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Wie können sich mittelständische Unternehmen der demografischen Entwicklung anpassen, um die eigenen Fachkräfte zu sichern und für neue noch attraktiver zu werden? „Demografie-fit“ wollen sich ein Jahr lang acht Unternehmen aus allen fünf mittelhessischen Landkreisen in einem gemeinschaftlichen Projekt machen, das am Dienstag auf einer Pressekonferenz vom Regionalmanagement-Verein MitteHessen vorgestellt wurde.

„Arbeitgeber müssen heute etwas dafür tun, um ihre Mitarbeiter zu halten – das betrifft Unternehmen genauso wie uns als öffentliche Verwaltung“, erklärte Anita Schneider, die Landrätin des Landkreises Gießen in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied des Regionalmanagements. „Das fängt bei der Familienfreundlichkeit an und hört bei der Gesundheitsprävention noch lange nicht auf. Ich freue mich, dass die beteiligten Unternehmen das erkannt haben und danke den Initiatoren.“ Das Fachkräftemarketing sei ein wichtiges Feld des Regionalmanagements, deswegen sei das vom Bundesprogramm „Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (EFS) geförderte Projekt zur rechten Zeit entstanden.

Dr. Frank Wendzinski, Geschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg und einer der Initiatoren, hatte von Anfang an reges Interesse der Unternehmen an dem Thema gespürt: „Die Verfügbarkeit von Fachkräften ist ein wichtiger Standortfaktor. Die Stärkung der Wirtschaft ist unser Ziel und das ist der Grund, weshalb wir uns als IHK-Verbund Mittelhessen gerne engagieren.“ Neben der Politik und der Gesellschaft läge es in der Verantwortung der Unternehmer, hier rechtzeitig Weichen zu stellen.

„Die Instrumente sind schon da, allein an der Umsetzung fehlt es in manchen Betrieben noch“, erläuterte Thomas Merten vom Faktor 10 – Institut für nachhaltiges Wirtschaften gemeinnützige GmbH aus Friedberg, der das Projekt als Berater maßgeblich begleitet. „Mit den acht Unternehmen können wir in die Breite gehen, wir sehen uns dabei als Impulsgeber und Wegbereiter.“ Regionalmanager Jens Ihle freut sich, dass sich aus allen fünf Landkreisen der Region Unternehmen beteiligen. „Die Betriebe von der Produktion über die Dienstleistung bis zum Bauunternehmen spiegeln auch unsere Wirtschafts-Branchen wieder:“ An dem Projekt beteiligen sich die Bauunternehmung Albert Weil AG (Limburg), die DUO-PLAST AG (Lauterbach), die HOPPE AG (Stadtallendorf), die Sensitec GmbH (Lahnau), die MNT Revision und Treuhand GmbH (Limburg), die Mundipharma GmbH (Limburg), die Pharmaserv GmbH & Co. KG (Marburg) und die Vereinigte Hagelversicherung VVaG (Gießen). „Kriterium für die Teilnahme war vor allem, dass die Unternehmen Inhaber- bzw. Familien-geführt sind. So stellen wir sicher, dass vor Ort Entscheidungen gefällt werden können“, so Merten. Vier Strategien sind es laut dem Experten, die für die Fachkräftesicherung von Bedeutung sind: „Zum einen muss der Arbeitgeber, aber auch die zugehörige Region attraktiv sein. Dann ist es wichtig, auf die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter zu achten, da diese immer länger belastet werden. Der Arbeitgeber muss zum Dritten darauf achten, das Wissen der Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, um es zum Beispiel nach dem Ruhestand für andere verfügbar zu machen. Der vierte Aspekt ist die Rekrutierung von Gruppen wie Frauen, Migranten, Behinderte, aber auch Eltern.“

„Personalarbeit ist mehr als Lohn-Abrechnung“
„Wir sind gespannt auf das Projekt und erwarten uns einiges“, so Klaus Rohletter, Vorstandsvorsitzender der Bauunternehmung Albert Weil AG, das sich als eines von drei Limburger Unternehmen beteiligt. „Nachhaltige Personalarbeit ist eine Daueraufgabe und schon lange mehr als nur die Abrechnung: Unternehmen müssen die Kompetenz, die Erfahrung und die Kraft der Mitarbeiter möglichst lange sicher stellen.“ Er freue sich insbesondere, dass der Austausch nicht mit Theoretikern, sondern mit den anderen Unternehmen aus der Praxis erfolge. Andreas Dauer, Verantwortlicher Personal der HOPPE AG aus Stadtallendorf ergänzt: „Der Nutzen für den Mitarbeiter im Unternehmen muss sichtbar sein, da müssen Privat-Belange und die Familie berücksichtigt werden, aber auch die Entfaltung am Arbeitsplatz möglich sein.“ Aus der Zusammenarbeit der acht Unternehmen verspricht er sich, „dass Fehler nur einmal gemacht werden müssen. Wir können gut voneinander lernen. Und der externe Blickwinkel auf das Unternehmen ist viel wert.“

Jedes Unternehmen enthält eine Beratungsleistung im Gegenwert von ca. 10.000 Euro, daraus wird ein Status-Check finanziert, aus dem sich konkrete Maßnahmen ableiten. „Alles ist freiwillig, das Unternehmen entscheidet selbst, ob es seinen Schwerpunkt beispielsweise auf die Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit, auf gesundheitliche Prävention oder auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf legt. Das Projekt ist eines von 75 in Deutschland geförderten Projekten und wird mit einem Gesamtvolumen von ca. 300.000 Euro in Mittelhessen und im Münsterland gleichzeitig durchgeführt. Die acht Unternehmen, die sich in gemeinsamen Workshops vernetzen, starten als Pilot-Gruppe, der jedes Jahr eine weitere folgen soll. Als Erfolgskontrolle ist eine Auszeichnung geplant, die auch nach außen zeigen soll, dass sich die Unternehmen „Demografie-fit“ gemacht haben.

CSR - Made in Germany
Das Bundesprogramm "Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand" (Corporate Social Responsibility, CSR) wird durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. Die Bundesregierung will damit die Idee einer verantwortlichen Unternehmensführung in die Breite tragen. Mit dem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aufgelegten Programm sollen kleinen und mittleren Unternehmen konkrete Lösungsansätze für eine verantwortliche Unternehmensführung angeboten werden. Gefördert werden CSR-Beratungsmaßnahmen für Geschäftsführungen, Beschäftigte und Belegschaftsvertreter/innen in den Aktionsfeldern "Arbeitsplatz", "Umwelt", "Markt" und "Gemeinwesen". Durch solche CSR-Maßnahmen passen sich Unternehmen besser den Marktbedingungen an, steigern ihr Überleben am Markt und erhöhen die Beschäftigungsmöglichkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Mehr Informationen im Internet: www.region-mittelhessen.de und www.csr-in-deutschland.de

20.06.2012 
Quelle: MitteHessen e. V. - Regionalmanagement für Mittelhessen, Lonystraße 7,| 35390 Gießen