Stadttheater zieht Bilanz aus der Spielzeit 2017/18

02.07.2018
Stadttheater

Eine so unterhaltsame wie bewegende, eine so abwechslungs- wie erfolgreiche Spielzeit 2017/18 geht am Stadttheater Gießen zu Ende. Unter dem programmatischen Motto THEATER TRIFFT STADT hat sich das Theater weiterhin als klar positionierter Impulsgeber definiert, Raum geschaffen zum Diskurs und neue Spielorte erschlossen.

Mit der typischen Gießener Spielplan-Mischung aus bekanntem Beliebten und noch unbekannten oder neu zu entdeckenden Raritäten ist es dem Stadttheater Gießen unter Intendantin Cathérine Miville erneut gelungen, das Publikum mit einem vielseitigen Programm zu begeistern und auch zu fordern: Gut 118.000 ZuschauerInnen erlebten die Veranstaltungen in Gießen und bei Auswärtsgastspielen in dieser Saison. Aus dem außergewöhnlichen Programm der gut 40 Premieren und Wiederaufnahmen, der 24 Konzerte und rund 73 Sonderveranstaltungen erzielten auch wieder einige Produktionen überregionale Aufmerksamkeit.

Zeitgemäß prägnante Theaterarbeit zeichnete die Schauspielsparte aus: In der Inszenierung von Thomas Krupa wurde Ernst Tollers Lehrstück HOPPLA, WIR LEBEN! als fulminantes Gesellschaftspanorama über Demokratie und Populismus in der Weimarer Republik erfolgreich in die Gegenwart transportiert. In konzeptionellem Zusammenhang dazu standen Stücke, die ebenso politisch aktuelle Stoffe verhandelten wie Jean-Paul Sartres DIE SCHMUTZIGEN HÄNDE oder das Erinnerungskunstwerk IMMER NOCH STURM von Peter Handke.

Eine „leichtere“ Positionen im Schauspiel-Spielplan des Stadttheaters thematisierte Aktuelles vor Gießener Hintergrund: WILLKOMMEN von Hübner und Nemitz überzeugte Publikum und Presse so sehr, dass die pointierte und lebensnahe Auseinandersetzung mit Fragen rund um persönliche Toleranzgrenzen im Zusammenhang mit der Aufnahme von Flüchtlingen auch in der nächsten Spielzeit gezeigt wird.

Das Spielzeitmotto THEATER TRIFFT STADT drückte sich auch in der Erschließung neuer Spielorte aus: Die Bibelfigur JUDAS haderte im gleichnamigen Stück von Lot Vekemans in der Gießener Pankratiuskapelle mit ihrem Schicksal als ewiger Verräter; während der dreiteilige Theaterabend TRIPTYCHON DES ANKOMMENS die ZuschauerInnen in das Atrium des Gießener Rathauses und einen Saal der THM entführte. Und Heiner Kondschaks musikalische Biografie RIO REISER – KÖNIG VON DEUTSCHLAND, in der das Schauspielensemble nicht nur seine Wandlungsfähigkeit, sondern als Live-MusikerInnen und SängerInnen ebenso höchste Musikalität unter Beweis stellt, behauptete sich auch in seiner dritten Spielzeit als Publikumsrenner im Großen Haus und freut sich auf weitere Aufführungen in 2018/19.

Und auch das Musiktheater spannte wieder einen breiten Bogen – von Emmrich Kálmán zu Heiner Goebbels. Balázs Kovaliks Inszenierung von Kálmáns Operettenrarität EIN HERBSTMANÖVER wurde auch von den ungarischen Fachmedien überaus positiv besprochen und die euphorische Reaktion des Bayerischen Rundfunks führte zur Auszeichnung mit dem „Frosch des Monats“ als „herausragende“ Operetteninszenierung.

Ein außergewöhnliches Theaterereignis war auch das szenische Konzert MIT EINEM NAMEN AUS EINEM ALTEN BUCH, das der weltweit renommierte Komponist und Theatermacher Heiner Goebbels eigens für diese Aufführung konzipiert hatte und mit Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Gießen, GastmusikerInnen und David Bennent als Sprecher als erste Inszenierung an einem Stadttheater auf die Bühne brachte. Mit der selten gespielten Volksoper SCHWANDA, DER DUDELSACKPFEIFER von Jaromír Weinberge fand die Aufführung einer weitere Opern-Rarität großen Anklang bei einem breiten Publikum.

