Teil 1 - Planungsstudie zur angemessenen Bebaubarkeit Reichensand

Aktuelle Planungen im Sanierungsgebiet Schanzenstraße/ Mühlstraße

In dieser ersten Betrachtung des Gesamtgrundstückes an der Bahnhofstraße und dem Reichensand wurde unter wirtschaftlichen Aspekten eine verträgliche städtebauliche Raumbildung untersucht.
In aufeinanderfolgenden Schritten wurden zunächst planerische Grundlagen gesichtet und gewertet. Hierbei wurden u.a. historische Pläne (Lagepläne, Detailpläne von Gebäuden) aus den letzten beiden Jahrhunderten ausgewertet und zur Beurteilung relevanter Bezüge, schematisch in Form von sog. „Schwarzplänen“ dargestellt.

 

Historischer Lageplan 1888
Historischer Lageplan 1888


Historischer Lageplan vor 1947


Historischer Umlegungsplan 1950
Historischer Umlegungsplan 1950


Historischer Lageplan 1967


Historischer Lageplan 1974
Historischer Lageplan 1974


Historischer Lageplan 1991


Lageplan 2012

Städtebauliche Analyse (Zusammenfassung)

Dort wo heute der Straßenzug „Reichensand“ in die Bahnhofstrasse mündet, befand sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts die „Wolkengasse“. Während die Bahnhofstraße über repräsentative Gebäude verfügte, bestand die Wolkengasse überwiegend aus einfachen ein- bis zweigeschossigen Gebäuden.

Mit dem Neubau des „City-Centers“ im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts entstand der „Reichensand“ infolge von Bestrebungen, den Stadtblock zwischen Bahnhofstrasse und Seltersweg neu zu strukturieren. Die heutige Katharinengasse datiert ebenfalls aus dieser Zeit. Der Strassenzug „Reichensand“ ist somit nicht „historisch“ zu nennen.

Das City-Center verändert das bauliche Gepräge der Stadt an dieser Stelle, sowohl in Bezug auf die Höhenentwicklung als auch in Bezug auf die Uniformität der baulichen Anlage als „ein Stück Stadt“. Das Eckgebäude ehem. „Samen Hahn“ war hingegen noch Bestandteil des historischen Strassenzugs der Bahnhofstraße. Es handelt sich hierbei auch nicht um ein Gebäude, sondern um ein Doppelhaus mit gerennten Eingängen. Die Geschosse, wie auch die Ausbildung der Dächer wiesen jedoch die gleiche Höhe auf.

Die aktuelle Bebauungsstruktur entlang der Bahnhofstraße weist in diesem Teilgebiet überwiegend eine offene Bauweise mit charakteristisch schmalen Bauwichen aus.

 

 

Städtebauliche Planung (Ergebnisse)

Rahmenplan Reichensand
Rahmenplan Reichensand

Das Eckgebäude ehem. „Samen Hahn“ soll gemäß seiner städtebaulichen Bedeutung wieder als Solitär in Erscheinung treten. Dabei ist die Frage seiner Fassadengestaltung nicht vordergründig. Die für die Maßstäblichkeit wichtige Kubatur jedoch soll wiederhergestellt werden. Maßgeblich sind hierbei die Gesamthöhen (Fist – und Traufe) sowie die Abmessungen des Baukörpers auf dem Grundstück analog dem historischen überlieferten Plan.

Die weitere, südlich anschließende Bebauung des Grundstücks soll eine straßenbegleitende Bebauung aufweisen. Die Bebauung wird entsprechend der Gebietscharakteristik als offene Bauweise ausgebildet. Aus drei Solitären wird eine Raumsituation mit Bildung eines gemeinschaftlich zu nutzenden, halböffentlichen Binnenhofs geschaffen in welche die neuen Gebäude hineinorientieren. Zur Schaffung dieses Stadthofs wird an die Brandwand des Parkhauses unmittelbar mit einem Wohngebäude angebaut. Der Binnenhof soll eine grüne Oberflächengestaltung und die Zwischenräume der Solitäre sollen Baumpflanzungen aufweisen. Die Bebauung weist maximal fünf Vollgeschosse auf . Die Abstandsflächen zu den Nachbarn sind einzuhalten. Die erforderlichen Stellplätze sind in einer Tiefgarage nachzuweisen.

Insgesamt ist damit eine stadträumlich verträgliche und zudem wirtschaftliche Ausnutzung des gesamten Grundstücks gegeben.

Axonometrie_Rahmenplan
Axonometrie Rahmenplan

 


Die Finanzierung dieser Studie erfolgt aus Städtebauförderungsmitteln des Bundes, des Landes und/oder der Stadt Gießen.

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