Technische Hochschule Mittelhessen - LogoEin Abschreck- und Umformdilatometer hat die Technische Hochschule Mittelhessen am Gießener Fachbereich Maschinenbau und Energietechnik in Betrieb genommen. Mit dem 350.000 Euro teuren Messgerät lässt sich das Verhalten von metallischen Werkstoffen unter schnell wechselnden mechanischen und thermischen Lasten untersuchen.

„Die Industrie benötigt immer leistungsfähigere hochfeste Stahlwerkstoffe zum Beispiel in der Fahrzeugtechnik, im Kranbau oder für Windkraftanlagen“, sagt Prof. Dr. Jörg Gollnick vom Institut für Mechanik und Materialforschung (IMM). „Mit dem neuen Gerät können wir sehr genau untersuchen, wie sich diese Werkstoffe oder andere Metalle zum Beispiel beim Schweißen, Schmieden oder Warmformen verhalten. Aus den Tests können wir Schlüsse ziehen, wie sich die Verarbeitung neuer Werkstoffe und Produktionsverfahren in der Industrie optimieren lassen.“

In der Arbeitskammer des Abschreck- und Umformdilatometers, das vom Bad Oeynhausener Unternehmen Bähr-Thermoanalyse geliefert wurde, lassen sich Metallproben bis 1500 Grad aufheizen und bis minus 120 Grad herunterkühlen. Schmiede- und Schweißvorgänge können so nachgeahmt werden. Auch Zug- und Druckversuche sind gleichzeitig möglich. „Während des Versuchs haben wir zu jedem Zeitpunkt sehr vielfältige Messmöglichkeiten und können so das Verhalten des Werkstücks genau dokumentieren“, erläutert Prof. Dr. Klemens Stiebler.

Das neue Gerät soll in Forschung und Lehre zum Einsatz kommen. Erster Kooperationspartner aus der Industrie ist die EWM Hightec Welding aus Mündersbach im Westerwald. Das Schweißtechnikunternehmen hat den THM-Absolventen Andreas Burt eingestellt und finanziert dessen Promotion an der Technischen Universität Clausthal. Sie wird vom Fachbereich Maschinenbau- und Energietechnik in Gießen betreut, wo der Doktorand auch den Großteil seiner praktischen Arbeiten ausführt. Burt befasst sich in seiner Dissertation mit dem Lichtbogenschweißen ultrahochfester Baustähle. Diese Werkstoffe sind neu auf dem Markt und sollen zum Beispiel für den Kranbau, Rohrleitungsbau, Stahlhochbau und für Offshore-Windkraftanlagen genutzt werden. Mit dem Dillenburger Automobilzulieferer Linde + Wiemann hat das IMM ebenfalls eine Zusammenarbeit vereinbart, die laut Gollnick zu weiteren Promotionen führen soll.

 

26.09.2012 
Quelle: Technische Hochschule Mittelhessen