Zu großen Erfolgen im Musiktheater entwickelten sich auch Mozarts DON GIOVANNI, womit der Da-Ponte-Zyklus unter GMD Michael Hofstetter fortgeführt wurde, sowie Richard Strauss‘ ARIADNE AUF NAXOS in einer Inszenierung von Regie-Altmeister Hans Hollmann. Fans der leichteren Muse kamen bei den SCHMACHTIGALLEN auf ihre Kosten: Das beliebte Gießener A-capella-Quartett zog eine heitere Zwischenbilanz ihrer zwanzigjährigen Bühnenkarriere, bevor es in der kommenden Spielzeit eine neue Produktion präsentieren wird.

Die Tanzcompagnie Gießen festigte in dieser Spielzeit seine Beziehungen zur internationalen Tanzszene. Spektakulär war die Uraufführung CROSS!, bei der sich die Gießener TänzerInnen die Bühne mit Akrobaten der chinesischen YATE Group aus Shenzhen teilten. Für die Musik konnte erneut das renommierte Münchner Komponistenkollektiv 48nord gewonnen werden. Für den Tanzabend LYRICAL arbeitete Tanzdirektor Tarek Assam mit den Choreographen Dominique Dumais und Moritz Ostruschnjak zusammen, dazu gab es Livemusik von Hugo Wolf. Für Aufsehen sorgten auch die Aufführungen von WAVES in der taT-studiobühne. Zudem bot das 16. Festival TanzArt ostwest erneut ein Schaufenster nationaler und internationaler Tanz-Handschriften und lieferte mit Site-specific-Performances im urbanen Raum, beispielsweise am Universitätsklinikum und in der Alten Kupferschmiede, seinen Beitrag zum Spielzeit-Motto.

Das Kinder- und Jugendtheater war nicht minder attraktiv unterwegs: Gleich zwei Uraufführungen lockten ins Große Haus und die Studiobühne. Das Familienstück zur Weihnachtszeit betrat Neuland mit der Uraufführung von GURKES GLÜCK: Mehr als 15.000 kleine und große ZuschauerInnen folgten der fantasievollen Geschichte. Und das Musiktheater zeigte in der Uraufführung von BABbEL schon den Kleinsten, wie interaktiv musikalische „Bausteine“ entwickelt und ausgestaltet werden können.

Unter GMD Hofstetter erfuhr auch in diesem Jahr die musikalische Qualität am Stadttheater insgesamt wieder außergewöhnliche Anerkennung. Ein programmatisch abwechslungsreiches Konzertprogramm, das die Klassik nicht scheute aber auch die Neue Musik nicht außer Acht ließ, sowie renommierte internationale Solisten und Dirigenten genossen treue Abonnenten ebenso wie jüngere Konzertliebhaber. Für die Freunde der Chor-Konzerte bot die Aufführung der CARMINA BURANA in der Rittal Arena Wetzlar einen Höhepunkt – mit dieser Großveranstaltung setzte der stellvertretende GMD Jan Hoffmann als musikalischer Leiter seine drei Städte-Chor-Kooperation eindrucksvoll fort. Auch kleine Musikfreunde kamen wieder auf ihre Kosten: Durch von Martin Gärtner und Tomi Wendt moderierte Familienkonzerte wurde ihnen der Einstieg in die Welt der klassischen Musik leicht gemacht.

Ebenso baute das Stadttheater in dieser Spielzeit die Zusammenarbeit mit Kulturschaffenden der Freien Theaterszene weiter aus. Erneut wurde Gießener Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft die Möglichkeit gegeben, ihre Master-Abschlussarbeiten auf der taT-studiobühne zu realisieren. Die Intensivierung von vielfältigen Kooperationen wird fortgeführt und bleibt fest als zusätzlich mögliche Spielform in der Struktur des Hauses verankert.

Weiterhin zogen zahlreiche Sonderveranstaltungen und Gastspiele etliche Zuschauer ins Stadttheater, etwa in der Fortsetzung der erfolgreichen Poetry-Slam-Reihe. Darüber hinaus bot sich der Gießener Bürgerschaft zweimal eine weitere Möglichkeit, die Gesellschaft mitzugestalten. Bei der Diskussion WIE WOLLEN WIR LEBEN – Ein Ratschlag über die Zukunft unserer Stadt im Rahmen der bundesweiten Diskussionsreihe DIE OFFENE GESELLSCHAFT, wurde die Bühne zur Wahlarena: BürgerInnen und Bürger konnten in Kontakt mit ihren DirektkandidatInnen treten oder über die Identität ihrer mittelhessischen Heimat debattieren. Die rege Beteiligung auf diese Treffen und die fundierten Rückmeldungen danach haben den Initiatoren um Intendantin Cathérine Miville gezeigt, dass der Gesprächsbedarf in Stadt und Region groß ist. So wird die Reihe in der nächsten Spielzeit fortgesetzt. 







 

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