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06.05.2019

Stein- und Schottergärten - ein neuer Trend?

Umweltamt sieht Probleme

Viele Vorgärten werden nicht mehr mit Pflanzen und offenem Boden, sondern mit Kies oder Schotter gestaltet oder sogar ohne jedwede Nutzung ganz gepflastert. Dies wird oftmals mit einem geringeren Pflegeaufwand begründet, der insbesondere den älter werdenden Eigentümer*innen und Mieter*innen entgegenkommt. Andererseits scheint es auch einen entsprechenden Modetrend zu geben, wie ein Blick in Baumarkt- oder Fertighauskataloge zeigen. Hier werden „moderne“ Außenanlagen zu moderner Architektur oder zu „Gartenzimmern“.

Aus Natur- und Umweltschutzsicht ist dieser Trend höchst problematisch: Wildlebende Tiere finden weder Unterschlupf noch Nahrung, ehemals offener Boden wird befestigt oder sogar versiegelt, Wasser kann kaum oder nicht mehr versickern. Das Lokalklima wird zusätzlich durch die Aufheizung der Steine und durch die fehlende Verdunstung von Boden und Pflanzen belastet.

Die derzeitige Rechtslage zur Verhinderung der Steingärten ist schwierig, denn ein Verbot von Kies- oder Schotterverwendung im Garten gibt es nach dem Bauordnungsrecht (Hessische Bauordnung) grundsätzlich nicht. Die Stadt hat aber gewisse Möglichkeiten einzugreifen. Dazu gehören:

  • Bauanträgen von Neubauten und größeren Umbauten müssen Freiflächenpläne beigelegt werden. Diese werden vom Umweltamt und vom Stadtplanungsamt geprüft. Zu hohe Versiegelungsraten bzw. Kies-, Schotter- oder Mulchflächen werden, wenn rechtlich möglich, abgelehnt. Bei starkem Nachbesserungsbedarf und bei größeren Bauvorhaben finden Beratungen durch das Umweltamt statt.
  • Bei wichtigen Investorenbauvorhaben, die durch einen städtebaulichen Vertrag abgesichert werden, verhandelt die Stadt i.d.R. den Einsatz eines qualifizierten Freiflächenplaners für Planung und Umsetzung, wobei auf eine vegetationsbasierte Gestaltung Wert gelegt wird.
  • Das Umweltamt kontrolliert die gut überprüfbaren und eindeutigen Anpflanzvorschriften für Bäume und Hecken aus Bebauungsplänen und Stellplatzsatzung und pocht auf die Umsetzung. Bäume und Hecken sind hinsichtlich Lebensraumfunktion und kleinklimatischer Verdunstungsleistung extrem wertvoll. Mit dieser Kontroll- und Beratungsarbeit ist das Amt gut ausgelastet.
  • Das Umweltamt stellt Broschüren, zum Beispiel zu bienenfreundlichen Gärten, zur Verfügung.
  • Eine nachträgliche Umgestaltung der Gärten ist allerdings kaum zu überwachen, denn Genehmigungsanträge sind i.d.R. dafür nicht nötig oder werden auch nicht gestellt.

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