Partnerschaft stärkt Volkshochschulen von Stadt und Kreis

04.12.2018
Kooperation der Volkshochschulen Stadt Gießen und Landkreis - Gruppenbild
© Landkreis Gießen 

Bilanz nach sechs Jahren Kooperation: Bildungseinrichtungen profitieren von Zusammenarbeit und vielen Synergie-Effekten

Synergie statt Konkurrenz, miteinander statt nebenher: Seit sechs Jahren arbeiten die Volkshochschulen (VHS) des Landkreises und der Stadt Gießen zusammen. Beide Partner ziehen jetzt eine  positive Zwischenbilanz der Kooperation: Inhalte und Ausrichtungen sind abgestimmt und eröffnen vielfältige Möglichkeiten für das Bildungsangebot der Zukunft in der Region.

„Unsere Zusammenarbeit ist sinnvoll und hat sich bewährt“, sagt Landrätin Anita Schneider. „Bildung ist Teil der Daseinsvorsorge. Mit der Kooperation tragen wir entscheidend dazu bei.“

Gemeinsam mit Stadträtin Astrid Eibelshäuser für die Stadt Gießen hat Landrätin Schneider die Ergebnisse der Zusammenarbeit vorgestellt, die im September 2012 begann. Landkreis und Stadt haben die Details in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung geregelt, deren Umsetzung ausgewertet wurde. „Wir können heute feststellen, dass der Weg, eine strukturierte und systematische Kooperation zwischen den beiden Volkshochschulen über eine Kooperationsvereinbarung zu regeln, transparent und erfolgreich ist“, sagt Astrid Eibelshäuser.

„Grundsätzlich unterscheiden sich Erwachsenenbildung in Stadt und Land. Die große Herausforderung besteht darin, ein breites, flächendeckendes und bedarfsorientiertes Bildungsangebot in den Regionen des Landkreises bereitzustellen“, erklärt Torsten Denker, Leiter der Volkshochschule des Landkreises Gießen. Die VHS des Landkreises mit 16 Außenstellen ist in vielen Orten die einzige Einrichtung, die wohnortnahe  Bildungsangebote macht. Die VHS der Stadt Gießen dagegen hat ihren Schwerpunkt in einem Ballungsraum mit sehr unterschiedlich geprägten Quartieren und Bewohner*innen, macht quartiersbezogene Angebote und richtet Angebote in hohem Maß an zugewanderte Menschen.

„Gerade in der Stadt Gießen zeigen sich wie unter einem Brennglas die aktuellen sozioökonomischen Veränderungen. Für die VHS der Stadt Gießen bedeutet dies, kontinuierlich und zügig auf den Wandel in der Erwerbsarbeit, der Demografie und der sich rasch wandelnden Migration und Lebensformen einzugehen. Ihr Augenmerk gilt im Schulterschluss mit der Stadt und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen besonders den Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt und damit zur gesellschaftlichen Teilhabe“, erklärt Waltraut Burger, Leiterin der Gießener VHS.

Gerade wegen ihrer unterschiedlichen Merkmale stärken sich die Volkshochschulen gegenseitig, nutzen Synergien und stimmen ihre Programme und Schwerpunkte intensiv ab. Beide Partner verweisen dabei auf die Angebote des jeweils anderen und arbeiten in vielen Bereichen eng zusammen. Etwa im Programmbereich Sprachen: Bildungsurlaube und Alphabetisierungskurse für Muttersprachler*innen bietet ausschließlich die VHS der Stadt Gießen an. Wechselnd benennen jedoch beide Volkshochschulen Prüfer*innen für die Prüfungen, die die Teilnehmer von Sprachkursen nach den Bedingungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zum Abschluss ablegen.

Zweimal jährlich treffen sich die VHS-Leitungen zu Planungskonferenzen, um ihre Angebote abzustimmen. Dabei geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um die zeitliche Taktung der Formate. Die Vereinbarungen entsprechen dabei dem Qualitätsmanagement. Zum 1. August dieses Jahres haben beide auch ihre Regelhonorare einander angepasst.

Dass sich beide Volkshochschulen mit weiteren Bildungseinrichtungen, Hochschulen und Schulen vernetzen und so zur Qualitätsentwicklung, zu Innovation und einem Wissenstransfer aus der Region und für die Region beitragen, ist wesentlicher Bestandteil der Kooperationsvereinbarung. Über den HESSENCAMPUS Mittelhessen findet eine intensive Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität, der THM, dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft und weiteren Partnern statt.

Wie die beiden Volkshochschulen Herausforderungen der Zukunft meistern, neue Bildungsangebote und –Formate entwickeln, ist Teil ihrer strategischen Ausrichtung. Die VHS des Landkreises hat den Rahmen ihres Qualitätsmanagements festgelegt. Die VHS der Stadt Gießen hat ein Leitbild entwickelt und mit Vertretern weiterer gesellschaftlicher Institutionen abgestimmt, um ihre künftige Arbeit in der Stadt und für die Stadt mit ihren Besonderheiten zu definieren.

Die Aktivitäten der Kreis-Volkshochschule in Bezug auf Sicherung und Erweiterung wohnortnaher Bildungsangebote sind seit diesem Jahr selbst Forschungsgegenstand: Die Justus-Liebig-Universität begleitet das Projekt „Bildungs- und Kulturzentrum Allendorf/Lumda“, in dem unter anderem neue Formen der lokalen Bedarfserschließung erprobt und wissenschaftlich ausgewertet wurden. Hier werden neue Lernformate und Bildungsorte erprobt. Ein Team der Philipps-Universität Marburg untersuchte außerdem die VHS des Landkreises Gießen als Teil des Projekts „VHS in der Fläche: Grundlagen und Methoden regionaler Bildungsarbeit zur Förderung der Weiterbildungsbeteiligung im ländlichen Raum“.  

Lebenslanges Lernen verfolgen beide Volkshochschulen nicht alleine für die Kursteilnehmer*innen: Vielmehr soll die Sicherung der fachlichen, methodisch-didaktischen und interkulturellen Kompetenzen durch Fortbildungen, Evaluierungen und Selbstreflexion der Mitarbeiter*innen und Kursleiter*innen in den nächsten Jahren in Kooperation beider Volkshochschulen weiterentwickelt werden.

 

Bildunterschrift (Landkreis Gießen): (v.l.) Stadträtin Astrid Eibelshäuser, Waltraut Burger, Leiterin der VHS der Stadt Gießen, Torsten Denker, Leiter der VHS des Landkreises Gießen, und Landrätin Anita Schneider

 

VHS Stadt Gießen

VHS Kreis Gießen







 

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