Anwenderzentrum
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Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) hat das Anwenderzentrum Medizintechnik in Betrieb genommen. Der Neubau nach Plänen des Architektenbüros Hegger, Hegger, Schleif aus Kassel wurde aus Fördermitteln des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Hessischen Wirtschaftsministeriums und der Europäischen Union finanziert. An der Gießener Gutfleischstraße sind für insgesamt 8,5 Millionen Euro auf einer Fläche von 1333 Quadratmetern Labore und Büroflächen entstanden, die je zur Hälfte von jungen Unternehmen der Medizintechnik und für Kooperationsprojekte zwischen Technischer Hochschule und Wirtschaft genutzt werden sollen.

"Unternehmen und Wissenschaftler rücken im besten Sinne zusammen", sagte Wirtschaftsminister Dieter Posch. "Mit der Förderung dieses Anwenderzentrums aus Mitteln des Wirtschaftsministeriums und EU-Strukturfondsmitteln in Höhe von 4,4 Millionen Euro sichern und stärken wir den Medizintechnikstandort Mittelhessen. Die in diesem Zentrum entstehenden Innovationen tragen dazu bei, zukunftssichere Arbeitsplätze in dem überdurchschnittlich stark wachsenden Medizintechnikmarkt zu generieren. Innovationszyklen werden durch die ausgeprägt enge Zusammenarbeit der Gründerunternehmer in räumlicher Nähe mit den Wissenschaftlern verkürzt." Die Medizintechnik ist ein thematischer Schwerpunkt der Innovationspolitik des Wirtschaftsministeriums. Dieser Schwerpunkt ist auf die überwiegend mittelständisch strukturierte Medizintechnikbranche ausgerichtet und wird in enger Kooperation mit dem mittelhessischen Medizinwirtschaftscluster TIMM entwickelt.

Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann sprach von einem vorbildlichen Modellprojekt: Erstmals wurden für die Finanzierung einer anwendungsbezogenen Forschungs- und Entwicklungseinrichtung im Hochschulumfeld Mittel aus dem Hochschulinvestitionsprogramm des Landes HEUREKA, Strukturfondsmittel der Europäischen Union und Gelder des Wirtschaftsministeriums gemeinsam eingesetzt, um die Kooperation zwischen Hochschule und Wirtschaft zu stärken und den Wissens- und Technologietransfer zu beschleunigen. "Mit dem Neubau erhält der Studiengang Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie der Technischen Hochschule Mittelhessen ideale Rahmenbedingungen und eine moderne Infrastruktur", sagte Kühne-Hörmann.

Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Erfolge der Technischen Hochschule Mittelhessen beim Forschungsförderungsprogramm LOEWE des Landes Hessen. Die THM sei an den fünf LOEWE-Schwerpunkten "Kulturtechniken und ihre Medialisierung", "Insektenbiotechnologie", "MIBIE - Männliche Infertilität bei Infektion und Entzündung", "RITSAT - Raumfahrt Ionenantriebe - Plasmaphysikalische Grundlagen und zukünftige Technologien" und "Biomedizinische Technik - Bioengineering & Imaging" beteiligt. Für diese habe das Land für die Jahre 2008 bis 2014 insgesamt knapp 22 Millionen Euro bewilligt. Hinzu kämen 15 Verbundprojekte der THM mit der hessischen Wirtschaft, die mit rund 835.000 Euro aus dem LOEWE-Programm gefördert werden.

Der LOEWE-Schwerpunkt "Biomedizinische Technik" bekommt nach der erfolgreichen Begutachtung im Frühjahr diesen Jahres neben den bisher etwa 4,2 Millionen weitere rund 1,7 Millionen Euro zur Weiterentwicklung des Projekts bis 2013 zur Verfügung. Ein sichtbarer Hinweis für die erfolgreiche Arbeit des Schwerpunkts ist nach den Worten der Ministerin auch die Einwerbung von bisher insgesamt zirka sechs Millionen Euro Drittmitteln. Ziel des Schwerpunkts ist die anwendungsorientierte Entwicklung von zulassungsfähigen Technologien für die Therapie zum Beispiel entzündlicher Krankheiten der Lunge oder der Haut. Außerdem gehört die Entwicklung von Verfahren zur Herstellung zellbasierter Arzneiformen, mit denen Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie etwa Schlaganfall oder Gehirntumor, behandelt werden zu dem Forschungsvorhaben. Mittels moderner bildgebender Verfahren wollen die Wissenschaftler den Transport von Wirkstoffen kontrollieren und optimieren.

Für Hochschulpräsident Prof. Dr. Günther Grabatin gewinnt die Kooperation zwischen Hochschule und regionaler Wirtschaft in der Medizintechnik mit dem Anwenderzentrum eine neue Qualität. "Das Nutzungskonzept ist dabei richtungsweisend. Es führt schon in deren Startphase Unternehmen der Medizintechnik mit fachverwandten Arbeitsgruppen der THM in Forschung und Entwicklung zusammen. Damit verfügen wir über ein Dach, unter dem das Miteinander von Hochschule und Wirtschaft zum Standard wird", sagte Grabatin. Für die THM sei das Anwenderzentrum ein konsequenter Schritt zur Stärkung ihrer Forschungsaktivitäten. Die Hochschule müsse sich auf diesem Gebiet weiter profilieren. "Denn als einzige akademische Ausbildungsstätte für Ingenieurwissenschaften und Technik in Mittelhessen verstehen wir es als unsere Aufgabe, der Technologiemotor für die Region und der Innovationspool für Unternehmen und Kommunen zu sein", hob Grabatin hervor.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz unterstrich die Bedeutung der Medizintechnik für die heimische Wirtschaft: "Mit dem Anwenderzentrum Medizintechnik wird Gießen als Wissenschafts- und Technologiestandort gestärkt."

Als eine der ersten Firmen ist die ThoraTech GmbH in die Gutfleischstraße eingezogen. Das 2008 gegründete Unternehmen beschäftigt sechs Mitarbeiter und entwickelt neue Technologien für die Diagnose und Therapie von Herz- und Lungenkrankheiten. Gründer und Geschäftsführer Dr. Keywan Sohrabi sieht in der räumlichen Nähe zur Hochschule einen unschätzbaren Vorteil: "Als kleines und junges Unternehmen sind wir darauf angewiesen, in funktionierenden Netzwerken zu arbeiten. Das Anwenderzentrum bietet uns deshalb in einem sehr direkten Sinn einen Standortvorteil", sagte der Medizininformatiker.

Das neue Anwenderzentrum ist nach dem 2007 eröffneten Gebäude für die Biowissenschaften ein weiterer Baustein auf dem Teilcampus der THM an der Gutfleischstraße. Als ein großes weiteres Projekt auf diesem Areal ist für den Fachbereich Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie noch ein "Labor- und Technologiezentrum" geplant, das sich zurzeit in der landesinternen Abstimmung befindet.

Quelle: Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst