Przewalski-Pferde
© C. Goebel 

Fast jeder Gießener hat sie schon einmal gesehen, wenn auch wohl meist nebenbei und das dann eher in Form einer Höhlenzeichnung. Die Rede ist von den vermutlich auf den berühmten Höhlenmalereien in Lascaux abgebildeten Przewalski-Pferden, die in freier Wildbahn als ausgestorben gelten. Vier bis fünf dieser Wildpferde sollen im Frühjahr in Gießen im Bereich der Hohen Warte ausgewildert werden.
Hierbei handelt es sich um ein Projekt des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Der Bundesforstbetrieb Schwarzenborn, der das Programm durchführt, ist an die Stadt herangetreten, weil das Gebiet der Hohen Warte sich dafür besonders eignet. Auch die Stadt sieht darin einen Nutzen: Die biologische Vielfalt auf der Hohen Warte wird durch das Weiden der Wildpferde vergrößert. Dafür gibt es Belege. Die Maßnahme soll wissenschaftlich begleitet werden.

Das Przewalski-Pferd ist nach einem polnischen Offizier der russischen Armee benannt, der es 1870 in der kasachischen Steppe entdeckte. Es ist die weltweit einzige Wildpferdeart, die in ihrer Wildform bis heute überlebt hat. Allerdings gilt sie in der freien Wildbahn seit 1970 als ausgestorben. Nur wenige Exemplare haben in Tiergärten überlebt. Dank dieser wenigen Tiere und einer wissenschaftlich gesteuerten Zucht gibt es heute weltweit wieder ca. 1.500 Nachkommen. In mehreren Auswilderungs-Projekten wird derzeit versucht, Przewalski-Pferde wieder in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet (Mongolei, China, Kasachstan) auszuwildern. Und demnächst eben auch in Gießen. Noch bis in die Eiszeit hinein war das Przewalski-Pferd auch hier bei uns verbreitet.

"Mit der Ansiedlung der Przewalski-Pferde können wir zwei ökologisch wichtige Dinge auf einmal erreichen. Erstens können wir einer vom Aussterben bedrohten Tierart helfen und zweitens werten wir Fauna und Flora insgesamt über die Ansiedlung auf," freut sich Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich über die Kooperation. Denn ein anderes Wildpferde-Projekt des Bundesforstbetriebs, mit dem die Stadt das Projekt zusammen abwickelt, zeige eine deutliche Zunahme der Zahl der geschützten Arten im Weidegebiet der Pferde. In Gießen würde sich dies ganz konkret dadurch ergeben, dass das auf der Hohen Warte die biologische Vielfalt beeinträchtigende und schwierig zu entfernende Reitgras von den Przewalski-Pferden abgeweidet werden könnte. Die Erfahrung in anderen Projekten, z.B. in Hanau, habe gezeigt, dass eine solche Ansiedlung zudem auch von der Bevölkerung sehr gut angenommen werde, erklärte Christoph Göbel, Leiter des Bundesforstbetriebs,. "Wir haben in Hanau die besten Erfahrungen mit dieser Tierart bei der Beweidung sensibler Standorte gemacht. Außerdem unterstützen wir damit das wichtige Arterhaltungsprogramm für diese Tierart" ergänzte Goebel.

Die Vorbereitungen - z. B. für den Koppelbau - für die vermutlich vier bis fünf nach Gießen kommenden Przewalski-Pferde laufen bereits auf Hochtouren.

Um die Gießenerinnen und Gießener umfassend hierüber zu informieren, lud die Stadt am 10.11. um 19 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ein.