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Die regionale Konjunktur hat sich wieder gefangen. Nach einem deutlichen Rückgang des wirtschaftlichen Klimas zu Jahresbeginn zeigt die jetzige Frühjahrsumfrage: Die Konjunktur schäumt nicht über, sie dreht offenbar auf einen „normalen“ Wachstumskurs. Erfreuliche Verbesserungen gibt es in der Industrie. Dieses Plus kommt vor allem aus der gestiegenen Nachfrage des nichteuropäischen Raumes und einer dynamischen Binnennachfrage. Die Nachfrage aus dem Euro-Raum stagniert hingegen. Die Euro-Krise hat die Konjunkturentwicklung erheblich ausgebremst. Gegen Ende des Jahres 2011 und zu Beginn des laufenden Jahres gab es demnach schwächere Wachstumsraten.

Auch aus dem Baugewerbe kommen erfreuliche Nachrichten, hier insbesondere aus dem Wohnungsbau. Der Einzelhandel hingegen stagniert auf einem eher unbefriedigenden Niveau - unterhalb der Zufriedenheitsschwelle. Das Gastgewerbe hat sich stark verbessert und die Stimmung im Verkehrssektor hat sich verschlechtert – nicht verwunderlich bei den extrem hohen Spritpreisen. Regional liegt der Landkreis Gießen in der Stimmungstabelle vor dem Wetteraukreis und dem Vogelsbergkreis.

Insgesamt erreicht die Wirtschaft des IHK-Bezirkes einen Klimaindex von 107,1, gegenüber 120,1 im Vorjahr und 105,3 zu Jahresbeginn. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen. Die Umfrage fand von Ende März bis Ende April bei mehr als 1.000 Unternehmen aus den Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau statt.

Regionale Unterschiede

Die Wirtschaft im Landkreis Gießen kommt auf einen Klimaindex von 112,4 und schneidet damit als bester der drei Landkreise des IHK-Bezirkes ab. Im vergangenen Jahr kamen die Giessener Betriebe auf einen Klimawert von 127,4 und bei der Umfrage zu Jahresbeginn landete man bei einem Wert von 109,8. Damit wird eine leichte Verbesserung gegenüber der vergangenen Umfrage erzielt. Die besten Resultate kommen im Landkreis Gießen aus dem Kredit- und Versicherungsgewerbe und den unternehmensbezogenen Dienstleistern (Wachdienste, Werbeagenturen, Unternehmensberatungen).

Für die Betriebe aus dem Wetteraukreis wird ein Klimaindex von 110,8 ermittelt. Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 120,0 und zu Jahresbeginn kam man auf einen Wert von 111,1. Damit tritt man im Vergleich zur vergangenen Umfrage auf der Stelle. Die besten Resultate im Wetteraukreis kommen aus dem Maschinenbau, ebenfalls dem Kredit- und Versicherungsgewerbe und den personenbezogenen Dienstleistungen (Gesundheitspflege, Unterricht).

Der Vogelsberg landet, wie so häufig, am Ende der drei IHK-Landkreise. Die Betriebe kommen auf einen Klimaindex von 90,1. Im vergangenen Jahr lag der Wert mit 102,2 knapp über der Zufriedenheitsschwelle von 100. Bei der Umfrage zu Jahresbeginn rutschte der Wert auf 79,9. Damit liegt man im Vogelsberg einerseits recht abgeschlagen unter der 100er-Marke. Andererseits ergibt sich eine Verbesserung gegenüber dem Jahresbeginn um mehr als zehn Punkte. Die unternehmensbezogenen Dienstleistungen erzielen das beste Ergebnis. Zum Vergleich: Der Klimaindex der hessischen Betriebe liegt bei der aktuellen Frühjahrsumfrage bei 121,2. Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 132,0 und in der Umfrage zum Jahresbeginn bei 117,0.

Gegenwart stabil, Zukunft wackelt

Insgesamt sind derzeit genau 40 Prozent der Betriebe zufrieden mit der derzeitigen Geschäftslage zufrieden. In der Umfrage aus dem vergangenen Jahr waren 45,5 Prozent, in der Herbstumfrage waren 37,7 Prozent zufrieden. Noch geringer sind die Veränderungen bei den unzufriedenen Einschätzungen zur Gegenwart: Derzeit sind 16,1 Prozent unzufrieden mit der aktuellen Lage. Der Blick in die nahe Zukunft dagegen ist noch etwas skeptischer: 14,9 Prozent blicken mit Optimismus nach vorne, während 22,3 Prozent eine eher ungünstigere nahe Zukunft voraus sehen. Mithin beträgt der aktuelle Saldo Minus 7,4. Der Saldo bei der Umfrage aus dem vergangenen Jahr lag bei Plus 10,7 und der in der Umfrage zum Jahresbeginn lag bei Minus 9,0.

Insgesamt also ein stabiler positiver Saldo bei der Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage. Bei der Einschätzung der kommenden sechs Monate wurde ein, gegenüber dem Jahresbeginn geringer werdender negativer Saldo ermittelt. Neben der Euro-Krise, die nach den aktuellen europäischen Wahlergebnissen wieder stärker ins Blickfeld geraten dürfte sind insbesondere die hohen Energiepreise ein hohes Hindernis einer positiven Entwicklung. 

 
09.05.2012 
Quelle: Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg