn der Untersuchung/Behandung darüber informiert, so dass Sie zustimmen oder ablehnen können.