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In der Chefetage der Meier & Meier GmbH herrscht dicke Luft. Ständig kriegen sich die beiden Gesellschafter in die Haare. So sehr, dass sich Mitarbeiter und Kunden Sorgen machen: Was soll bloß aus der Firma werden? Der Fall ist zwar fiktiv, aber in der Realität hätten Meier & Meier eine Chance zum Neubeginn, bevor ihr Streit vor Gericht endet: Mediation. Ein neutraler Streitvermittler versucht dabei, die Interessen beider Streithähne zu vereinbaren. Ab dem 01. April 2012 bieten die mittelhessischen Industrie- und Handelskammern eine gemeinsame Mediationsstelle an.

Viele Unternehmen wissen gar nichts von den Möglichkeiten, die die Mediation bietet. Die mittelhessischen IHKs wollen dazu beitragen, die Vorteile der außergerichtlichen und konstruktiven Beilegung von Konflikten noch mehr in den Fokus zu rücken. Ab April 2012 rufen daher die IHKs Gießen-Friedberg, Lahn-Dill und Limburg gemeinsam die IHK – Mediationsstelle Mittelhessen ins Leben.

Aufgabe der Mediationsstelle ist es, Unternehmen im Konfliktfall über alternative Konfliktlösungswege zu beraten, Musterklauseln und eine Mediationsordnung anzubieten. Außerdem werden kompetente Mediatoren vermittelt, die Abwicklung des Verfahrens übernommen und über die Kosten informiert. Auf Wunsch können auch Räume für das Verfahren zur Verfügung gestellt werden.

Bevor Anwälte vor Gericht ziehen, können sich die Gegner erst einmal an einen Tisch setzen. Die Mediation ist ein freiwilliges, außergerichtliches Verfahren, das dazu dient, Konflikte zu lösen. Sie ist vertraulich und findet nicht öffentlich statt. Anders als vor Gericht geht es in der Mediation jedoch nicht darum zu klären wer Recht hat. In einer Mediation wird gemeinsam eine für beide Seiten akzeptable Lösung des Konflikts entwickelt. Am Ende steht nicht eine Lösung, die ein Dritter diktiert, sondern eine selbst erarbeitete. Der professionell in der Gesprächsführung geschulte Mediator begleitet gleichsam als unparteiischer Moderator die Gespräche. Am Ende einer Mediation kann ein rechtsgültiger Vertrag stehen, den beide Parteien unterzeichnen.

Während ein Gerichtsprozess auf die Vergangenheit ausgerichtet ist und diese bewertet, liegt der Fokus der Mediation in der Zukunft. Insofern bietet sie sich besonders dann an, wenn die Konfliktparteien auch künftig noch miteinander arbeiten müssen oder wollen. Relevant sind hier insbesondere Konstellationen mit Kunden, Lieferanten, Konflikte zwischen Unternehmen, Konflikte zwischen Mitarbeitern und Fragen der Unternehmensnachfolge. Abgesehen davon, dass zum Teil bestehende Konflikte überhaupt nicht justiziabel sind, führt der Gang vor Gericht nicht immer zu sachgerechten Ergebnissen.

Folgendes Beispiel verdeutlicht plastisch die Zielrichtung von Mediation:
Zwei Kinder streiten sich um eine Frucht. Salomonisch schneidet die Mutter die Orange schließlich in zwei gleich große Teile. Dies gilt gemeinhin als gerechte Entscheidung. Dennoch wundert sich die Mutter, warum keines der Kinder mit dieser Lösung wirklich zufrieden ist. Hätte sie zunächst einmal nach den individuellen Interessen der Kinder gefragt, hätte sie erkennen können, dass eines der Kinder lediglich den Saft der Frucht haben wollte, das andere Kind war an der Schale der Orange interessiert - Die Lösung des Konflikts ist offensichtlich.

Mediation ist grundsätzlich bei allen Konflikten zwischen Unternehmen oder innerhalb eines Unternehmens möglich. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen man erkennen muss, dass es auf diesem Weg keine Lösung gibt. Dann kann das Verfahren jederzeit abgebrochen werden und das Problem vor Gericht geklärt werden.

Es hat sich gezeigt, dass die Mediation in den letzten Jahren als Form der außergerichtlichen Konfliktbeilegung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Der Prozess hin zu einer anderen Streitkultur ist in Gang und muss beharrlich mit allen geeigneten Maßnahmen unterstützt werden. Ein positives Signal in diese Richtung wird auch durch die Verabschiedung des neuen Mediationsgesetzes ausgesendet werden, über das wir zum gegebenen Zeitpunkt noch ausführlich berichten werden.

Weitere Informationen zur außergerichtlichen Streitbeilegung finden Sie in einem Merkblatt der IHK Gießen-Friedberg unter www.ihkgifb.de/mediation

29.02.2012 
Quelle: Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg