Agentur für Arbeit

• Arbeitsagentur Gießen zieht positive Bilanz für 2012
• Übergang von Schule in den Beruf verbessern, Deckung des Fachkräftebedarfs und Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit voraussichtlich größte Herausforderungen 2013
• Weiterer Rückgang der Arbeitslosenzahlen unwahrscheinlich

Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen, zog jetzt für das Jahr 2012 eine positive Bilanz. „Das Rekordjahr 2011 wurde nochmals übertroffen. Die Arbeitslosenzahl wurde weiter zurückgeführt und die steigende Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zeigt einen sehr positiven Verlauf. Die erste Jahreshälfte verlief spürbar besser, die zweite Jahreshälfte schlechter als erwartet. Insgesamt bleibt uns jedoch eine positive Gesamtbilanz.“

Beim Ausblick auf 2013 ist Schäfer verhalten optimistisch: „Wir gehen nicht davon aus, dass sich die sehr gute Entwicklung der letzten beiden Jahre im gleichen Maß fortsetzen wird, rechnen jedoch ebenso wenig mit einer schweren Krise. Neben den saisonüblichen Schwankungen erwarten wir eine nahezu gleichbleibende, eventuell leicht steigende Arbeitslosenzahl.“

 

2012 im Einzelnen:

Arbeitslosigkeit
Im Bezirk der Agentur für Arbeit Gießen waren 2012 im Jahresdurchschnitt 18.566 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies entspricht einem Rückgang um 127 Erwerbslose oder ein Minus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote blieb im Jahresmittelwert unverändert bei 5,9 Prozent. 2007 lag die Arbeitslosenquote noch bei 8,4 Prozent.

Gemeldete Arbeitsstellen
Bei den Stellenzugängen wurde ein Rückgang verzeichnet. Der Arbeitsagentur Gießen sowie den Jobcentern des Kreises Gießen und der Wetterau meldeten Arbeitgeber 2012 14.930 neue sozialversicherungspflichtige Stellen. Dies waren 1.111 Arbeitsstellen oder 6,9 Prozent weniger als 2011.
Der Bestand an offenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen lag im Jahresschnitt bei 3.892. Gegenüber dem Vorjahreswert ist dies ein Anstieg um 95 Stellen oder 2,5 Prozent.

Besondere Personengruppen:

Männer und Frauen
Geschlechtsspezifisch zeichnete sich 2012 ein ungleicher Verlauf bei der Arbeitslosigkeit von Männern und Frauen ab. Während die Zahl der arbeitslosen Männer jahresdurchschnittlich um 30 stieg, reduzierte sich die Zahl der erwerbslosen Frauen um 158. Damit waren im Schnitt 10.054 Männer und 8.511 Frauen erwerbslos gemeldet.

Ältere Arbeitnehmer
Die Zahl der über 50-jährigen Erwerbslosen ist 2012 durchschnittlich um 195 gestiegen. Danach waren 6.059 Ältere im Jahresschnitt arbeitslos gemeldet. Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent.

Jüngere unter 25 Jahren
Die Jugendarbeitslosigkeit ist erstmals, nach drei Jahren mit rückläufigen Zahlen, 2012 wieder gestiegen. Zum Jahresabschluss lag die Quote bei 5,5 Prozent, 0,3 Prozent höher als 2011. Dies entspricht einer jahresdurchschnittlichen Zahl von 1.935 jungen arbeitslosen Menschen, 82 mehr als 2011.

Rechtskreise SGB III und SGB II
Die Anzahl der Arbeitslosen hat sich bei den beiden Rechtskreisen (SGB III Arbeitsagentur und SGB II Jobcenter) ungleich entwickelt. Während der Anteil der nach dem Rechtskreis SGB III stieg, konnte der Anteil der erwerbslosen Leistungsberechtigten nach dem SGB II zurückgeführt werden.
Im Jahresschnitt waren bei der Agentur für Arbeit Gießen 5.756 Personen erwerbslos gemeldet, 451 mehr als im Vorjahr. Bei der Kommunalen-Vermittlungsagentur (KVA) sowie den Jobcentern in Gießen und der Wetterau waren 2012 im Durchschnitt 12.810 Personen arbeitslos gemeldet, 578 weniger als 2011.

Arbeitsmarktpolitische Instrumente
2012 hatten Arbeitsmarktpolitische Instrumente, wie bereits in den zwei Jahren zuvor auch, nur einen geringen Anteil an der positiven Arbeitsmarkt-Entwicklung im Bezirk der Agentur für Arbeit Gießen.
Die Unterstützung von Betrieben mit Kurzarbeitergeld blieb im abgelaufenen Jahr auf einem vergleichsweise sehr niedrigen Stand.
Die Weiterbildungsbereitschaft von Beschäftigten war auch 2012 auf einem guten Niveau. Ältere über 45 Jahre und Geringqualifizierte wurden mit gezielten Programmen durch die Agentur für Arbeit Gießen gefördert. „Weiterbildungen im Bereich der Pflege haben im vergangenen Jahr den größten Teil eingenommen. Hier wurde zur Deckung des Fachkräftebedarfs die Qualifizierung der betriebseigenen Belegschaft als Möglichkeit genutzt“, so Schäfer. „Eine Qualifikation oder Ausbildung senkt die Wahrscheinlichkeit arbeitslos zu werden.“
Trainingsmaßnahmen und vereinzelte Umschulungen sowie Qualifizierungen und Förderungen der Selbständigkeit waren weitere arbeitsmarktpolitische Instrumente. Direkte Hilfen zur Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt bildeten dabei den Schwerpunkt.

Aus den Regionen
In den mittelhessischen Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg zeigte sich eine ungleiche Verteilung der Arbeitslosigkeit. Während in der Wetterau und im Vogelsbergkreis eine Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent im Jahresdurchschnitt verzeichnet wurde, lag die Quote in Gießen im Schnitt bei 7,0 Prozent. Dabei konnte, außer im Vogelsbergkreis, keine Veränderung zum Vorjahr registriert werden.
Im Kreis Gießen waren 2012 durchschnittlich 9.275 Arbeitslose gemeldet. Damit stieg die Zahl der Arbeitslosen im Jahresschnitt gegenüber dem Vorjahr um drei Arbeitslose an.
Im Wetteraukreis hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt kaum verändert. Nach dem Rückgang von sechs Personen im Vergleich zu 2011 lag die Erwerbslosenzahl im Schnitt bei 7.473.
Im Vogelsbergkreis konnte der größte Rückgang der Erwerbslosen beim Vergleich der Regionen verzeichnet werden. Nach dem Abgang von 114 Arbeitslosen im Jahresschnitt gegenüber dem Vorjahr lag die Zahl derer bei 2.810.

Fachkräftebedarf
Mit einem weiter steigenden Fachkräftebedarf wird in den nächsten Jahren auch in Mittelhessen zu rechnen sein. Einige Arbeitgeber können bereits heute für ihre offenen qualifizierten Stellen nur schwer den passenden Arbeitnehmer finden.
Den Übergang von der Schule zur Ausbildung und in den Beruf zu gestalten wird auch zukünftig eine der größten Herausforderung bleiben. Viele Jugendliche stehen dem Ausbildungsmarkt nicht zur Verfügung, da sie einen höheren Schulabschluss anstreben oder noch nicht die nötige Ausbildungsreife haben. Die demografische Entwicklung verschärft diese Situation zusätzlich.

 

15.01.2013 
Quelle: Bundesagentur für Arbeit