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Die Konjunkturumfrage der IHK Gießen-Friedberg wurde auch diesmal nach den Ergebnissen in den drei Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau ausgewertet. Bei dieser Umfrage wurde darüber hinaus nach Veränderungen bei den Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr gefragt. Weiter äußerten die Unternehmen ihre Einschätzungen zu den Folgen der demographischen Entwicklung und zur Einstellung älterer Arbeitnehmer in den Betrieb.
 
Wie so häufig schneidet der Landkreis Gießen am besten ab. Die Wirtschaft des Landkreises kommt auf einen sehr guten Klimaindex von 122,1. Das ist nahezu exakt das gleiche Niveau des Vorjahres. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage gab es im Landkreis Gießen einen vergleichsweise moderaten Rückgang um fünf Punkte. Fast schon traditionsgemäß liegen die Gießener damit an der Spitze des IHK Bezirks. Doch nicht nur das: Die Stimmung ist sogar besser als der Klimaindex von Hessen insgesamt, denn hier wird ein Wert von 121,2 ermittelt. Damit liegen die Hessen auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage ist allerdings ein Rückgang um genau neun Punkte festzustellen. Üblicherweise liegt das hessische Ergebnis meist um rund zehn Punkte über dem besten Kreisergebnis des IHK-Bezirkes.
Am schlechtesten schneidet diesmal der Wetteraukreis ab. Mit einem Klimaindex von 104,1 kommen die Wetterauer Betriebe nur auf Rang drei im IHK-Bezirk. Damit hat man sich um 4,7 Punkte gegenüber dem Vorjahr verschlechtert und um 15,9 Punkte gegenüber der Frühjahrsumfrage. Der Vogelsbergkreis kommt diesmal auf einen Klimaindex von 111,3. Damit hat man sich zwischen Alsfeld und Lauterbach sowohl gegenüber dem Vorjahr (96,8) als auch, und das ist außergewöhnlich, gegenüber der Frühjahrsumfrage (102,2) verbessert. Getragen wird diese Verbesserung ganz maßgeblich von der Entwicklung in der Industrie.
 
Arbeitslosenquoten gehen zurück
In den drei IHK-Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau ist die Arbeitslosigkeit im September gesunken. Insgesamt ist die Arbeitslosenquote im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen auf 5,6 Prozent, gegenüber 6,1 Prozent im Vorjahr, gesunken. Im Vogelsbergkreis lag die aktuelle Quote bei 4,6 Prozent, gegenüber 5,6 Prozent im Vorjahr. Der Wetteraukreis hat eine aktuelle Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent, gegenüber 5,0 Prozent im Vorjahr. Und im Landkreis Gießen schließlich wurde für den September eine Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent, gegenüber 7,2 Prozent im Vorjahr, registriert. Zum Vergleich meldet die Arbeitsagentur Kassel für den nordhessischen Arbeitsmarkt eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent, gegenüber 6,7 Prozent im Vorjahr. 
  
Exporte: Hoher Rückgang im Wetteraukreis
Der Blick auf die Exportquoten 2010 zeigt ein höchst differenziertes Bild. Die höchste Ausfuhrquote wird im Landkreis Gießen mit 40,2 Prozent, gegenüber 37,8 Prozent im Vorjahr und 39,0 Prozent im Jahre 2008. Im Jahre 2007 kam der Landkreis Gießen auf eine Exportquote von 40,6 Prozent. Damit hat man heute das Niveau vor der Finanzkrise wieder erreicht. Der Wetteraukreis kommt auf eine Exportquote von 27,8 Prozent, gegenüber 25,8 Prozent im Vorjahr und 30,2 Prozent im Jahre 2008. Vor der Finanzkrise lag der Wetteraukreis bei einer Quote von 32,9 Prozent, womit man dieses Niveau noch nicht erreicht hat. Der Vogelsbergkreis schließlich erzielt eine Exportquote im Jahre 2010 von 22,0 Prozent, gegenüber 23,4 Prozent im Jahre 2009 und 24,9 Prozent im Jahr 2009. Vor der Finanzkrise lag der Vogelsberg bei einer Ausfuhrquote von 24,7 Prozent. Wenn die konjunkturelle Richtung aufwärts weist, ist eine höhere Exportverflechtung von immensem Vorteil. Wenn die Schuldenkrise in eine internationale Rezession führt, ist eine hohe Exportverflechtung dagegen von Nachteil. 
  
