Technologietransfer

Gute Gewinnspannen, verlässliche Behörden und eine hohe Akzeptanz deutscher Produkte – am Ende des Forums „Medizinwirtschaft in Australien“ sprachen viele Argumente für ein Engagement mittelhessischer Unternehmen auf dem kleinsten Kontinent der Erde. Das Regionalmanagement für Mittelhessen hatte zusammen mit der IHK Kassel zu dieser Fachveranstaltung in die Räume der Marburger Pharmaserv GmbH & Co. KG eingeladen, die den Standort Behringwerke betreibt.

Der Leiter der australischen Außenhandelskammer (AHK), Kristian Wolf, zeichnete das Bild eines rohstoffreichen Landes mit einem großen Markt, in dem persönliche Kontakte viel zählen und der Zeitunterschied zu Deutschland die Netzwerk-Pflege manchmal schwierig mache. Die AHK betreue rund 300 Mitgliedsunternehmen und bietet Hilfestellung bei der Orientierung, ebenso wie die australischen Handelskommission AUSTRADE. Andreas Seidel, Investmentmanager bei der staatlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft mit Sitz in Frankfurt erläuterte, wie er Unternehmen bei der Ansiedlung in Australien unterstützt. Auch bei gemeinsamen Forschungsvorhaben und der Einrichtung von Joint Ventures auf dem sechstgrößten Biotech-Markt weltweit sei man behilflich; als Beispiele deutsch-australischer Kooperationen nannte er das Fresenius Kabi Cancer Centre in Queensland und das Biomedical Imaging Research Centre von Siemens an der Monash University.

Werner Kexel, Geschäftsführer der BSI-Eurocat in Darmstadt, ein Testhaus für Medizintechnikprodukte, stellte sehr konkret das Zulassungs-Verfahren für Medizintechnikprodukte in Australien dar. Die Papiere müssten zwar auf Englisch vorliegen, sonst seien aber im Gegensatz zu Deutschland und Europa keine gravierenden Unterschiede vorhanden. Dies bestätigte Markus Strothmann; der Direktor Marketing und Vertrieb Global ist für die nordhessische B. Braun Melsungen AG regelmäßig in der australischen Niederlassung und schilderte, dass vor allem die Logistik wichtig für die Akzeptanz sei. Die Australier seien den Produkten, die B. Braun in Asien fertigt und importiert, aufgeschlossen, haben aber hohe Erwartungen an Schulung und Dienstleistung. Strothmann betonte, dass die Langfristigkeit in den Geschäftsbeziehungen eine für Deutsche manchmal ungewohnt hohe Bedeutung habe.

Kathrin Gilbert, Unternehmensberaterin und Coach in der Medizinbranche, stellte eine von ihr im Auftrag des Regionalmanagements angefertigte Studie zum Aufbau eines Netzwerkes zwischen der mittelhessischen und der australischen Medizinwirtschaft vor: Vergleiche man die beiden Länder, ergeben sich zwei bedeutende gemeinsame Schwerpunkte: zum einen der Bereich Wirkstoff-Design und Biopharmaka, zum anderen Biomaterialien und Gewebekonstruktion (Tissue Engineering). Hier seien bilaterale Forschungsaktivitäten bis hin zur Entstehung von international marktfähigen Produkten gut denkbar. Um solche Kooperationen, aber auch den Export zu fördern, wurde die Exportinitiative Gesundheitswirtschaft „Health made in Germany“ gegründet. Die Initiative will die Marktchancen und Absatzmöglichkeiten deutscher Produkte und Dienstleistungen der Gesundheitswirtschaft im Ausland verbessern, mit der Umsetzung wurde die Germany Trade and Invest (GTAI) betraut.

Die Basis in der Region für Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette bildet das Medizinwirtschafts-Cluster timm (Technologie und Innovation Medizinregion Mittelhessen), das von der Clustermanagerin Dr. Iris Stallkamp vorgestellt wurde. Timm und der IHK-Verbund Mittelhessen waren Kooperationspartner des Forums, dessen Besucher aus der Wirtschaft sich ausnahmslos einig waren, dass eine gemeinsame Delegationsreise als nächster Schritt Sinn nützlich wäre. Dr. Matthias Leder und Beate Hammerla, Geschäftsführer des Regionalmanagementvereins MitteHessen, konnten am Ende der Fachveranstaltung eine erfolgreiche Bilanz ziehen. Die Besucher hätten über die Rahmenbedingungen und Chancen auf dem australischen Medizinwirtschaftsmarkt viel erfahren. Diese Grundlagen wurden im Anschluss in persönlichen Gesprächen vertieft, weitere Kontakte geknüpft und Unterstützungsmöglichkeiten ausgelotet.

19.03.2012