Industrie: Vogelsberg vorn
Die besten Ergebnisse aus der Industrie kommen aus dem Vogelsbergkreis. Dort schließt man mit einem Klimaindex von 121,4 ab und weist damit eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um mehr als 30 Punke auf. Sogar gegenüber der Frühjahrsumfrage hat sich in der Vogelsberger Industrie eine Verbesserung ergeben: Hier stieg der Klimaindex nochmals um 8,3 Punkte. Sowohl die Industrie im Landkreis Gießen und im Wetteraukreis, als auch die Industrie im Bundesland Hessen, weist im Vergleich zur Frühjahrsumfrage einen Rückgang des Klimaindex auf. Besonders gute Ergebnisse meldet der Vogelsberg aus dem Bereich der Metallerzeugung.
Im Landkreis Gießen kommt die dortige Industrie auf einen Klimaindex von 114,7 gegenüber 115,9 im Vorjahr und 128,8 bei der Frühjahrsumfrage. Damit haben sich die Giessener Industriebetriebe sowohl zur Vorjahres- als auch zur Herbstumfrage verschlechtert. Auch in Gießen schneidet die Metallherstellung am besten ab.
Die Wetterauer Industrie kommt schließlich auf einen Klimaindexwert von 120,8 gegenüber von 117,7 im Vorjahr und dem Spitzenwert von 141,4 aus der Frühjahrsumfrage. Damit hat sich die Wetterauer Industrie wenigstens gegenüber dem Vorjahr verbessert, wenngleich der Wert aus der Frühjahrsumfrage nicht mehr erreicht werden konnte. Auch hier ist die Metallerzeugung vorn, aber auch die Pharmabranche und die Elektrotechnik schneiden gut ab.
 
Einzelhandel: Prima Klima in Gießen
Der Giessener Einzelhandel kommt auf einen Klimaindex von 106,2, gegenüber 112,1 im Vorjahr. Damit liegt Gießen über dem hessischen Durchschnitt und hat gegenüber der Frühjahrsumfrage nur eine leichte Verschlechterung aufzuweisen. Noch besser schneidet der Einzelhandel des Vogelsbergkreises ab, der auf einen Klimaindex von 110,7 kommt und damit mehr als sieben Punkte besser liegt als der hessische Einzelhandel. Die Wetterauer Einzelhändler schließlich kommen auf den schlechtesten Wert: Zwischen Bad Vilbel und Butzbach, zwischen Ober-Mörlen und Büdingen, wird ein Wert von 63,2 gemessen. Damit hat man sich sowohl gegenüber der Vorjahresumfrage als auch gegenüber der Frühjahrsumfrage nochmals deutlich verschlechtert. 
  
Konjunkturrisiken Rohstoff- und Energiepreise
In einer Sonderaktion wollte die IHK Antworten auf weitere aktuelle Fragestellungen der derzeitigen konjunkturellen Lage erhalten. Zunächst wurden die Unternehmen nach ihren Einschätzungen zu den größten Risiken der derzeitigen Entwicklung gefragt. Dabei sehen fast die Hälfte der Betriebe die hohen Rohstoffpreise als größtes Hindernis für eine weitere positive Entwicklung an. Dicht gefolgt mit rund 46 Prozent aller Unternehmen werden die hohen Energiepreise als Top-Risiko genannt. Als Risiko Nummer drei gilt den Betrieben die schwache bzw. fehlende Inlandsnachfrage – der kränkelnde Konsum wurde im Übrigen bei der Vorjahresumfrage als Risiko Nummer eins eingestuft. Die Staatsschuldenkrise, die während der Befragung bereits klares Top-Thema in den Medien war, landet mit gerade einmal 40 Prozent lediglich auf Rang vier. Daraus könnte man folgern, das in der realen Wirtschaft, fernab der aufgeregten Medien- und Börsenlandschaft, die naheliegenden Bedrohungen anstehende Kostenbelastungen sind. Und die ergeben sich zunächst aus den hohen Energie- und Rohstoffpreisen.
 
Fachkräftemangel durch Aus- und Weiterbildung lindern
Als problematischste Folge der demographischen Entwicklung definieren die Unternehmen den Mangel an Fachkräften. Mit mehr Ausbildung und einer verstärkten Weiterbildung wollen die Unternehmen dieser sich anbahnenden Knappheit begegnen. Erst mit gehörigem Abstand werden Maßnahmen wie die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität oder die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie genannt. Mit Fachkräften aus dem Ausland wollen nur 9,1 Prozent der Betriebe diesen Engpass beheben. Dies spiegelt sich auch in Maßnahmen zur Fachkräftesicherung wider: Mehr als 70 Prozent der Unternehmen wollen die Qualifikation der Schulabgänger steigern. Die Qualität der Arbeitsagenturen wollen 36,8 Prozent verbessern und 23,4 Prozent der Betriebe schlagen vor, die Kinderbetreuung auszubauen. Genau 14,6 Prozent schließlich würden die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte erleichtern.
 
Finanzierungskonditionen kein Problem mehr
Verbesserte Finanzierungskonditionen gegenüber dem Vorjahr sehen 7,3 Prozent aller Unternehmen. Dies waren vor Jahresfrist noch 10,2 Prozent der Betriebe. Für
78,6 Prozent aller Betriebe, gegenüber 72,0 Prozent im Vorjahr, sind diese Konditionen gleich geblieben. Dagegen sehen 12,0 Prozent aller Unternehmen, gegenüber 15,9 im Vorjahr verschlechterte Finanzierungskonditionen. Die so genannte Kreditklemme ist mithin kein aktuelles Thema. Ob sie wieder zu einem Thema wird, gehört ins Reich der Spekulation.

26.10.2011 
Quelle: Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg